Dossierkopf Geheimsache Ghettofilm

24.9.2013

Das Restmaterial als Beweis der Inszenierung

Adrian Wood ist ein renommierter Filmrechercheur und Produzent. Als Rechercheur liefert er Filmemachern Archivmaterial. Dafür durchstöbert er weltweit Archive nach Bilddokumenten. Die Regisseurin Yael Hersonski sprach mit Wood als Teil ihrer Recherche zu "Geheimsache Ghettofilm". Die bpb zeigt Ausschnitte aus dem Interview mit Adrian Wood - mit drei Schwerpunkten.



(© 2013 Belfilms LTD. / bpb)

Teil 1: Filmfragment "Ghetto"

Im Mai 1942 drehte ein NS-Filmteam im Warschauer Ghetto. Aus dem Filmmaterial entsteht ein erster Rohschnitt, der in den 1950er Jahren im Staatlichen Filmarchiv der DDR gefunden wird. Es handelt sich um 60 Minuten Schwarz-Weiß-Aufnahmen ohne Ton. Adrian Wood beschreibt den Film als ausgeklügelte und aufwendige Produktion. Die Machart zeige, dass es sich um eine Inszenierung handele und die Bilder nicht das Leben im Warschauer Ghetto abbildeten. Wood liefert mögliche Gründe für das Fehlen der Tonspur. Außerdem geht er auf den erstaunlichen Umstand ein, dass bis heute keine Akten zu dem Film gefunden wurden.





(© 2013 Belfilms LTD/ Bundeszentrale für politische Bildung)

Teil 2: Entdeckung des Restmaterials

Adrian Wood beschreibt die komplexe Geschichte der Entdeckung der Verschnitte aus dem Filmfragment "Ghetto". Er arbeitete an einem Filmprojekt für die BBC, als er in den USA in den 1990er Jahren das Restmaterial entdeckte. Er wurde an drei unterschiedlichen Orten fündig - teils zufällig, teils durch gezielte Suche. Die Verschnitte machen, so Wood, deutlich, dass das Filmfragment Ghetto keine dokumentarisch festgehaltenen Aufnahmen zeigt, sondern gestellte Szenen. Wood spricht ebenfalls über einen Farbfilm, auf dem die Warschauer Drehorte des Filmfragments "Ghetto" zu sehen sind. Dieser Film wurde sehr wahrscheinlich von einem Mitglied des Filmteams gedreht.





(© 2013 Belfilms LTD. & Bundeszentrale für politische Bildung)

Teil 3: Korrekter Umgang mit Bilddokumenten

Der Filmrechercheur Adrian Wood appelliert an Filmschaffende, Archivmaterial historisch korrekt zu verwenden. Anschaulich Geschichte zu vermitteln, impliziere zugleich historisch korrekt mit Archivmaterial umzugehen. Bilder seien niemals austauschbar. Für Wood ist ebenfalls entscheidend, schriftliche und/oder mündliche Belege für Bilddokumente zu finden. Nur so könne man sicher sein, dass die gefilmte Situation wirklich stattgefunden hat und nicht inszeniert wurde. Bilddokumente sind für Wood eine zentrale Quelle der Geschichtsschreibung.


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