"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.
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Selbstbehauptung und Gegenwehr von Verfolgten


10.4.2005
Trotz der Todesgefahr oder Todesgewissheit leisteten selbst KZ-Häftlinge Widerstand: Sie wahrten die eigenen religiösen Feiertage, verbargen andere Häftlinge oder versuchten Nachrichten aus den Lagern zu schmuggeln. 1943 kam es im Warschauer Ghetto sogar zu einem bewaffneten Aufstand.

Nicht genau datiertes Schwarz-Weiß-Foto: Eine Gruppe religiöser Juden wird im April / Mai 1943 von SS-Angehörigen (nicht im Bild) im Warschauer Ghetto gefangen genommen. Nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto wurde dieses durch deutsche Truppen Mitte Mai 1943 endgültig zerstört.Eine Gruppe religiöser Juden wird im April / Mai 1943 nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto gefangen genommen. (© AP)

Einleitung



Auch die Menschen, die wegen ihrer religiösen Überzeugung oder wegen ihrer Abstammung verfolgt waren, die in der Illegalität leben mußten oder in Haftanstalten und Konzentrationslagern verschleppt waren, haben Widerstand geleistet. Für Juden und Zeugen Jehovas, Sinti und Roma und andere gejagte Minderheiten bedeuteten "Widerstand" etwas anderes als für konservative Beamte und adelige Offiziere, die nicht von vornherein als Gruppe bedroht waren. Selbstbehauptung und Solidarität waren in der Situation der Verfolgten schon Leistungen des Widerstandes gegen ein System, das erst Selbstbewußtsein und Kameradschaft seiner Gegner zerstörte, um sie schließlich physisch zu vernichten.

Wer im Konzentrationslager saß, hatte wenig Möglichkeit, die Nationalsozialisten an der Ausübung und Ausbreitung ihrer Macht zu hindern. Die Zwangsarbeiter im Konzentrationslager konnten allenfalls - unter großer Lebensgefahr - die Rüstungsfabrikation durch Sabotage und Produktionsverzögerungen ein wenig stören. Durch kulturelle Aktivitäten wie Theaterspielen, Vorträge oder Musizieren konnten Häftlinge ihre Selbstachtung bewahren, durch heimliche Gottesdienste die Moral stärken, durch den Austausch von Informationen den Durchhaltewillen am Leben erhalten. Dazu dienten, immer unter Anführung der aus politischen und religiösen Gründen Inhaftierten, Veranstaltungen in den Lagern, die von der SS genehmigt waren. Es kam darauf an, nicht merken zu lassen, daß mit den klassischen Theaterstükken Botschaften vermittelt wurden, die nur die Häftlinge verstanden und ermutigten.

In fast allen Konzentrationslagern gab es irgendwo ein verborgenes Radio, mit dem Nachrichten aus der Außenwelt aufgefangen wurden. Es gab geheime Informationsnetze von Häftlingen, die sich für den Tag der Befreiung vorbereiteten und deshalb, wie in Dachau, Buchenwald und Mauthausen, unmittelbar nach der Flucht der SS die Organisation des Lagers in die Hand nehmen konnten. Am Anfang stand immer die Solidarität mit schwächeren Mitgefangenen: ein Stück Brot, ein organisiertes Kleidungsstück oder ein Versteck im Krankenbau halfen dem bedürftigen Häftling nicht nur unmittelbar, sondern stärkte auch seinen Durchhaltewillen und zeigte ihm, daß die SS nicht allmächtig war. Die "Funktionshäftlinge" in der Lagerschreibstube, die "Kapos" (Häftlinge, die den Befehl über die Arbeitskommandos hatten) konnten, wenn sie sich nicht von der SS korrumpieren ließen, für die Organisation von Widerstand im Lager hilfreich sein. Rückschläge waren unvermeidlich. Im KZ Sachsenhausen wurde eine Hilfsaktion im Lager verraten. 27 Häftlinge wurden erschossen.

Aufstände in Konzentrationslagern waren wegen der scharfen Bewachung und wegen des von Entkräftung, Hunger und Krankheit bestimmten physischen Zustands der Häftlinge kaum denkbar. Trotzdem hat es im Warschauer Ghetto 1943 einen fast vierwöchigen Aufstand, im August 1943 im Ghetto Bialystok und im Vernichtungslager Treblinka Revolten gegeben, eine weitere im Oktober 1943 in Sobibor. Sie wurden rasch niedergeschlagen, immerhin glückte einigen wenigen dabei die Flucht. In Auschwitz existierte seit 1943 eine "Kampfgruppe Auschwitz", die Verbindung zu polnischen Widerstandskämpfern außerhalb des Lagers hatte und die Flucht einzelner Häftlinge organisieren sowie Nachrichten und Medikamente ins KZ einschmuggeln konnte. Der bewaffnete Aufstand des "Sonderkommandos" der Häftlinge, die an den Krematorien arbeiteten, wurde rasch niedergeschlagen und hatte den Tod aller zur Folge. Zum Widerstand im KZ gehörten auch die Versuche, Nachrichten aus dem Lager über die Verwirklichung des Völkermords hinauszuschmuggeln, um die Weltöffentlichkeit aufzurütteln. In Auschwitz gelang dies im Sommer 1944 mit Hilfe der polnischen Widerstandsbewegung.



 
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