"Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig.

17.3.2008 | Von:
J.W. Aust
Thomas Aust

Literatur im Nationalsozialismus: Überblick Werke und Autoren

Viele der nichtfaschistischen, in Deutschland verbliebenen Schriftsteller waren nicht bereit, sich auf die verordnete literarische Linie des Regimes festlegen zu lassen. Ihnen blieb nur der Weg in die "Innere Migration".

Der deutsche Autor und Bruder des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann, Heinrich Mann (links), kommt mit seiner Ehefrau Nelly in Hoboken, New Jersey, am 13. Oktober 1940 an. Sie sind mit 15 weiteren ausländischen Autoren von Lissabon aus mit dem griechischen Schiff Nea Hellas in die USA emigriert.Der deutsche Autor und Bruder des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann, Heinrich Mann (links), mit seiner Ehefrau Nelly bei ihrer Einreise in die USA 1940. (© AP)

Faschistische und profaschistische Literatur

Im Mittelpunkt dieser Literatur standen, wie auf der im "Dritten Reich" alljährlich stattfindenden und in Weimar eröffneten "Woche des deutschen Buches" von Goebbels wiederholt verkündet, "Buch und Schwert". Diese Schriftsteller propagierten in ihren Werken die NS-Ideologie, wollten mit Führerkult, Rassenhass, insbesondere gegen Juden, der Vermittlung nationaler Überheblichkeit, der Idee einer"Volksgemeinschaft", Blut-und-Boden-Mystik und Antikommunismus durch ihre Literatur das deutsche Volk bereit machen für den kommenden Angriffskrieg. Wie von den NS-Führern für die Propaganda gefordert, sollte auch der Inhalt ihrer Werke und die dort verwendete Sprache einfach und unkompliziert, einprägsam und verständlich sein. Der "heroische", "heldische" Mensch stand als positiver Held, als Vorbild, im Mittelpunkt. Der Leser sollte sich an ihm begeistern, sich mit diesem identifizieren. Und der Held musste ein deutscher oder ein germanischer Typ sein. Hanns Johst, der führende dieser Schriftsteller, kam dem in seinem Schauspiel "Schlageter" nach, ebenso Eberhard Wolfgang Möller mit seinem "Frankenburger Würfelspiel".

Gleiches, dann auch in einer "völkischen" Bearbeitung historischer Stoffe, ist für die epischen Werke von Ernst Guido Kolbenheyer ("Deutsches Bekenntnis. Unser Leben"), Hans Friedrich Blunck ("Wolter von Plettenberg"), Otto Gmelin ("Konradin reitet"), Hjalmar Kutzleb ("Der erste Deutsche") und Mirko Jelusich ("Der Traum vom Reich") zu sagen. Neben mehr oder weniger offener Glorifizierung Hitlers und seines Aufstiegs, eingearbeitet in die literarischen Stoffe, wie bei Hanns Johst mit der Widmung zu seinem Schauspiel "Schlageter", standen Werke mit einem primitiven Antisemitismus wie Friedrich Sieburg in "Es werde Deutschland".

Das bäuerliche Leben im Sinne der NS-Mystik sowie in Verbindung mit der Forderung nach der Eroberung neuen Landes, entsprechend der "Volk-ohne-Raum"-Theorie, gestalteten mit Romanen und Erzählungen Hermann Stehr ("Das Geschlecht der Maechler"), Emil Strauß ("Lebenstanz") und Hans Grimm ("Lüderitzland"). Grimm war es auch, der 1926 den Roman "Volk ohne Raum" geschrieben hatte.

Romane, Erzählungen, Novellen und Kurzgeschichten zur Verherrlichung des Krieges und des "Heldentodes" schufen z. B. Edwin Erich Dwinger ("Panzerführer"), Hans Zöberlein ("Stoßtrupp 1917") und Heinrich Zerkaulen ("Jugend von Langemarck"). Solchen Forderungen schlossen sich auch einige auslandsdeutsche Schriftsteller an. Als einer ihrer Vertreter soll hier der sudetendeutsche Schriftsteller Gottfried Rothacker ("Das Dorf an der Grenze") genannt werden. Andere Autoren, wie Hanns Johst ("Die Begegnung", gemeinsam veröffentlicht mit "Mutter ohne Tod") waren bemüht mit Novellen und Erzählungen die Idee von der Volksgemeinschaft, Rassentheorie und Blut-und-Boden-Mystik ihren Lesern zu vermitteln.

Die NS-Lyrik sollte zum einen Grundlage der Lieder der NS-"Bewegung" sein, war ansonsten von der "Einfachheit" (Goebbels über HJ-Lieder: "etwas flach".[1]), von der Brutalität der dort verwendeten Sprache, aber auch von romantisierender Hitler-Verehrung geprägt. Vertreter dieser NS-Lyriker waren unter anderem Heinrich Anacker ("Die Trommel") und Herybert Menzel ("Deutschland heiliges Deutschland").

Einige deutsche Schriftsteller, die nicht der NS-Bewegung angehörten, wurden von den Machthabern gefördert. Dies geschah, weil sie, wie Frank Thieß, öffentlich der NS-Idee gehuldigt und sich mit ihr solidarisiert hatten (im Vorwort zur Sonderausgabe seines Romans "Der Leibhaftige", 1933) oder weil man ihre Literatur für die Durchsetzung der faschistischen Ideen für ungefährlich hielt, wie bei Gertrud Freiin von Le Fort, die Faschismus und Krieg als göttliche Schickung und damit als unvermeidlich bekundete. Wenn, wie bei Hanns Johsts "Propheten", dessen frühe Werke dem von den NS bekämpften Expressionismus zugerechnet werden mussten, doch einmal ein Buch oder Drama eines NS- bzw. NS-nahen Schriftstellers verboten bzw. ein Drama abgesetzt wurde (wie Johsts "Einsamer"), hatte das für die schriftstellerische (bei Johst auch für die politische) Betätigung des Betroffenen zumeist keine weiteren Folgen. Er durfte weiter schreiben und veröffentlichen.

Widerstand

Gegen die Terrormaßnahmen des NS-Regimes, gegen seine Kunst- und Kulturfeindlichkeit, gegen seine Kriegsvorbereitungen und Kriege regte sich von Beginn an heftiger Widerstand der antifaschistischen Schriftsteller. Sie waren nicht davon überzeugt, dass die Nazis die errungene Macht, wenn sie abgewirtschaftet hatten, wieder hergeben würden. Eine wesentliche Erkenntnis bereits ihrer ersten Kämpfe gegen das NS-Regime war, dass nur durch das einheitliche, solidarische Handeln aller Hitlergegner eine Chance bestand, die Nazidiktatur zu beseitigen. In diesem Sinne handelten Dichter, wie Heinrich Mann, der sich im Februar 1933 öffentlich für eine antifaschistische Einheitsfront einsetzte.

In Deutschland verleumdet von den Führern und Gefolgsleuten des Regimes, die ihnen neben Besitz und Geld, Verträgen mit Verlagen und Buchhonoraren auch die deutsche Staatsbürgerschaft nahmen, organisierten die Exilierten den Widerstand, sowohl über illegal verbreitete Schriften nach Deutschland hinein, als auch in der Mobilisierung der Weltöffentlichkeit. Unterstützt von Schriftstellerkollegen aus anderen Ländern, wie Romain Rolland und H. G. Wells, erhoben sie ihre Anklagen auf den Sitzungen des internationalen PEN-Clubs, wie auf der 11. Jahreshauptversammlung, am 27. Mai 1933 in Dubrovnik.


Fußnoten

1.
"Die Tagebücher des Joseph Goebbels”, herausgegeben von Elke Fröhlich, K. G. Saur München, 1998 - 2006, hier Bd. 3/II, S. 181.