Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.

20.4.2005 | Von:

Glossar

"dj.1.11."

Die Abkürzung "dj.1.11." steht für "Deutsche Jungenschaft vom 1.11.1929", die von Eberhard Koebel – er selbst nannte sich "Tusk" – am 1. November 1929 gegründet wurde. Jungenschaften zählen, wie etwa auch Pfadfinder- oder Wandervogelbünde, zur Bündischen Jugend.

Koebel rief die "dj.1.11." innerhalb der "Deutschen Freischar" als Reaktion gegen die Älteren aus, die in den Bünden einen großen Einfluss auf jüngere Mitglieder hatten. Starke Verbindlichkeit und Engagement waren ein Muss innerhalb seiner Jungenschaft. Wandern, Fahrten in die Natur, Singen, Gemeinschaft standen auch in der "dj.1.11." auf dem Programm, doch verfolgte Koebel dabei elitäre Ansprüche: "wir wollen alles besser lernen und besser können: besser singen, besser schweigen, besser schlemmen, besser fasten, grimmig arbeiten und hemmungslos faulenzen", lautete einer seiner Grundsätze.

Die Jungenschaft führte die Kohte, ein schwarzes Zelt mit Rauchabzug, die Jurte sowie die blaue Jungenschaftsjacke ein. Zu den Ritualen der Gruppe gehörte etwa die Fahnenwache, ein meditiatives Stehen vor der gespannten Flagge. Ferner war das Einstudieren von Sprechchören oder auch das Stockfechten typisch für "dj.1.11.", später auch die Beschäftigung mit Zen-Philosophie.

Der Anspruch, vollkommen unabhängig zu sein, gehörte zum Selbstverständnis dieser Jungenschaft. Die Mitglieder – ausschließlich Jungen – sollten etwas selbst neu erringen, statt bereits Vorhandenes zu wiederholen. Entsprechend richtete sich die Gruppe an der Moderne und ihrer Ästhetik aus und propagierte etwa die konsequente Kleinschreibung. 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde die Jungenschaft verboten, wenngleich vielerorts versucht wurde, Traditionen und Inhalte der "dj.1.11." weiter zu leben.

Eberhard Koebel (1907-1955) trat 1932 in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein, was in der Jungenschaft durchaus kontrovers aufgenommen wurde. Anfang 1934 wurde er verhaftet, doch gelang ihm die Flucht nach England. 1948 kehrte er in den Osten Deutschlands zurück, wo er sich unter anderem in der FDJ engagierte.


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