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Der Berliner Reichstag

34.2. DDR: »Wir bleiben hier«: Massendemonstrationen

4. November 1989

Bisher größte Massendemonstration in der Geschichte der DDR: Etwa 600 000 Menschen versammeln sich friedlich in Ost-Berlin zu einer von Oppositionsgruppen und Künstlern organisierten, polizeilich genehmigten Großkundgebung. Sie fordern sofortige politische Reformen, u. a. auf Transparenten: »Blumen statt Krenze«; »Das Volk sind wir - gehen sollt ihr«; »Alle Macht dem Volke nicht der SED«; »Gegen Panzer und Betonköpfe«; »Keine Kosmetik, sondern Reformen«; »Reisepass für jedermann, den Laufpass für die SED«; »Mode 89: Wendejacken«; »Jetzt geht es nicht nur um Bananen, sondern um die Wurst«; »Demokratie - jetzt oder nie«; »Krenz Xiao Ping. Nein danke!«; »Rechtssicherheit spart Staatssicherheit«. Niemand fordert, sei es auch nur andeutungsweise, die deutsche Einheit. Das Fernsehen überträgt die Abschlussveranstaltung auf dem Alexanderplatz direkt und unangekündigt. Es sprechen u. a. die Schriftsteller Stefan Heym (»Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen«), Christoph Hein (»Von Bürokratie, Demagogie, Bespitzelung, Machtmissbrauch und auch Verbrechen ist diese Gesellschaft gekennzeichnet«), Christa Wolf (»Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg«) und die Schauspielerin Steffi Spira (»Aus Wandlitz machen wir ein Altersheim«). Auf Vorbehalte stoßen Redner wie der LDPD-Vorsitzende Manfred Gerlach als »Wendehals«, der frühere stellvertretende Minister für Staatssicherheit (Spionagechef) Markus Wolf (SED) und vor allem der Berliner SED-Generalsekretär Günter Schabowski, der mehrfach ausgepfiffen wird. Zur gleichen Zeit wie in Ost-Berlin finden in anderen Städten Großkundgebungen gegen die SED statt.

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