Baracke im KZ Ravensbrück

24.1.2006 | Von:
Martin Guse

Jugend-KZ Uckermark

Existenzbedingungen

Die Lebensverhältnisse im Lager Uckermark waren lange Zeit durch improvisierte Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Erst Mitte 1944 wurde das Lager fertig gestellt - mit etwa 15 streng voneinander getrennten Holzbaracken. Nach den Vorgaben der Kriminalbiologinnen und -biologen um Ritter orientierte sich die Unterbringung an einem abgestuften System von "unteren", "mittleren" und "höheren" Häftlingsblöcken. Diese Zuordnung bestimmte den pro Block unterschiedlichen Umgang mit den Häftlingen, mit Erleichterungen für "aufgestiegene" Mädchen und junge Frauen. Die durchschnittliche Belegung der spartanisch eingerichteten Wohnbaracken betrug etwa 100 Häftlinge. Die SS nahm den Jugendlichen bei der Einlieferung sämtliche persönliche Habe ab und teilte ihnen die Häftlingskleidung sowie eine Häftlingsnummer zu.

Ein wesentliches Instrument der SS-Lagerhaft war die Zwangsarbeit, vornehmlich im land- und hauswirtschaftlichen Bereich. Dazu gehörten u. a. die Kultivierung von Sumpfwiesen und das Anlegen von Gemüsebeeten. Zur Rüben- und Kartoffelernte wurden die Jugendlichen auch als Hilfskräfte an Bauern im Umland vermietet. Andere Uckermark-Häftlinge arbeiteten in den Arbeitskommandos des Lagers Ravensbrück, beispielsweise in der Schneiderei, oder sie mussten als Haushaltshilfen in der SS-Siedlung arbeiten. Ab 1944 leisteten außerdem etwa 100 junge Häftlinge des Lagers Uckermark Zwangsarbeit für den Siemens-Konzern.

Die vollkommen unzureichende Verpflegung kam aus der Küche des Frauenlagers. Zwangsarbeit, Mangelernährung, Strafsystem und miserable Bekleidung führten zu zahlreichen Erkrankungen: von Hautausschlägen über Blasentzündungen bis hin zu Tuberkulose, Ruhr und Typhus. Eine eigene, kleine Krankenstation erhielt das Jugend-KZ erst Anfang 1944. Bis dahin kamen Schwersterkrankte in das Krankenrevier im Frauen-KZ. Eine wirkliche medizinische Versorgung erhielten sie aber in keinem der beiden Fälle. Einige der Häftlinge starben aufgrund der miserablen Haftbedingungen aber auch durch Vergiftungen, Schläge und Erschießen. Aufgrund der Quellenlage können zu den Todesopfern des Jugend-KZ allerdings keine exakten Angaben gemacht werden.

Schikanen und Strafsystem

Der Tagesablauf im Jugend-KZ Uckermark war minutiös durchstrukturiert und stark an militärischen Vorbildern orientiert. Angesichts eines engen Kataloges penibler Vorschriften galt hier: Je zahlreicher die Vorschriften, desto mehr Möglichkeiten, sie zu "übertreten"; je stärker der militärische Drill, desto größer die Gefahr zu "versagen". Neben dem Entzug von Vergünstigungen und diversen Ordnungsstrafen waren vor allem der Essensentzug, das "Strafstehen" als Einzelstrafe, mehrstündiges Appellstehen als Kollektivstrafe sowie die offizielle Prügelstrafe und der so genannte "Strafsport" besonders gefürchtet. Arreststrafen wurden im berüchtigten Zellenbau des Frauen-KZ vollzogen. Die von der Haft betroffenen Mädchen und jungen Frauen waren vom frühmorgendlichen Wecken bis zum abendlichen Einschluss in der Baracke der ständigen Beanspruchung, den andauernden Leistungsanforderungen, der permanenten Reglementierung und Bestrafung unterworfen.

Teilräumung und Auflösung

Mit der Überstellung von 211 Jugendlichen in das benachbarte Frauen-KZ am 24. Januar 1945 begann die Auflösung des Jugend-KZ Uckermark. Übrig blieben die jungen Sloweninnen, die am 30. April offiziell aus der Haft entlassen wurden. Das Gelände des Jugend-KZ diente nunmehr in erster Linie als Sterbe- und Selektionslager für das KZ Ravensbrück.


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