Oktoberrevolution

Oktoberrevolution

2017 jährte sich die "Russische Revolution" zum 100. Mal. Sie hatte zwei Phasen. Der Untergang des Zarenreichs im März 1917 im Zuge der "Februarrevolution". Und sieben Monate später die Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki unter Lenin, die als "Oktoberrevolution" das Ende sozial-liberaler und demokratischer Strömungen besiegelte - als Weichenstellung für den opferreichen Stalinismus, der folgte.

Für diesen Umsturz richtiger wäre allerdings der Begriff „Novemberrevolution“. Denn nach dem heute bei uns gültigen gregorianischen Kalender ergriffen die Bolschewiki am 7. November die Macht in Petrograd, damals aber entsprach dies dem 25. Oktober 1917, da in Russland noch bis 1918 der alte julianische Kalender galt. Zunehmend gängiger ist aber mittlerweile der Begriff "Russische Revolution", der auch das Geschehen in der ersten Hälfte des Jahres1917 umfasst.

Sowjetunion - Revolution, Bürgerkrieg, Staatsgründung 1917-1922Sowjetunion - Verlauf von Revolution, Bürgerkrieg und Staatsgründung 1917-1922 (© mr-kartographie für izpb 322/2014, PDF)

Die Revolution, die am 8. März 1917 (bzw. damals am 23. Februar) begann und zur Entmachtung von Zar Nikolaus II. führte, entwickelte sich zu einem opferreichen Bürgerkrieg. Aus ihm ging 1922 mit der Bildung der kommunistischen Sowjetunion eine für Europa folgenreiche Gewaltdiktatur hervor. Sie war ideologisch geprägt von Marxismus, Leninismus und Stalinismus mit erheblichen machtpolitischen Auswirkungen auf die mit der Sowjetunion verbündeten, bzw. von ihr unterworfenen sozialistischen Bruder-Staaten. Ende 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst, doch viele Feindbilder von damals wirken heute noch fort.

Dieses Dossier gibt einen Überblick über das Revolutions-Geschehen vor über 100 Jahren und reflektiert dessen Folgen. Es bündelt Texte, die bereits in anderen Dossiers und Publikationen der bpb über Russland, Sowjetunion und Kommunismus erschienen sind, durch Anklicken der Beiträge werden Sie in die jeweiligen Dossiers geführt.

Überblick

Der einbalsamierte Leichnam Lenins in einer Seitenansicht.

Jubiläum ohne Held

1917 ging es in Russland um Macht und Ideologie mit Revolutionsführer Lenin im Mittelpunkt. Doch 100 Jahre später spielte er beim Revolutionsgedenken keine große Rolle mehr. Eine Analyse von Prof. Ulrich Schmid.

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Schwarz-weiß-Bild. Eine Menschenmenge demonstriert, zwei Transparente mit kyrillischer Schrift. Im Hintergrund alte Häuser.

Als alles begann. Die "Februarrevolution"

Hungersnöte, hohe Verluste im ersten Weltkrieg und die intolerante Politik des Zaren führten zu dessen Entmachtung. Fotos aus dem Frühjahr 1917 zu Beginn der "Februarrevolution".

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Oktoberrevolution, Demonstration, Sevastopol, 2016, 1917

Sowjet-Glossar

Von Bolschewiki bis Zentralkomitee. Wichtige Vokabeln zum leichteren Verständnis von Februarrevolution, Oktoberrevolution und Sowjetkommunismus.

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Was war die Oktoberrevolution?

Die siegreichen Bolschewiki waren Gewalttäter, die der Krieg hervorgebracht hatte. Ihre Revolution war der Sieg einer vormodernen Gewaltdiktatur über die Freiheitsversprechen des russischen Liberalismus. Eine Analyse von Prof. Jörg Baberowski.

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Die Folgen der Revolution

Umsturz, Bürgerkrieg, Diktatur. Nur mit Blick auf den Gesamtzeitraum von Ende 1917 bis Sommer 1921 sollte man von einer Revolution in der üblichen Wortbedeutung sprechen. Ein Überblick von Prof. Manfred Hildermeier.

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Aktuell

Wladimir Iljitsch Lenin am 28. August 1918 als Redner beim "Ersten Allrussländischen Kongress"

Hintergrund aktuell (05.09.2018)

Vor 100 Jahren: Beschluss des "Roter Terrors"

Nach der bolschewistischen Machtergreifung verfügten am 5. September 1918 leninistische Volkskommissare den "Roten Terror" durch Lagerhaft und Erschießungen. Es war der Beginn einer bis dahin beispiellosen Welle systematischer Gewalt gegen Andersdenkende.

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Teilnehmer halten rote Fahnen und Lenin-Plakate auf dem Umzug der Russischen Kommunistischen Partei durch die Straßen von Moskau anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution.

Ekaterina Makhotina

Erinnerung an die Russische Revolution im heutigen Russland

Zum hundertsten Jubiläum der Russischen Revolution wurde die Erinnerung an sie vor allem als ein geschichtspolitisches Instrument benutzt, mit dem Vladimir Putin und seine Administration nationalen Konsens beschwören wollten.

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Folgen für Russland und die Welt

Arbeitslager

Revolution, Stalinismus und Genozid

Die Revolution brachte eine ideologisch geprägte Elite an die Macht, die auch auf Gewalt setzte. Die extremste Gewalt in der sowjetischen Geschichte fand während der "Zweiten Revolution" und dem Aufstieg Stalins zum allmächtigen Diktator statt.

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KGB, Lubjanka, Moskau

"Volksfeinde" im Visier

Die ersten repressiven Organe der neuen Machthaber 1917 waren das Volkskommissariat fürs Innere (NKWD) und die Allrussische Außerordentliche Kommission (WeTscheKa, auch TscheKa). Daraus bildete sich später der KGB, das Vorbild der Stasi in der DDR.

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Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) und Josef Stalin im Jahr 1922.

Revolutionäre Neuordnung und Stalin-Diktatur

Nach Lenins Tod 1924 sicherte sich Josef Stalin die Macht. Mehrere Millionen Menschen fielen seiner Diktatur zum Opfer. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich die "Säuberungskampagnen" Stalins fort und festigten ein Machtsystem, das auf Einschüchterung setzte.

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Spiel um Weltmacht. Deutschland und Russlands Revolution

Das Deutsche Reich hat den Bolschewiki im Oktober 1917 zur Machteroberung verholfen und sie in einer entscheidenden ersten Phase aktiv gestützt. Durch die Überdehnung seiner Besatzungsgebiete im Osten trug es jedoch zur eigenen Niederlage bei. Ein Rückblick von Dr. Gerd Koenen.

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Furcht vor dem Bolschewismus. Russland und der Westen nach der Russischen Revolution

Russland und der Westen sind ein begriffliches Gegensatzpaar, das eine lange Tradition hat und älter ist als die Oktoberrevolution. Es erhielt jedoch aufgrund der Furcht vor dem Kommunismus im Westen eine neue Qualität. Ein Überblick von Prof. Jan Kusber.

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Die Russische Revolution und der globale Süden

Kolonialherrschaft, wirtschaftliche Unterentwicklung und soziale Ungleichheit nährten auch in weiten Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas eine verklärende Sicht auf den russischen Herbst 1917. Kaum ein Land des globalen Südens blieb davon unberührt. Eine Analyse von Dr. Tobias Rupprecht.

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Plakat, Kommunismus, Simakow

Vom Sozialismus zum revolutionären Kommunismus

Was wollte der Kommunismus? Er erhob radikalen Egalitarismus zur Tugend. Ziel war eine 'Nivellierung nach unten'. Das Private sollte nicht die Oberhand über das Gemeinschaftliche gewinnen.

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Petrograd, Mai 1917, Maschinengewehrfeuer, Straßenszene, Oktoberrevolution

Das revolutionäre Russland in der Welt

Das 20. Jahrhundert kann als Zeitalter gelten, in dem das revolutionäre Russland eine neue gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische (Welt-)Ordnung zu errichten suchte.

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Sowjetisches Propagandaplakat mit strahlenden jungen Menschen, im Hintergrund Lenin.

Der Neue Mensch im Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus

"Politische Religionen" wie Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus knüpften in ihren Vorstellungen vom Neuen Menschen an christliche Traditionen an und formten sie um.

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Aufarbeitung in den Jahren danach

Fabrikarbeiter und Soldaten demonstrieren in Petrograd am 25. Oktober 1917. Auf ihrem Transparent steht: "Tod den Feinden des Volkes - Gerühmt sei die Sowjetmacht, die einen Weg zu Frieden und Volk gebahnt hat".

Der Kommunismus in ostmitteleuropäischen Nationalgeschichten

Kommunistischen Ideologen und Machthabern gelang es nicht, ihre Ideen mit nationalen Ideologien ostmitteleuropäischer Gesellschaften zu verschmelzen.

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Chruchtschow, Parteitag 1956

Chruchtschows verheimlichte Selbstkritik am Stalinismus

Chruschtschows "Geheimrede" 1956 war die bedeutsamste Ansprache in der Geschichte des Kommunismus. Der XX. Parteitag der KPdSU löste unter Marxisten Kontroversen aus.

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Der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Michail Gorbatschow (M), während seiner Ansprache am 2. November 1987 auf der Festsitzung anläßlich des 70. Jahrestages der Oktoberrevolution im Kongreßpalast des Kreml in Moskau zum Thema: "Oktoberrevolution und Perestroika. Die Revolution geht weiter."

Gorbatschows Perestroika: "Es gab keinen Fahrplan"

1987 erschien das Buch "Perestroika. Die zweite russische Revolution". Was wollte Michail Gorbatschow erreichen? Ein Interview über dessen Rolle und Visionen.

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7. November 2007, Gedenken Oktoberrevolution, Lenin-Portrait, Moskau

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 44-45/2007)

1917/1937 und das Russland von heute

Wie umgehen mit tragischen Daten - zu was fordern sie eine Gesellschaft heraus? Schon zur 90-Jahrfeier der Oktoberrevolution fiel in Russland die Erinnerung schwer

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Panzerkreuzer Potemkin, 1925

Revolutionsfilm 1925

Panzerkreuzer Potemkin

Kaum ein Werk hat den Film als Kunstform so nachhaltig beeinflusst wie "Panzerkreuzer Potemkin". Die parabelhafte Geschichte der sozialistischen Revolution begründete einen ästhetischen Umbruch der Erzählweise.

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Russlands neue-alte Erinnerungsorte

Mit Erinnerungsarbeit hat der öffentliche Umgang mit Geschichte in Russland nichts gemein. Es geht darum, die durch den Zusammenbruch der Sowjetunion angeschlagene Selbstdarstellung als Großmacht zu rekonstruieren.

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Gleichberechtigung nach 1917? Frauen nach der Oktoberrevolution

Die Russische Revolution verankerte gesetzlich die Gleichstellung der Geschlechter. Doch Frauen in der Sowjetunion blieben mit den schwierigen Entscheidungen zwischen politischen und familiären Pflichten konfrontiert.

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Macht und Recht in Russland: Das sowjetische Erbe

Die Perestroika des Rechtswesens ist nicht abgeschlossen. In sowjetischer paternalistischer Tradition will die Elite Herr über den Umbau bleiben und verweigert sich einer Bindung an das Recht.

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Gegenwartsbezüge

Ein Mann tritt mit seinem Fuß auf den Kopf der Statue von Felix Dserschinski, dem Gründer und Chef der sowjetischen Geheimpolizei TscheKa, später bekannt unter dem Namen KGB. An diesem Freitag, den 23.August 1991, wird die Dserschinki-Statue vor der Lubjanka, dem Sitz des KGB, demontiert.

So alt wie die Oktoberrevolution: Der Vorläufer von KGB und FSB, die "TscheKa"

Am 20. Dezember 1917 wurde der KGB-Vorläufer, die "TscheKa" gegründet. Der Politikwissenschaftler Manfred Sapper erläutert die Kontinuitäten der russischen Geheimdienste. Noch heute ist in Russland der 20. Dezember "Tag des Mitarbeiters der Sicherheitsorgane der Russländischen Föderation".

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Die Präsidenten der USA und Russland, Donald Trump und Vladimir Putin, in einem Gespräch während des G20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017

Analogie zum Jahr 1917? Was uns die Russische Revolution über Donald Trump sagen kann

Nicht wenige Menschen halten Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten für das Ergebnis eines russischen Komplotts. Und so liegt hundert Jahre nach der Oktoberrevolution eine Analogie zur deutsch-bolschewistischen Zusammenarbeit nahe. Ein Essay von Ivan Krastev.

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Montagsdemonstration am 30. Oktober 1989 in Leipzig, auf der die Zulassung der Oppositionsgruppe "Neues Forum" gefordert wird

Begriffsgeschichte der Friedlichen Revolution. Eine Spurensuche

Die Ereignisse in der DDR von 1989/1990 sind fest mit Begriffen und Losungen wie "Friedliche Revolution" verbunden. Doch wer hat sie wann und in welchem Kontext 1989 eingebracht?

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Transparent in Leipzig im Herbst 1989

"Es lebe die Oktoberrevolution 1989"

Während der Friedlichen Revolution in der DDR dokumentierte die Geheimpolizei Stasi rund 1.200 unterschiedliche Rufe und Transparente. Eine komplette Stasi-Akte zum Nachlesen als PDF - ein zeithistorisches Dokument.

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Junges Politik-Lexikon

Kommunismus

Produktionsmittel sollen allen Menschen gehörenDieser Begriff geht auf das lateinische Wort „communis“ zurück, was „gemeinsam“ bedeutet. Der Kommunismus hat eine bestimmte Vorstellung von einer idealen menschlichen Gesellschaft: Allen Menschen sollen gemeinsam die...

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Blick auf mehrere Türme der Kathedrale des seligen Basilius in Moskau
Dossier

Russland

Von Osteuropa bis in den äußersten Osten Asiens: So weit sich Russland erstreckt, so vielfältig ist auch das Land. Ein Überblick über Geschichte, Politik, Gesellschaft, Kultur und Geografie eines Landes zwischen Autokratie und Modernisierung.

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Russland - Eine Großmacht?
Aus der Mediathek

Russland - Eine Großmacht?

Russland ist das größe Land der Erde, aber ist es auch eine Großmacht? Welche Probleme und Zwänge prägen das Land und wie lassen sich diese lösen?

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Mapping Memories

The programme “Mapping Memories” of the German Federal Agency for Civic Education traces post-communist cultures of memory and their historicisation in the current interpretation and reception of history in Europe.

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Der Tag in der Geschichte

  • 20./21. November 1997
    Der EU-Arbeitsmarktgipfel in Luxemburg beschließt Leitlinien für die einzelstaatliche Beschäftigungspolitik. Danach müssen die Mitgliedstaaten jährlich »nationale Aktionspläne« vorlegen und über Fortschritte bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit berichten,... Weiter

Dossier

Stasi

Alles wissen, alles kontrollieren, Menschen manipulieren. Aus der Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei "Stasi" ist auch viel zu lernen über die Mechanismen von Diktaturen der Gegenwart: Wirklichkeit wird geschönt, Kritik unterdrückt, Oppositionelle werden verfolgt und gebrochen. Die russische Tscheka und der KGB in der Sowjetunion waren Vorbilder der DDR-Geheimpolizei, deren Mitarbeiter sich gerne "Tschekisten" nannten.

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Dossier

Prag 1968

Vor 50 Jahren beendeten Kampftruppen aus der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn und Polen gewaltsam die reformkommunistische Bewegung des "Prager Frühlings" in der damaligen CSSR (den heutigen Ländern Tschechien und Slowakei). Damit machte die kommunistische Führung der Sowjetunion unmissverständlich deutlich, dass sie in ihren osteuropäischen Satellitenstaaten kein Abweichen von ihrem ideologischen und diktatorischen Kurs duldete.

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