Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.

20.4.2005 | Von:
Kirsten Schulz

Die Weiße Rose und ihre Unterstützer

Zu den Unterstützern der "Weißen Rose" zählten mehr Personen als allgemein bekannt ist. Ein Großteil von ihnen stand – gemeinsam mit Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber – im zweiten "Weiße-Rose-Prozess" am 19. April 1943 vor dem Volksgerichtshof.

Zu den Anhängern und Unterstützern der "Weißen Rose" zählten mehr Personen als allgemein bekannt ist. Sie beteiligten sich in unterschiedlichem Maße an den Aktionen der Widerstandsgruppe gegen das Hitler-Regime. Ein Großteil von ihnen stand – gemeinsam mit Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber – im zweiten "Weiße-Rose-Prozess" am 19. April 1943 vor dem Volksgerichtshof:

Franz J. Müller unterstützte die Aktionen der Weißen Rose. Filmstill aus Apropos-Video "Die Weiße Rose".Franz J. Müller unterstützte die Aktionen der Weißen Rose. Filmstill aus Apropos-Video "Die Weiße Rose". (© telekult Film- und Medienproduktion GmbH, Berlin.)
Franz J. Müller, die Geschwister Hans und Susanne Hirzel sowie Heinrich Guter waren Abiturienten aus Ulm. Hans Hirzel war mit Hans Scholl bekannt und hatte von Sophie Scholl Anfang 1943 etwa 2.500 Exemplare des fünften Flugblatts erhalten. Müller sammelte Geld für Porto und Briefumschläge und machte die Flugblätter gemeinsam mit seinem Freund Hirzel postfertig. Er verteilte einen Teil der Briefe in Heilbronn. Susanne Hirzel war mit Sophie Scholl befreundet und warf gemeinsam mit ihrem Bruder die Mehrzahl der Briefe in Stuttgarter Briefkästen. Hans Guter war Mitwisser und wurde, weil er die Aktionen seiner Freunde und seiner Freundin nicht anzeigte, zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Hans Hirzel und Franz Müller wurden zu je fünf Jahren, Susanne Hirzel zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Eugen Grimminger war ein Stuttgarter Freund der Familie Scholl. Er war in die Aktionen der Geschwister Scholl und ihrer Freunde eingeweiht und unterstützte sie finanziell. Grimminger wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Heinrich Bollinger und Helmut Bauer waren mit Willi Graf befreundet. Dieser hatte sie Ende 1942 als Unterstützer gewinnen können. Sie erklärten sich bereit, Flugblätter zu verteilen. Im Januar 1943 erhielt Bollinger von Graf das fünfte Flugblatt, damit er es in Freiburg verbreitete. Bollinger und Bauer wurden zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt.

Falk Harnack hatte sich zweimal mit Mitgliedern der "Weißen Rose" getroffen. Die Gruppe hatte mit Harnack Kontakt aufgenommen, weil sie sich über ihn Kontakte zu Berliner Oppositionellen erhofften. Harnacks Bruder Arvid gehörte zum Berliner Widerstandsnetz "Die Rote Kapelle" und war deshalb am 22. Dezember 1942 hingerichtet worden. Sein Bruder Falk wurde am 19. April 1943 überraschend aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Traute Lafrenz, eine Freundin von Alexander Schmorell und Hans Scholl, erhielt wie Gisela Schertling, die zuletzt mit Hans Scholl eine Beziehung gehabt hatte, und Katharina Schüddekopf eine einjährige Haftstrafe, weil sie als Mitwisserinnen die "Straftaten" der "Weißen Rose" nicht angezeigt hatten.

Weitere Prozesse

Ein dritter Prozess im Zusammenhang mit der "Weißen Rose" fand am 13. Juli 1943 in München statt. Angeklagt waren Harald Dohrn, der Schwiegervater von Christoph Probst, der Architekt Manfred Eickemeyer, in dessen Atelier sich die "Weiße Rose" getroffen hatte, der Kunstmaler Wilhelm Geyer, der Eickemeyers Atelier mietete und Hans Scholl den Schlüssel zu den Räumen überlassen hatte, sowie der Buchhändler Joseph Söhngen, dessen Keller als Versteck für die Flugblätter diente. Nur Söhngen erhielt eine sechsmonatige Haftstrafe, die anderen wurden freigesprochen.

Nachdem der Kern der "Weißen Rose" ermordet worden war, wurde ihr Gedankengut und ihre oppositionelle Arbeit jedoch – wenn auch im kleineren Rahmen – weitergetragen. In München verbreitete der Chemiestudent Hans Leipelt zusammen mit anderen oppositionell gesinnten Freunden das letzte Flugblatt der "Weißen Rose" und initiierte eine Spendensammlung für die Witwe Kurt Hubers. Die Aktionen wurden verraten, Leipelt, seine Freundin Marie-Luise Jahn und weitere Unterstützer im Herbst 1943 verhaftet. Am 13. Oktober 1944 wurde Leipelt in Donauwörth zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 in München hingerichtet. Marie-Luise Jahn erhielt eine zwölfjährige Zuchthausstrafe.

Auch in Hamburg gab es einen Zweig der "Weißen Rose", der sich aus verschiedenen kleinen Gruppen zusammensetzte. Die Verbindung nach München lief über Traute Lafrenz, die dort zum Kreis der "Weißen Rose" zählte und im Spätherbst 1942 das dritte Flugblatt in ihre Heimatstadt Hamburg brachte, wo sie es an Gleichgesinnte verteilte. Dort verbreitete vor allem ihr Schulfreund Heinz Kucharski die Schrift im Freundeskreis. Sein Schulkamerad Karl Ludwig Schneider hatte Kontakte zu Hans Leipelt. Die Gestapo zerschlug die Hamburger Gruppe 1943. Kucharski wurde am 17. April 1945 zum Tode verurteilt, konnte auf dem Weg zur Hinrichtung aber fliehen. Andere erhielten Freiheitsstrafen, einige von ihnen starben während der Haft in Gefängnissen oder Konzentrationslagern.

Zum Jahresende 1943 warfen britische Bomber mehrere tausend Exemplare des sechsten Flugblatts über Deutschland ab. Der Titel lautete: "Ein deutsches Flugblatt. Manifest der Münchner Studenten".

Quelle der Videoausschnitte: Apropos – Videos & Texte zur politischen Bildung. Video 205: "Weiße Rose". (c) bpb 2005.


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