Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.
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20.4.2005 | Von:
Kirsten Schulz

Glossar

Hier finden Sie das Glossar zum Dossier "Sophie Scholl und Die Weiße Rose".

Das Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944

Am 20. Juli 1944 verübte Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) mit Unterstützung seines Adjutanten Werner von Haeften ein Bombenattentat auf Adolf Hitler. Stauffenberg gehörte zu einem Kreis oppositioneller Militärs, die davon überzeugt waren, dass nur der Tod Hitlers den Krieg und die nationalsozialistischen Verbrechen gegen Juden und gegen die osteuropäische Bevölkerung aufhalten könne. Mehrere Versuche von regimekritischen Offizieren, Hitler zu töten, waren bereits gescheitert, als sich Stauffenberg im Sommer 1944 entschloss, das Attentat auf Hitler selbst zu begehen. Als Chef des Stabes bei General Fromm, dem Befehlshaber des Ersatzheeres, hatte er Zugang zu Hitlers Lagebesprechungen im "Führerhauptquartier".

Ob ein Attentat in der damaligen aussichtslosen militärischen Lage, etwa in Anbetracht der Invasion der Alliierten in der Normandie, das Schicksal Deutschlands überhaupt noch positiv beeinflussen könne, wurde unter den Verschwörern diskutiert. Doch überwog schließlich die Überzeugung, dass man wenigstens ein moralisches Zeichen setzen müsse – ein Zeichen des deutschen Widerstands gegen die Hitler-Diktatur.

Nachdem das Attentat dreimal verschoben worden war, flogen Stauffenberg und von Haeften am 20. Juli 1944 von Berlin zu Hitlers Hauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen. Stauffenberg platzierte die in einer Aktentasche versteckte Bombe am Besprechungstisch, doch die Detonation war zu schwach. Adolf Hitler wurde nur leicht verletzt. Stauffenberg reiste – in der Überzeugung, Hitler sei tot – nach Berlin zurück.

Das Attentat auf Hitler war Teil eines groß angelegten Umsturzversuches. Zusammen mit Vertretern des zivilen Widerstands hatten die oppositionellen Offiziere die "Walküre-Pläne" erarbeitet, mit denen sich die Verschwörer bei ihrem Staatsstreich die vollziehende Gewalt sichern wollten. Doch die Operation "Walküre" wurde verzögert ausgelöst und lief nicht wie geplant ab. Am späten Nachmittag wurde im Rundfunk offiziell die Nachricht verbreitet, dass Hitler den Anschlag überlebt habe. Wenige Stunden später wurde der Putsch niedergeschlagen. Regimetreue Offiziere verhafteteten Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitverschwörer. Stauffenberg wurde in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks – in dem das Oberkommando des Heeres seinen Sitz hatte und die Offiziere vergeblich versucht hatten, den Staatsstreich in Gang zu setzen – gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim und Friedrich Olbricht erschossen. Ludwig Beck, Generalstabschef des Heeres, bekam Gelegenheit zur Selbsttötung, wurde aber nach zwei misslungenen Versuchen ebenfalls erschossen.

Der Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler verurteilte in der Folge weitere Beteiligte an dem versuchten Staatsstreich zum Tode. Auf Hitlers Anweisung hin wurden einige "wie Schlachtvieh" qualvoll an Haken erhängt.

Bund Deutscher Mädel

Der "Bund Deutscher Mädel" (BDM) war eine Jugendorganisation der Nationalsozialisten. Der BDM wurde 1930 gegründet und zwei Jahre später zur einzigen parteiamtlichen Mädchenorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) erklärt. Ab 1936 war die Mitgliedschaft für die weibliche Jugend verpflichtend.

Der BDM war untergliedert in den "Jungmädelbund" für 10- bis 13-jährige Mädchen und den "Bund Deutscher Mädel" für die 14- bis 17-Jährigen. Er war wie die Hitler-Jugend (HJ) organisiert, dem Leitsatz "Jugend soll Jugend führen" folgend.

Aufgabe des BDM war es, die Mädchen im Sinne der NS-Ideologie und zu "weiblichen" Tugenden wie Gehorsam, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und Körperbeherrschung zu erziehen. Besonderen Wert wurde dabei auf die Mutterrolle sowie auf den Bereich Hauswirtschaft gelegt.

Bündische Jugend

Der Begriff "Bündische Jugend" ist eine Sammelbezeichnung für alle politisch und konfessionell unabhängigen Jugendbünde in der Weimarer Republik. Zu ihnen zählte etwa die Wandervogel- und Pfadfinderbewegung. 1926 schlossen sich verschiedene Bünde zum "Bund der Wandervögel und Pfadfinder" zusammen, der sich ein Jahr später in "Deutsche Freischar" (DF) umbenannte.

Die "Bündische Jugend" mit etwa 50.000 organisierten Mitgliedern entstammte meist dem Bürgertum. Sie verstand sich als eine Selbsterziehungsgemeinschaft, in der ihre Mitglieder außerhalb der Institutionen Familie, Schule, Kirche und Beruf ihr Leben frei und selbstbestimmt gestalten konnten. Wanderfahrten, Zeltlager und Heimabende standen auf dem Programm, wobei die Jugendlichen eine – oft romantisierte – Rückbesinnung auf Heimat und Natur jenseits der bürgerlichen Konsumgesellschaft suchten.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden "bündische Umtriebe" nach und nach verboten. Die "Deutsche Freischar" wurde im Juni 1933 als einer der ersten Bünde von den Nazis aufgelöst. Die bündische Alltagskultur, die zum Teil im Verborgenen weitergelebt wurde, bot eine Möglichkeit, sich von nationalsozialistischen Werten und Idealen zu distanzieren und unter Gleichgesinnten zu wandern und zu diskutieren.

Carl Muth

Professor Carl Muth (1867 – 1944) war Mitte der 1890er-Jahre Schriftleiter der Zeitung "Elsäßer" in Straßburg, danach Herausgeber der "Alten und Neuen Welt".

1903 gründete er die Monatszeitschrift "Hochland". Autoren dieses Magazins waren kritische Katholiken aus dem In- und Ausland. Muth bemühte sich, den Katholizismus entgegen damaliger antimodernistischer Tendenzen zu erneuern und an das Kultur- und Geistesleben heranzuführen. In den ersten Jahren der Zeitschrift standen literarische, religiöse und philosophische Probleme im Vordergrund, doch mit dem Ersten Weltkrieg gewannen politische Themen an Bedeutung.

Im Dritten Reich geriet er mehrmals mit der Zensur in Konflikt, 1941 wurde "Hochland" schließlich von den Nationalsozialisten verboten. Carl Muth bildete an seinem Wohnort in München das Zentrum eines regimekritischen Kreises, zu dem auch die Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" gehörten.

"dj.1.11."

Die Abkürzung "dj.1.11." steht für "Deutsche Jungenschaft vom 1.11.1929", die von Eberhard Koebel – er selbst nannte sich "Tusk" – am 1. November 1929 gegründet wurde. Jungenschaften zählen, wie etwa auch Pfadfinder- oder Wandervogelbünde, zur Bündischen Jugend.

Koebel rief die "dj.1.11." innerhalb der "Deutschen Freischar" als Reaktion gegen die Älteren aus, die in den Bünden einen großen Einfluss auf jüngere Mitglieder hatten. Starke Verbindlichkeit und Engagement waren ein Muss innerhalb seiner Jungenschaft. Wandern, Fahrten in die Natur, Singen, Gemeinschaft standen auch in der "dj.1.11." auf dem Programm, doch verfolgte Koebel dabei elitäre Ansprüche: "wir wollen alles besser lernen und besser können: besser singen, besser schweigen, besser schlemmen, besser fasten, grimmig arbeiten und hemmungslos faulenzen", lautete einer seiner Grundsätze.

Die Jungenschaft führte die Kohte, ein schwarzes Zelt mit Rauchabzug, die Jurte sowie die blaue Jungenschaftsjacke ein. Zu den Ritualen der Gruppe gehörte etwa die Fahnenwache, ein meditiatives Stehen vor der gespannten Flagge. Ferner war das Einstudieren von Sprechchören oder auch das Stockfechten typisch für "dj.1.11.", später auch die Beschäftigung mit Zen-Philosophie.

Der Anspruch, vollkommen unabhängig zu sein, gehörte zum Selbstverständnis dieser Jungenschaft. Die Mitglieder – ausschließlich Jungen – sollten etwas selbst neu erringen, statt bereits Vorhandenes zu wiederholen. Entsprechend richtete sich die Gruppe an der Moderne und ihrer Ästhetik aus und propagierte etwa die konsequente Kleinschreibung. 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde die Jungenschaft verboten, wenngleich vielerorts versucht wurde, Traditionen und Inhalte der "dj.1.11." weiter zu leben.

Eberhard Koebel (1907-1955) trat 1932 in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein, was in der Jungenschaft durchaus kontrovers aufgenommen wurde. Anfang 1934 wurde er verhaftet, doch gelang ihm die Flucht nach England. 1948 kehrte er in den Osten Deutschlands zurück, wo er sich unter anderem in der FDJ engagierte.

Hitler-Jugend (HJ)

Die Hitler-Jugend (HJ) wurde bereits 1926 als nationalsozialistische Jugendbewegung gegründet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden alle neben der HJ existierenden Jugendverbände verboten. Die Hitler-Jugend wandelte sich damit von einer Partei- in eine Staatsjugend. Die Mitgliedschaft wurde 1936 mit dem "Gesetz über die Hitler-Jugend" und im März 1939 durch die Einführung der "Jugenddienstpflicht" verbindlich. Damit sollte eine totale Erfassung der Jugendlichen erreicht werden.

Die HJ war nach Geschlecht und Alter gegliedert. Das Deutsche Jungvolk (DJ) erfasste die 10- bis 14-jährigen Jungen, die eigentliche HJ die 14- bis 18-jährigen Jungen. In gleicher Weise waren die Mädchenverbände in Jungmädelbund (JM) und Bund Deutscher Mädel (BDM) untergliedert. Die Mitglieder trugen Uniform und traten militärisch auf, das Führungsprinzip beruhte auf der Prämisse "Jugend wird von Jugend geführt". Die HJ war zunächst der SA unterstellt, nach deren Verbot wurde sie später der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) angegliedert.

In der HJ sollten die Jugendlichen – abseits von Elternhaus und Schule – im Sinne der NS-Ideologie indoktriniert werden. Disziplin, Gehorsam, Pflichterfüllung, Kameradschaftsgeist wurden gefordert und geschult und waren – ebenso wie vormilitärische Übungen – Vorbereitung auf den Dienst in der Wehrmacht. Neben Parademärschen, Geländespielen oder Fahrten waren so genannte Heimabende zentrale Bestandteile im HJ-Leben, bei denen sich einmal pro Woche kleinere HJ-Ortsgruppen trafen, um Aktivitäten vorzubereiten oder speziell für Jugendliche produzierte Propagandasendungen im Radio zu hören. Während des Zweiten Weltkriegs gehörten zunehmend auch Aufräumarbeiten oder Luftschutzdienst zum HJ-Dienst

Reichsarbeitsdienst

Der "Reichsarbeitsdienst" (RAD) wurde von den Nationalsozialisten als "Ehrendienst am deutschen Volke" verstanden. Seit 1935 wurden alle Männer zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr zu einem Arbeitsdienst eingezogen. Drei Jahre später wurde die Dienstpflicht auch auf junge Frauen ausgedehnt.

Der RAD sollte die Arbeitsmoral fördern und zudem die Aufhebung der Klassenunterschiede durch gemeinsames körperliches Arbeiten fördern. In der Regel hatte der RAD den Auftrag, gemeinnützige Projekte zu unterstützen. Die Männer wurden etwa bei Bauarbeiten (Reichsautobahn, Deichbau), in der Forstwirtschaft und bei Kultivierungs- und Entwässerungsarbeiten eingesetzt. Frauen arbeiteten dagegen vorwiegend in der Landwirtschaft.

Während des Krieges wurde die Dauer des Einsatzes verlängert und der RAD immer mehr zu kriegswichtigen Bauaufgaben herangezogen. Frauen mussten unter anderem in Krankenhäusern oder Rüstungsbetrieben, später auch im Flugmeldedienst oder bei der Flak ihren Dienst ableisten. Die Männer waren direkt der Wehrmacht unterstellt.

Rote Kapelle

Der Name "Die Rote Kapelle" wurde von der deutschen militärischen Abwehr als Sammelbegriff für verschiedene Widerstandsgruppen geprägt, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Westeuropa für den sowjetischen Nachrichtendienst arbeiteten. Später ordneten die Nationalsozialisten diesem Netz auch die Berliner Widerstandskreise um den Nationalökonomen und Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium Arvid Harnack und den Oberleutnant der Luftwaffe Harro Schulze-Boysen zu. Diese beiden Gruppen waren unabhängig voneinander entstanden, hatten aber ab 1939 engen Kontakt zueinander und wurden 1942 aufgedeckt. Sie gelten heute als eine der bedeutendsten Zusammenschlüsse der deutschen Opposition gegen den Nationalsozialismus.

Die Kreise um Harnack und Schulze-Boysen entstanden bereits zu Beginn des "Dritten Reichs" als Diskussions- und Freundschaftszirkel, in denen wirtschaftliche, politische und kulturelle Fragen analysiert und debattiert wurden. Kennzeichnend ist, dass bei diesen informellen Treffen Frauen und Männer höchst unterschiedlicher sozialer, kultureller und weltanschaulicher Herkunft zusammenkamen, was eine eindeutige politische Zuordnung erschwert. Während sich bei Arvid Harnack und seiner Frau Mildred vorwiegend Intellektuelle, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sowie Schülerinnen und Schüler eines Berliner Abendgymnasiums trafen, versammelten sich bei Harro Schulze-Boysen neben Intellektuellen auch Künstlerinnen und Künstler verschiedener Disziplinen.

Ab 1939 begann der Meinungsaustausch zwischen Schulze-Boysen und Harnack sowie die Zusammenführung und Erweiterung der beiden Gruppen. Vor allem zwischen 1940 und 1942 unternahmen die Oppositionellen konkrete Aktionen, etwa in Form von regimekritischen Flugblättern, Klebezetteln oder Dokumentationen von Nazi-Verbrechen. Ab Herbst 1940 stand Harnack in Kontakt mit der sowjetischen Botschaft, ab 1941 war auch Schulze-Boysen dabei. Sie wollten eine vertrauensvolle Verhandlungsbasis mit der Sowjetunion erreichen, die ein Ende des Krieges und eine außenpolitische Verständigung ermöglichte. Für die Nachkriegszeit strebten Harnack und Schulze-Boysen die Sicherung der nationalstaatlichen Eigenständigkeit Deutschlands sowie eine deutsche Mittlerrolle zwischen Ost und West an.

Ein 1941 entschlüsselter Funkspruch aus Moskau brachte die Nationalsozialisten auf die Spur des Berliner Widerstandsnetzes. Zu ihm gehörten über 150 Frauen und Männer. Vom 31. August 1942 bis in den März 1943 hinein wurden 126 von ihnen verhaftet und wegen "Spionage", "Vorbereitung zum Hochverrat" oder "Feindbegünstigung" zu Todes- oder Zuchthausstrafen verurteilt. Einige wurden ohne Prozess ermordet. Am 22. Dezember 1942 wurden Harro Schulze-Boysen, seine Frau Libertas und Arvid Harnack erhängt, Mildred Harnack wurde am 16. Januar 1943 hingerichtet.

Die Schlacht um Stalingrad

Die knapp sechs Monate tobende Schlacht um Stalingrad (heute: Wolgograd) gilt als eine der kriegsentscheidenden Schlachten während des Zweiten Weltkrieges: Am 28. Juni 1942 begann die deutsche Sommeroffensive an der Ostfront. Ziel war es, die Ölfelder im Kaukasus einzunehmen.

Im Verlauf dieser Offensive erreichte die 6. Armee unter Generalleutnant Friedrich Paulus im August das Industriezentrum Stalingrad. Nach schweren Kämpfen eroberte sie bis Mitte November 90 Prozent des Stadtgebietes. Am 19. November 1942 startete die Rote Armee eine Großoffensive, mit der sie die deutschen Truppen vom Nachschub abschneiden wollte. Bereits drei Tage später waren die etwa 300.000 deutschen und verbündeten Soldaten in einem Kessel von den sowjetischen Verbänden eingeschlossen.

Hitler verbot jeden Ausbruchsversuch, stattdessen sollten die Soldaten aus der Luft versorgt werden. Im Winter 1942/43 fehlten der Wehrmacht jedoch die dazu erforderlichen Kapazitäten, der tägliche Bedarf für die Truppen in Stalingrad konnte nicht gedeckt werden. Tausende verhungerten oder erfroren, da sie nicht für Temperaturen bis zu 40 Grad minus ausgerüstet waren.

Am 21. Dezember 1943 begann ein Entlastungsversuch der 4. Panzerarmee, der jedoch nach wenigen Tagen scheiterte. Am 23. Dezember erneuterte Adolf Hitler seinen Durchhaltebefehl. Im Januar 1943 begann die sowjetische Offensive zur Zerschlagung des Kessels von Stalingrad. Am 30. Januar 1943 ernannte Hitler Paulus zum Generalfeldmarschall, um ihn und seine Armee zum Weiterkämpfen zu motivieren. Einen Tag später kapitulierte der im Süden der Stadt eingekesselte Paulus, zwei Tage später ergaben sich auch die Truppen im Norden.

Auf sowjetischer Seite kostete die Schlacht schätzungsweise eine Million Zivilisten und Soldaten das Leben. Mehr als 150.000 deutsche Soldaten starben, etwa 91.000 Mann wurden gefangen genommen. Nur 6.000 kehrten Jahre später aus der Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurück.

Die Niederlage in Stalingrad erschütterte einen großen Teil der deutschen Bevölkerung in ihrer Moral und in ihrem Glauben an den Endsieg. Am 18. Februar 1943 rief Propagandaminister Joseph Goebbels den "totalen Krieg" aus.

Theodor Haecker

Theodor Haecker (1879-1945) arbeitete als Übersetzer, Schriftsteller und Kulturkritiker. Seit 1905 lebte er in München. Bekannt wurde er mit seinen Übersetzungen; so übertrug er etwa die Tagebücher Sören Kierkegaards sowie die des englischen Kardinals John Henry Newman ins Deutsche.

Unter Einfluss des Letzteren trat er 1921 zum katholischen Glauben über. Haecker veröffentlichte in der Folge viele von seinem Glauben geprägte kulturkritische Essays, u.a. in der Zeitschrift "Hochland", und schrieb kulturphilosophische Bücher.

Als überzeugter Christ lehnte er den Nationalsozialismus strikt und auch öffentlich ab. 1935 erhielt er deshalb ein Redeverbot, drei Jahre später kam ein Publikationsverbot hinzu. Ab 1939 schrieb Haecker die "Tag- und Nachtbücher", die 1947 posthum veröffentlicht wurden und als ein bedeutendes Zeugnis der inneren Emigration deutscher Intellektueller während der nationalsozialistischen Diktatur gelten.

Haecker beeinflusste den christlichen Widerstand gegen die Nazis und hatte enge Beziehungen zum studentischen Widerstandskreis "Die Weiße Rose", deren Mitgliedern er aus seinen "Tag- und Nachtbüchern" mehrmals vortrug.

Wannsee-Konferenz

Am 20. Januar 1942 trafen sich 15 hohe Partei- und SS-Funktionäre sowie Vertreter verschiedener Ministerien in der Berliner Villa "Am Großen Wannsee 56-58". Thema der geheimen Konferenz war die organisatorische Durchführung des Beschlusses, die europäischen Juden in den Osten zu deportieren und zu ermorden. Die Sitzung fand unter Vorsitz des Chefs des Reichssicherheitshauptamts Reinhard Heydrich statt, der am 31. Juli 1941 von Reichsmarschall Hermann Göring mit der "Endlösung der Judenfrage" beauftragt worden war und zu dieser Konferenz eingeladen hatte. Neben Heydrich nahmen unter anderen auch Adolf Eichmann, zuständig für die zentrale Organisation der Deportationen, sowie der Staatssekretär im Reichsjustizministerium Roland Freisler, der spätere Präsident des Volksgerichtshofs, teil.

Das Protokoll der "Wannsee-Konferenz" ist erhalten geblieben und dokumentiert wesentliche Ziele und Ergebnisse der Besprechung. Die Teilnehmer wurden über den geplanten Genozid an den Juden informiert, wobei die gesamte Abwicklung der Schutzstaffel (SS) übertragen wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch in Polen und in der Sowjetunion von deutschen Einsatzgruppen bereits über 500.000 Juden getötet worden. Mit den Beschlüssen der "Wannsee-Konferenz" wurde die Ermordung der europäischen Juden jedoch systematisch koordiniert und durchgeführt. Insgesamt fielen etwa sechs Millionen Menschen dem organisierten Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer.

http://www.ghwk.de/deut/proto.htm
Das Protokoll der Wannsee-Konferenz auf der Website der Gedenkstätte "Haus der Wannsee-Konferenz".
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