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Vertreibungsdiskurs und Erinnerungskultur


24.4.2012
Flucht und Vertreibung sowie die Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen stehen auch 67 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Fokus der Öffentlichkeit. Die Aufmerksamkeit für dieses Thema ist durch die ethnischen Konflikte und die mit ihnen zum Teil einhergehenden "ethnischen Säuberungen" insbesondere in Südosteuropa gesteigert worden.

Sammelrezension zu:

  • Eva Hahn, Hans Henning Hahn: Die Vertreibung im deutschen Erinnern. Legenden, Mythos, Geschichte, Paderborn: Schöningh 2010, 839 S., € 88,–, ISBN: 9783506770448.
  • Wolfgang Fischer: Heimat-Politiker? Selbstverständnis und politisches Handeln von Vertriebenen als Abgeordnete im Deutschen Bundestag 1949 bis 1974 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien; 157), Düsseldorf: Droste 2010, 479 S., € 58,80, ISBN: 9783770053001.
  • Henning Burk, Erika Fehse, Marita Krauss, Susanne Spröer, Gudrun Wolter: Fremde Heimat. Das Schicksal der Vertriebenen nach 1945, Berlin: Rowohlt 2011, 272 S., € 19,95, ISBN: 9783871347146.
  • Elena Agazzi, Erhard Schütz (Hg.): Heimkehr. Eine zentrale Kategorie der Nachkriegszeit. Geschichte, Literatur und Medien (Schriften des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient; 23), Berlin: Duncker & Humblot 2010, 273 S., € 78,–, ISBN: 9783428133796.
  • Karlheinz Lau: Deutschlands historischer Osten. 800 Jahre deutsche Geschichte, 70 Jahre polnische Gegenwart. Beiträge, Berichte, Dissens-Punkte aus fünf Jahrzehnten, Kleinmachnow: Curanus 2011, 128 S., € 12,–, ISBN: 9783000349621.
  • Philipp Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten. "Ethnische Säuberungen" im modernen Europa, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, 304 S., € 39,95, ISBN: 9783525368060.
  • Ray M. Douglas: "Ordnungsgemäße Überführung". Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, München: Beck 2012, 560 S., € 29,95, ISBN: 9783406622946.
Über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Erinnerung an Flucht und Vertreibung äußerst lebendig. Die Öffnung der ostmitteleuropäischen Archive in den 1990er-Jahren hat die ereignisgeschichtliche Forschung zur Zwangsmigration um 1945 entscheidend vorangebracht. Obwohl die Sensibilität im Umgang mit der Ära des Nationalsozialismus nie so ausgeprägt war wie heute, erscheint es dennoch manchem, als ob im derzeitigen Wandel weg von der Erinnerung des kommunikativen Gedächtnisses der Erlebnisgeneration hin zum kulturellen Gedächtnis der Nachgeborenen erstmals bisher tabuisierte Themen angefasst werden. Eine wahre Flut von Publikationen zielt auf den Leserkreis nicht nur professioneller Wissenschaftler, sondern auch einer Vielzahl von historisch interessierten Bürgern.

Die hier vorzustellenden Neuerscheinungen konzentrieren sich auf eines der dunkelsten Kapitel des modernen Europa, auf die Geschichte von Vertreibung und Heimkehr während des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach. Sie widmen sich alle in unterschiedlichem Maße der Vorgeschichte, den Umständen und Folgen von Zwangsmigrationen im 20. Jahrhundert, insbesondere nach 1945, sowie den Phänomenen Heimat, Fremde und Heimatverlust. Die Bände betrachten die Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln und sind von den Autoren für verschiedene Rezipientenkreise verfasst worden. Neben detaillierter Quellenarbeit stehen diskussionswürdige Interpretationen, neben einer Offenheit für andere Perspektiven stehen umfeldgeprägte Sichtweisen. Schon allein dadurch veranschaulichen diese Bücher exemplarisch, dass es kein einheitliches Geschichtsbild zu einer Thematik gibt, welche bis heute zu den umstrittensten der deutschen Zeitgeschichte zählt.


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