Fotoalbum vom jüdischen Kinderheim Beit Ahawah. Die Kinder feiern Seder. Sie lesen am ersten Abend von Pessach aus der Haggadah, einer Erzählung vom Auszug aus Ägypten. Auf dem Tisch steht der Sederteller.

24.4.2018

Transkript Postkarten

Postkarten von Julie und Julius Jonas vom 14. und 15. Dezember 1938 an ihre Töchter Elisabeth und Margarethe in England


1. Postkarte

England

Miss E.u. M. Jonas
Holiday Camp
Dover Court Bay
near Harwich

Essex

[Bleistiftnotiz] Roseneath[?] St. Petris Pk Road, Broad[unleserlich] Jewish Convalescent Home

14. Dezember 1938
Meine geliebten Zwei, heute kamen wieder 2 Karten von Euch. Ihr habt ja mächtig viel Besuch! Wie nett, dass Gudula mit da war. Ich freue mich, dass Walter sich auch so um Euch kümmert. Eben habe ich an Herrn u. Frau [Dr. Trag] u. an Mrs. [Bundwich] geschrieben, um ihnen für alles zu danken. Heute rief A. an. Sie gehen nun endgültig nach Ecuador. Das hat Kurt ihnen besorgt. G.s.D. [Gott sei dank] nicht nach China. Auch Kurt will ich schreiben und danken. Vielleicht besucht er Euch auch mal. Olga L. fährt morgen. Sie wird Walter anrufen und Euch schreiben. Eines nach dem anderen. Wann wird Paulas Bruder dran sein? Die Nerven sind recht dünn geworden. An morgen mag ich nicht denken. Ich habe nichts für Vati gekauft, weil uns beiden nicht nach Geburtstag zumute ist. Aber man darf nicht undankbar sein. Euch geht’s gut, u. das ist eigentlich die Hauptsache. Habt Ihr mal an Sophie-Anne geschrieben oder schon von ihr gehört? Mehr weiss ich heute nicht. Bleibt mir gesund, Ihr geliebten, süssen Kinder. Ich küsse Euch und bin Eure Mutti.
Meine geliebten Kinder, ich werde morgen den ganzen Tag an Euch denken. Ihr bleibt meine geliebten Kinder, wenn Ihr auch [unleserlich] sein
1000 Küsse Papa
Gruß Kätle

2. Postkarte

England

Miss E.u. M. Jonas
Holiday Camp
Dover Court Bay
near Harwich

Essex

15. Dezember 1938
Meine geliebten Schnudelhunde, Eure Geburtstagsbriefe sind suess, und ich muss immer wieder sagen, so sehr Ihr uns fehlt u. so gross unsere Sehnsucht ist, so sind wir doch gluecklich und zufrieden, dass es Euch SO gut geht. Ob Tante G. wohl heute bei euch ist? Von Paula war ein netter, langer Brief da, dass sie einen Garantieschein fuer ihren Bruder bekommen haette. Bedeutet das schon was? Erkundigt Euch doch mal. Heute Abend kommt Tante Kaete R. zu uns, vielleicht Lore u. Mann. Es ist ganz gut, wenn wir zwei Alten nicht so allein sitzen. Wir werden ein bisschen Rotwein trinken und mit Gedanken bei Euch sein. – Eben habe ich einen ausfiehrlichen Brief an Isis Mutter geschrieben. Ob ich ihr helfen kann damit, weiss ich nicht. Jedenfalls habe ich mir alle Muehe gegeben. Heute kam auch ein Briefe von Onkel Mo’s Sozius wegen der Kinder von Verwandten von ihm, die auch mit einem Transport moechten. Ich tue alles was ich kann, aber nach Chemnitz haben wir keine Beziehungen. Ich werde mit Recha E. telefonieren deswegen. Sonst gibt es nichts Neues. Bleibt gesund. Ich kuesse Euch u. hab Euch lieb u. bin Eure Mutti
Meine [unleserlich ]Kinder, für [unleserlich] seid süß. Aber Ihr seid viel süßer. Ich habe den ganzen Tag an Euch gedacht. Ihr sicher auch an mich.
1000 Küsse Euer Papa.


Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933. Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeutet für die deutschen Juden von Anfang an eine antisemitische  Politik der Diskriminierung und Verdrängung.
Jüdisches Leben in Deutschland

1933-1945:­

Verdrängung und Vernichtung

Am 30. Januar 1933 beginnt die Herrschaft der Nationalsozialisten. Die jüdischen Bürger werden zunehmend ausgegrenzt und ihrer Existenzgrundlagen beraubt. Die antisemitische Politik bedroht diejenigen, die nicht auswandern oder im Untergrund abtauchen können, mit Deportation und Tod in den Vernichtungslagern.

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Nachdem er bei der Polizei eine Anzeige wegen Sachbeschädigung aufgeben wollte, wird der jüdische Anwalt Dr. Michael Siegel von SA-Truppen durch die Münchener Innenstadt getrieben. Auf dem ihm umgehängten Schild steht: "Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren".
Nationalsozialismus: Aufstieg und Herrschaft

Verfolgung

Unmittelbar nach der Machteroberung 1933 beginnt die Verfolgung von politischen Gegnern, Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, "Asozialen" und "Erbkranken". Insbesondere das Vorgehen gegen die Juden radikalisiert sich und findet einen vorläufigen Gipfelpunkt im Pogrom des 9. November 1938.

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Die "Reichspogromnacht" stellt einen vorläufigen Höhepunkt der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland dar, die schlussendlich in den Vernichtungslagern ihren Zielpunkt fand. Die vorliegenden Materialien sollen dazu dienen, einen Projekttag zum 9. November 1938 zu ermöglichen.

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