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Tagebuch Paul Steiner S. 24
...den Halt schenkt, der so dringend vonnöten. Und dennoch muss ich es einbekennen, dass ich mich persönlich – mag sein durch ein massloses Gefühl an Überheblichkeit – nicht so sehr von den Geschehnissen betroffen fühle und eher mein Mitleiden für Schuschnigg und all die armen Juden empfinde, als für mich selber.
Seltsames Geschehen der Welt: Schuschnigg, dessen antisemitische Gesinnung gewiss nicht in Zweifel zu ziehen ist, ward von uns Juden mit einer Scheu und Liebe verehrt, als wollten wir ihn den Erlöser nennen. Ohne dass wir es eigentlich wollten, fügte es sich, dass er den Juden heute näher steht als manchem alten Österreicher. Die Adeligen des Geistes und der Gesinnung finden zusammen und kitten ihr Schicksal aneinander, auch wenn sie aus gänzlich anderen Lager kommen.

15. März 1938
Nun ist der vierte Festtag angebrochen und noch immer wird gefeiert und gejubelt, so dass ich langsam glaube, es sei ehrlich und auch das österreichische Volk sei von den Psychosen ergriffen worden. Die Juden aber sind ratlos, wohin sie sich wenden sollen und ich weiss es nicht besser als all die anderen die voll Verzweiflung sind.

Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Leo Baeck Institute New York | Berlin - Paul Steiner Collection AR 25208)