Beleuchteter Reichstag

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29.11.2012 | Von:
Tanja Scheffler

Dresden

Vom schnellen Scheitern der sozialistischen Städtebaukonzepte.
Der Weg zurück zur historischen Stadt

Die post-sozialistische Stadtumgestaltung

Mit dem politisch-gesellschaftlichen Umbruch von 1989/90 setzte eine rasante und auch radikale Welle post-sozialistischer Stadtumgestaltungsversuche in Dresden ein. Vor allem die ideologisch kontaminierten Zeichen dieser Epoche sollten möglichst schnell aus dem Stadtbild verschwinden.

Den Schriftzug "Der Sozialismus siegt", der am Hochhaus am Pirnaischen Platz angebracht war, hatte der reformfreudige Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer schon 1987 entfernen lassen. Da sich bereits kurz nach der Fertigstellung des etwa zehn mal 30 Meter großen Wandbildes "Der Weg der roten Fahne" von Gerhard Bondzin (1969) am Kulturpalast kleine Betonplättchen gelöst hatten, wurde es nach der "Wende" mit einem Baunetz verhangen, um die auf dieser Touristenroute zum Schloss flanierenden Passanten vor herunterfallenden "Platten" (und auch derart heroisch-monumentalen Darstellungen) zu schützen. Das 1974 am Wiener Platz aufgestellte Lenin-Denkmal wurde 1992 demontiert und das vom Hauptbahnhof aus als optischer Auftakt für die Prager Straße fungierende Wandbild am ehemaligen Restaurant "Bastei" von mehreren Seiten so durch Neubauten umstellt, dass es sich jetzt – dem direkten Blick entzogen – in einem Hinterhof-ähnlichen Zwischenbereich zwischen zwei Geschäftshäusern befindet.
Dresden, LenindenkmalDresden – Blick zur Prager Straße mit Lenindenkmal von Grigorij Jastrebenetzki (1974) und Wandbild "Dresden, die Stadt der modernen sozialistischen Industrie, der Wissenschaft und der Kunst grüßt seine Gäste" von Kurt Sillack und Rudolf Lipowski (1969) am Restaurant "Bastei", 1979 (© Bild und Heimat)
Denn das auf den ersten Blick harmlos wirkende, mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Wandbild "Dresden, die Stadt der modernen sozialistischen Industrie, der Wissenschaft und der Kunst grüßt seine Gäste" von Kurt Sillack und Rudolf Lipowski (1969) zeigt neben dem üblichen sozialistischen Personal die für das aktuelle Stadtmarketing wenig attraktive Vision einer nach sozialistischen Leitbildern umgestalteten Stadt, in der von Ferne zwar der Zwinger grüßt, die Stadtstruktur sich aber ansonsten neben dem Fernsehturm aus unzähligen Hochhäusern und Plattenbauten zusammensetzt.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Altstadt, vor allem der Bereich zwischen Prager Straße und Altmarkt sowie entlang des Ringes (Waisenhaus- und Ringstraße), das Zentrum des regen Dresdner Geschäfts- und Amüsierbetriebs. Viele der dort angesiedelten Warenhäuser, Cafés, Variétes und Kinos setzten Maßstäbe[50], die während der gesamten DDR-Zeit in der Elbestadt nicht wieder erreicht wurden. So hatte beispielsweise die Familie Renner nach und nach alle zwölf Bürgerhäuser an der Südseite des Altmarktes aufgekauft und betrieb dort (auch weiterhin hinter historischen Fassaden) während der Weimarer Republik mit mehr als 1.000 Mitarbeitern einen innen hochmodernen Einkaufstempel mit vier über Rolltreppen verbundenen Etagen,[51] der in seinen Dimensionen durchaus auch mit heutigen Shopping-Malls vergleichbar wäre.

Neben der (städte)baulichen Umgestaltung sollte der sozialistische Bruch mit der bürgerlichen Stadt – vor allem in der Anfangszeit der DDR – auch durch einen völlig neuen Charakter des Zentrums (dem "bestimmenden Kern der Stadt") zum Ausdruck kommen.[52] Dieses sollte damals bewusst "weder ein Handelszentrum mit einer Menge zusammengedrängter Warenhäuser noch ein Vergnügungszentrum mit eleganten Restaurants, Varietés usw., noch ein Finanzzentrum mit Banken und Verwaltungsgebäuden der Konzerne" sein. Daher wurden die etablierten Einkaufs- und Vergnügungsmeilen wie die Prager Straße und die Hauptstraße (die "Allee" mit den Linden in der Neustadt) bereits in den Anfangsjahren der DDR radikal beseitigt. Aufgrund der ideologischen Unklarheiten bezüglich der Form und Gestaltung der neuen Zentren (später dann auch aufgrund der geringen Ressourcen der DDR) lagen diese überaus prominenten Areale in Dresden jedoch lange Zeit brach. An der Prager Straße wurde erst ab 1965 mit den ersten Bauten begonnen, an der Straße der Befreiung ab 1974. Dies schürte die Sehnsucht vieler Dresdner nach der Rückgewinnung ihrer "alten Stadt", so dass sie den modernen Neubauten bereits bei ihrer Entstehung skeptisch gegenüber standen oder sie sogar als "Störenfriede eines vermeintlich anheimelnderen Stadtbildes"[53] ansahen.

Nach der "Wende" sollten dann – auch in Bezug auf die Attraktivität des Stadtzentrums – innerhalb kürzester Zeit West-Standards erreicht werden. Die während der DDR-Zeit neu errichteten Ladenpassagen und Einkaufszentren waren bis auf die beiden größeren Warenhäuser, das ehemalige Centrum- und spätere Intecta-Gebäude von 1955/56 am Altmarkt (heute Teil der Altmarkt-Galerie) sowie das Centrum- Warenhaus (1970–1978) an der Prager Straße, alle eher kleinteilig. Die Verkaufsflächen von Webergasse (1958–1962) und Prager Straße waren größtenteils in vielen kleinen Pavillon-ähnlichen Bauten untergebracht, die Ernst-Thälmann-Straße sowie die Straße der Befreiung hatten Ladenzonen im Erdgeschossbereich. Ein Verkaufskonzept, das mit dem Übergang zum neuen Wirtschaftssystem nicht mehr den branchenüblichen Standards entsprach, die meist ein variables Mall-Konzept vorsehen.

Daher galten in Dresden – wie an vielen anderen Orten auch – in den ersten Nachwendejahren die "Publikumsmagneten" Shopping-Mall und Multiplex-Kino als Garanten für ein attraktives und belebtes Stadtzentrum, die bestehenden, durch mangelnden Bauunterhalt heruntergekommenen Kaufhäuser dagegen als Symbol für das ungenügende Warenangebot der DDR-Zeit. Sofort sicherten sich westliche Investoren die Top-Lagen und begannen, mithilfe eines neuen, mehr Baudichte vorsehenden Planungsleitbildes[54] nach und nach die kleinteiligen Verkaufseinrichtungen durch deutlich größere Shopping-Malls zu ersetzen. Für die Altmarkt-Galerie (1993–2002) wurde die denkmalgeschützte Webergasse (eine luftig-leichte Ladenpassage im internationalen Stil) abgerissen, für ihre Erweiterung (2009–2011) ein großer Teil der Südseite der ehemaligen Ernst-Thälmann-Straße, darunter auch das "Lindehaus", der hochrangige Kopfbau zum Postplatz. Für die Centrum-Galerie (2009) mussten das von den Dresdnern liebevoll "Silberwürfel" genannte – Centrum-Warenhaus sowie das Restaurant "International" weichen.

Als 1972 das Rundkino neu eröffnet wurde, war vielen Dresdnern durchaus bewusst, dass es bis 1945 rund um die Prager Straße bereits sechs vergleichbare Kinos mit mehr als 1.000 Plätzen gegeben hatte[55], diese aber alle der Nachkriegsenttrümmerung zum Opfer gefallen waren. Das Union-Theater (U.T.), ein 1913 in den Hof eines vorhandenen Baublocks hineingebautes Kino mit spektakulär beleuchtetem, theaterähnlichen Saal, hatte sogar nahezu am gleichen Standort gestanden und den Krieg aufgrund seiner massiven Eisenbetonkonstruktion weitestgehend unbeschadet überlebt. Bereits 1945 stellte die Baupolizei bei der Besichtigung fest, dass eine Wiederinbetriebnahme ohne größere Schwierigkeiten erfolgen könnte. Sowohl das Zentralplanungsbüro als auch der Rat des Bezirkes lehnten dies jedoch ab, weil "dieses Projekt nicht in die künftigen Stadtpläne einzufügen ist".[56] Auf die Anregungen der Bevölkerung, mit einer behelfsmäßigen Ausstattung, die später auch in einem anderen Lichtspielhaus weiter verwendet werden könnte, wieder ein Kino einzurichten, antwortete das Stadtplanungsamt 1954, "Fachkreise" wären der Meinung, dass "Investitionen in das Gebäude unwirtschaftlich seien." So blieb der bunkerartige Bau ungenutzt stehen und wurde erst 1964, kurz vor dem Baubeginn an der Prager Straße, abgerissen.

Das Rundkino war als Solitär und zentrales Gelenk für die sich zum Altmarkt hin leicht verschwenkende moderne Stadtlandschaft konzipiert worden. Da der direkt daneben geplante Hochhauskomplex nicht mehr realisiert wurde, begann man bereits ab 1987, die freien Flächen mit blockartigen Wohnstrukturen zu füllen und dabei auch den Rundbau zu umbauen. Eine der ersten Baumaßnahmen an der Prager Straße nach 1989 war die Errichtung der Whörl-Plaza (1996), die sich an zwei Seiten um das Kino legt, es dadurch wieder in das Innere eines Blocks abdrängt und nahezu vollständig von der Fußgängerzone abriegelt.[57] Der UFA-Kristallpalast (ein Multiplex-Kino, 1998) schloss dann die letzte Blickachse zur St. Petersburger Straße, der parallel verlaufenden Nord-Süd-Magistrale.

Vorher hatten die lokalen Diskussionen seit dem hochkarätig besetzten west-östlichen Architekten-Workshop im Sommer 1990[58] um zwei mögliche Planungskonzepte gekreist: um das allgemein konsensfähige Konzept, "möglichst alle Bauten der letzten 40 Jahre abreißen zu lassen und damit die Vergangenheit auszulöschen, um sodann die Vergangenheit von vorgestern zu rekonstruieren"[59] und die von vielen Fachleuten favorisierte, deutlich pragmatischere Variante, die noch vorhandenen Spuren der historischen Stadt (wie die hochrangigen Ruinen und die Gründerzeitviertel) als charakteristische Merkmale Dresdens zu betonen und dabei die Bauten der DDR-Zeit "als existent hinzunehmen und zu integrieren".[60] Das neue Planungsleitbild Innenstadt[61] setzt auf ein Weiterbauen am Bestand und – um mehr Urbanität zu erzeugen – auf das Nachverdichten in Anlehnung an frühere städtebauliche Konstellationen. Die Prager Straße hat im Zuge dieses Konzeptes durch die gravierende Überformung vieler Bauten sowie den Verlust ihrer Großzügigkeit und charakteristischen Freiraumgestaltung jedoch innerhalb von wenigen Jahren nahezu sämtliche architektonischen und auch stadträumlichen Qualitäten unwiederbringlich verloren.[62]

Das frühe Scheitern der sozialistischen Städtebaukonzepte

Obwohl die ganz großen Baumaßnahmen zur Korrektur der sozialistischen Stadtumgestaltung erst nach 1989 einsetzten, war das Modell der "modernen sozialistischen Großstadt" in Dresden aufgrund der damit einhergehenden Zerstörung der von der Bevölkerung geschätzten und für die Identität der Stadt wichtigen historischen Bauwerke und kleinteiligen Strukturen von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Da das als Manifestation des sich etablierenden Systems gedachte, großflächige Neubaukonzept vor allem in den 1960er-Jahren die baulichen Traditionen der Elbestadt zunehmend negierte und lediglich mittels politischen Druckes durchgesetzt werden konnte, blieb den wirklich hochrangigen Ensembles wie der Prager Straße lange Zeit die Anerkennung versagt. Außerdem entwickelte sich der Versuch, der Elbestadt eine neue "sozialistische" Identität als Wissenschafts- und Produktionsstandort zu geben, zu einem permanenten Spagat zwischen den offiziellen Darstellungen der neu entstehenden, in die Zukunft weisenden, modernen Metropole und dem – für das touristische Stadtmarketing sowie als Propagandainstrument im Kalten Krieg wichtigen – etablierten Bild der historischen Kunst- und Kulturstadt.

Vor allem in den 1980er-Jahren nahmen viele Dresdner diese Widersprüche nicht mehr hin. Immer wieder kritisierten sie die fehlenden Qualitäten der öffentlichen Räume sowie den offensichtlichen Verfall der Altbauquartiere. Mehr als die Hälfte der etwa 13.000 jährlichen Eingaben an die lokale Stadtverwaltung bezogen sich auf das Thema "Wohnungsprobleme". Sie dokumentieren auch heute noch sehr anschaulich anhand der mitgelieferten Fotoaufnahmen die katastrophalen Zustände der Bauten zu jener Zeit.[63] Außerdem stellten die systemkritischen Kreise zunehmend auch die beschönigenden Darstellungen der SED, die kulturpolitischen Reglementierungen sowie die finanzpolitischen Zusammenhänge in Frage. Beim X. Kongress der Bildenden Künstler im November 1988 sprengten spontane Aufrufe, die Pfingsttreffen der oft als "Kampfreserve der Partei" bezeichneten FDJ einzusparen und damit den Zwinger in Dresden zu retten, die Veranstaltung.[64] Denn der offiziell als "intakt" geltende Zwinger – anderweitige Berichte wurden schlichtweg zensiert[65] – war zum größten Teil lediglich als Gebäudehülle wiederaufgebaut worden (eine Rekonstruktion der feudalen Interieurs war während der DDR-Zeit gar nicht erst diskutiert worden) und verwahrloste immer mehr. Die Dächer waren zeitweise so undicht, dass sogar das Museumsgut beschädigt wurde.[66] Selbst die Gemäldegalerie Alter Meister war Anfang 1988 von der Bauaufsicht geschlossen worden, sie wurde erst 1992 wieder eröffnet. Die umfassende Rekonstruktion des Zwingers ist bis heute nicht abgeschlossen.

Bereits ein Blick auf die zum 20. Gründungstag der DDR 1969 freigegebenen Fotoaufnahmen von Dresden zeigt anschaulich, wie es zu der auch heute noch weitverbreiteten Ablehnung gegen die Bauten der Ost- und Nachkriegsmoderne kommen konnte. Denn der als "großzügiger Wiederaufbau der Elbmetropole" bezeichnete erste Bauabschnitt der Prager Straße wirkt zu diesem Zeitpunkt eher wie eine aus dem baulichen Niemandsland herauswachsende Bettenburg.
Dresden, Luftbild Prager Straße 1969"Die Bezirksstadt Dresden aus den Trümmern des Krieges neu erstanden. Fertige Wohnblocks, Hotels und Einkaufszentren und riesige Bauplätze für noch zu errichtende Häuser spiegeln den großzügigen Wiederaufbau der Elbmetropole wider. Unser Foto vemittelt einen Blick auf das Neubaugebiet Prager Strasse, das als Zentrum des internationalen Touristenverkehrs vorgesehen ist. Von riesigen Baustellen umgeben wurden das längste Wohnhaus der Stadt (links) und die Interhotels 'Bastei', 'Lilienstein' und 'Königstein' (Mitte) bereits fertiggestellt. Links an das Wohnhaus schließt sich das Hotel 'Newa', das im Rohbau fertig ist, an. Zwischen dem riesigen Wohnkomplex und den drei Interhotels liegen zwei große Ladenstraßen-Gebäude für die Versorgung der Bewohner." – Originaltext ADN, 12.11.1969 (© Bundesarchiv, Bild 183-H1106-0301-002; Hubert Link/ADN-ZB)
Dresden, Postplatz 1969"Die Bezirksstadt Dresden aus den Trümmern des Krieges neu erstanden. Festlich, großzügig, hell und weit bietet die Ernst-Thälmann-Straße […] einen wesentlichen Einblick in das Baugeschehen, das in den letzten 20 Jahren in der Elbmetropole durchgeführt wurde. Sie erstreckt sich vom Pirnaischen Platz über den Altmarkt zum Postplatz (vorn im Bild). In den Jahren 1965–67 entstand hier der größte Gaststättenkomplex der DDR, die Großgaststätte "Am Zwinger" (links). Rechts bildet das Institutsgebäude, das auch das Haus des Buches der Elbestadt beherbergt, den zweiten Neubaukomplex am Postplatz." – Originaltext ADN, 12.11.1969 (© Bundesarchiv, Bild 183-H1106-0301-003; Hubert Link/ADN-ZB)
Auch die den Altmarkt sechsspurig flankierende Ernst-Thälmann-Straße lässt jegliche Intimität der historischen Strukturen vermissen und durch die Austauschbarkeit der im internationalen Stil errichteten Neubauten keine neue, spezifisch Dresdner Identität aufkommen. Der als optischer Fixpunkt an dieser Aufmarschachse am Pirnaischen Platz angebrachte Schriftzug "Der Sozialismus siegt" muss damals gewirkt haben wie ein Statement der Funktionäre, dass eine völlige Überformung der Stadtstruktur trotz der heftigen Proteste gegen die Zerstörung der historischen Bausubstanz möglich war. Allein die jahrelangen Kontroversen um die Sophienkirche – "das Ding"[67] –, das SED-Chef Walter Ulbricht 1956 am liebsten mit seinem Auto umgefahren hätte und das 1962/63 dann tatsächlich abgerissen wurde, sprechen Bände. Die ihren Platz einnehmende, von den Dresdnern nur "Fresswürfel" genannte HO-Gaststätte "Am Zwinger" (mit gut 1.400 Plätzen in acht Restaurants damals die größte gastronomische Einrichtung der DDR[68]) wurde nach der "Wende" etappenweise abgerissen, die letzten Reste verschwanden 2007.

Erst die nachwachsende Generation sowie die vielen Zugezogenen, die die Repressalien zur Durchsetzung dieser Bauten nicht selbst miterlebt haben, konnten weitestgehend unbefangen von der lokalen Vorgeschichte mit einer fachlich objektiven Annäherung an die Ostmoderne beginnen und dabei auch die teilweise beeindruckenden gestalterischen Qualitäten dieser Bauten und Ensembles (wieder) entdecken. Vor allem ab 2002 setzte in der Elbestadt bei Fachleuten, Künstlern und auch Teilen der Bevölkerung ein reges Interesse für die baulichen Zeugnisse dieser Ära ein[69] – indes zu spät. Denn die entscheidenden Weichen für das Verschwinden vieler symbolträchtiger DDR-Bauten aus dem Dresdner Stadtzentrum waren durch den Verkauf der entsprechenden Grundstücke sowie das neue, eine massive Nachverdichtung vorsehende Planungsleitbild bereits in den ersten turbulenten Nachwendejahren gestellt worden, in denen sich ganze Heerscharen von Investoren die teilweise noch immer brachliegenden oder nur locker mit ostmodernen Ensembles bebauten "Filetstückchen" der Stadt gesichert hatten.

Fußnoten

50.
Das Central-Theater in der Waisenhausstraße z.B. hatte ca. 2.000 Plätze, der Kinopalast "Capitol" auf der Prager Straße mehr als 1.700 Plätze.
51.
Annette Dubbers, Die Altstadt, Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils, Dresden 2008, S. 69.
52.
Lothar Bolz, Erläuterungen zu den Grundsätzen des Städtebaus, in: Schöne Städte für ein schönes Leben. Der Städtebau der Deutschen Demokratischen Republik, Hg. Ministerium für Aufbau der DDR, Berlin 1950, S. 17–33, hier 25. Das Folgende ebd., S. 26.
53.
Kil (Anm. 12), S. 12.
54.
Annette Friedrich/Jörn Walter (Stadtplanungsamt Dresden), Planungsleitbild Innenstadt, Dresden 1994.
55.
Vgl. Carola Zeh, Lichtspieltheater in Sachsen, Hamburg 2007, S. 193–198.
56.
StadtA DD, Akte 10/53234, zit.: ebd., S. 47. Das Folgende ebd.
57.
Scheffler (Anm. 20), S. 185 u. 189f.
58.
Meinhard von Gerkan (Hg.), West-Östlicher Architektenworkshop zum Gesamtkunstwerk Dresden, Hamburg 1990.
59.
Ebd., S. 105, u. Amber Sayah, Auf der Suche nach der verlorenen Stadt, in: Stadtbauwelt 81 (1990) 48, S. 2421–2425, hier 2421.
60.
Gerkan (Anm. 58), S. 105.
61.
Friedrich/Walter (Anm. 54).
62.
Scheffler (Anm. 20).
63.
Thomas Kübler, "So wende ich mich mit dieser Eingabe …". Ein Streifzug durch das Eingabewesen in den 70er und 80er Jahren in Dresden, in: Dresdner Geschichtsbuch 12, Hg. Stadtmuseum Dresden, Altenburg 2007, S. 250–269, hier 253–257.
64.
Bernd Sikora, Stadt als Kulturlandschaft – ein Denkmodell im unlösbaren Widerspruch der DDR-Strukturen, in: Regine Halter (Hg.), Vom Bauhaus bis Bitterfeld. 41 Jahre DDR-Design, Gießen 1991, S. 35–41, hier 39f.
65.
Wenzkat (Anm. 32), S. 285.
66.
Ebd., S. 284f.
67.
SäHStA Dresden, SED-BPAD, IV/5.01.033, zit.: Lerm, Ein neues Dresden (Anm. 11), S. 612.
68.
Günter Gruner, Gaststätte "Am Zwinger", in: Deutsche Architektur 17 (1968) 4, S. 218–225, hier 222.
69.
Vgl. Scheffler (Anm. 20), S. 190f.

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