Ravensbrück
1 | 2 | 3 Pfeil rechts

Das Jugend-KZ Uckermark – 1942 bis 1945


24.1.2006
In unmittelbarer Nähe zum Frauenlager Ravensbrück wurde 1942 das Jugend-KZ Uckermark erbaut. Bis 1945 waren 1.200 Mädchen und junge Frauen dort inhaftiert. Martin Guse schildert die Verfolgtengruppen und die Haftgründe, ebenso die Bewachung, die Schikanen und das Strafsystem im Jugend-KZ Uckermark. Nach der Auflösung 1945 wurde Uckermark Sterbe- und Selektionslager für Frauen aus dem Lager Ravensbrück.

Einleitung



Im Juni 1942 wurden die ersten Mädchen und jungen Frauen nach Uckermark eingeliefert. Sie waren zuvor von nationalsozialistischen Behörden als "gemeinschaftsfremd", "asozial" oder "politisch unzuverlässig" eingestuft worden. Sie galten der Fürsorge, der Polizei oder der SS als Jugendliche, die sich nicht in die "Volksgemeinschaft" einfügen wollten. Bis zum Kriegsende waren insgesamt etwa 1.200 Mädchen und junge Frauen im Lager Uckermark inhaftiert, das zum Lagerkomplex des KZ-Ravensbrück gehörte.

Die Debatte über den Umgang mit vermeintlich "unerziehbaren" Jugendlichen reicht bis in die Anfänge der Weimarer Republik zurück. Die Fürsprecherinnen und Fürsprecher eines letztlich nicht vollendeten "Bewahrungsgesetzes", das die Zwangsinternierung der Betroffenen in geschlossenen Anstalten vorsah, bezogen sich auf wissenschaftlich-theoretische Überlegungen von Vertreterinnen und Vertretern der Biologie, der Fürsorge und der Medizin, die eine Aussonderung der "Auffälligen" forderten. Sie folgten der Idealisierung des "gesunden, edlen, leistungsfähigen" Menschen, dem im sozialdarwinistischen Prinzip der "unedle, belastete und nicht leistungsfähige" Mensch gegenüberstehe. Diese sozialpolitische Entwicklung innerhalb maßgeblicher Kreise der Weimarer Fürsorge wurde indirekt vom nationalsozialistischen Polizei- und SS-Apparat aufgegriffen und fortan als "eigene", polizeiliche Aufgabe umdefiniert. So beschloss der Reichsverteidigungsrat am 1. Februar 1940 die Einrichtung so genannter "Jugendschutzlager" unter Federführung des Reichskriminalpolizeiamtes (RKPA) und der SS. Grundlage bildete auch das von den Nationalsozialisten "legalisierte" Prinzip der "vorbeugenden Verbrechensbekämpfung" und das ab 1939 in mehreren Entwürfen diskutierte "Gesetz über die Behandlung Gemeinschaftsfremder". Beide Maßnahmenkataloge richteten sich gegen die als "asozial" oder "kriminell" klassifizierten gesellschaftlichen Außenseiter. Neben Uckermark entstand 1940 ein Jugend-KZ für männliche Jugendliche in Moringen bei Göttingen.
Der Eingang zum Jugend-KZ Uckermark. Nach 1945 wurde es von der sowjet. Armee als Fuhrpark benutzt. Von den Mauern und Baracken ist fast nichts geblieben.Der Eingang zum Jugend-KZ Uckermark. Nach 1945 wurde es von der sowjet. Armee als Fuhrpark benutzt. Von den Mauern und Baracken ist fast nichts geblieben. (© bpb)

Organisation und Bewachung



Der Bau des Jugend-KZ Uckermark begann 1942. Als Teil des Lagerkomplexes Ravensbrück war der dortige Kommandant gleichzeitig Befehlshaber des Jugendlagers. Als ihm direkt unterstellte Lagerleiterin fungierte bis 1945 die Kriminalrätin Charlotte Toberentz. In ihrem Mitarbeiterinnenstab fungierte eine Reihe von weiteren Kripobeamtinnen, die wie sie dem RKPA angehörten. Daneben gab es die etwa 100 SS-Aufseherinnen, offiziell als "Erzieherinnen" angesprochen, die die jungen Häftlinge in den Unterkunftsbaracken und bei den Arbeitskommandos beaufsichtigten. Die äußere Bewachung des Jugend-KZ erfolgte durch die Wachkompanie des KZ Ravensbrück.



 

Dossier

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte? Weiter... 

Dossier

Sophie Scholl und die "Weiße Rose"

Die Geschichte von Sophie Scholl und der "Weißen Rose" ist auch über 60 Jahre nach ihrem gewaltsamen Tod von Bedeutung. Sie ist ein Symbol für beispielhafte Zivilcourage und Widerstand gegen die Hitler-Diktatur. Weiter... 

Gemeinsame Bezugsrahmen schaffen

Die Erinnerung an den Nationalsozialismus spielt in der kollektiven Erinnerung Deutschlands eine besondere Rolle. Felix Höninghoff, Mitarbeiter des Besuchsdienst Bergen-Belsen, erklärt auf werkstatt.bpb.de, wie er Jugendgruppen mit heterogenem historischem Bezugsrahmen bei Führungen durch die Gedenkstätte erreicht. Weiter... 

Dossier

Geschichte und Erinnerung

Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum. Weiter... 

Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933. Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeutet für die deutschen Juden von Anfang an eine antisemitische  Politik der Diskriminierung und Verdrängung.Fachkonferenz

Konferenz zur Holocaustforschung

Die Internationalen Konferenzen zur Holocaustforschung dienen dem Austausch zwischen wissenschaftlicher Forschung und der Praxis politischer Bildung. Sie entstehen aus einer Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und Partnern aus der Wissenschaft. Weiter... 

Auschwitz heuteMediathek

Auschwitz heute

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur „Volksgemeinschaft“ gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt. Grundlage sind Fotos von Martin Blume. Weiter...