Der Berliner Reichstag

34.1. DDR: »Wir wollen raus«: Massenflucht und politischer Wandel als Vorläufer der »Wende« 1989

11. September 1989

Ungarn öffnet um 0 Uhr auf Anweisung des Innenministers István Horváth seine Westgrenze für alle DDR-Bürger. Es suspendiert damit vorübergehend Vorschriften des bilateralen Abkommens mit der DDR über den visafreien grenzüberschreitenden Verkehr vom 20. 6. 1969; dieses verbietet die Ausreise von Angehörigen des jeweils anderen Staates in westliche Länder ohne gültige Dokumente. Die Massenflucht schwillt lawinenartig an: Binnen drei Tagen fliehen ca. 15 000, bis Monatsende ca. 30 000 DDR-Bürger nach Österreich und von dort in die BRD. Proteste der DDR gegen die »Nacht-und Nebelaktion«, gegen den »organisierten Menschenhandel« und gegen »Völkerrechtsverletzungen« werden von Ungarn zurückgewiesen: Einzelne Punkte des bilateralen Reiseabkommens hätten zeitweilig aufgehoben werden müssen, da sich die Umstände der zu erfüllenden Verpflichtungen grundlegend geändert hätten (Clausula rebus sic stantibus).

zurück 10. September 198912. September 1989 vor