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Tagebuch Harry Kranner Fiss S.12
...-ben. Aber schließlich weiß ich nicht, ob mit der Hausdurchsuchung Schluß ist. Ich kann es nicht mit Worten ausdrücken! Mutti hat geweint und ich bin gerade schon lebensüberdrüßig. Bitte, das ist kein Witz. Der Leser wird es auch nie mehr glauben können. Gehe heute den ganzen Tag, wahrscheinlich auch morgen und übermorgen, nicht auf die Straße. Es ist einfach furchtbar. Gestern schmissen Burschen, als ich mit Großmutter einkaufen ging, uns Steine nach, so etwas erlebe ich ja täglich fünfmal. Das soll ich auch schreiben. Ich bin furchtbar traurig, weiß nicht, was morgen sein wird, und habe die Hoffnung, jemals auswandern zu können, schon aufgegeben. Aber das ganze war nur der Anfang. Alle J. [uden] Wiens wurden in Wohnungen eingesperrt, weil die Gefängnisse voll waren. Großmutti und Großpapa wurden in ihre Wohnung und noch 1 Partei eingesperrt. Erste ist ganz fertig. Onkel Egon, überhaupt die ganze junge Römerfamilie und die ganzen Parteien des Hauses – 14 Personen, wurden in ihre Zimmer eingesperrt und die Schlüssel abgezogen. Am ärgsten machte Familie Singer mit. Herta kam ganz verweint zu uns...

Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Leo Baeck Institute New York | Berlin - Harry Kranner Fiss Collection AR 25595)