Beleuchteter Reichstag

Lager nach 1945

Das "Jahrhundert der Lager" - so könnte die Überschrift für die vergangenen 100 Jahre europäischer Geschichte lauten. Ikonographisch hat sich das Wort und das damit verbundene Konzept eines hermetisch von Stacheldraht umschlossenen und Türmen bewachten Ort des Leidens und Quälens in die Vorstellung der neueren Geschichte eingebrannt. Für die meisten ist es mit der nationalsozialistischen Verfolgung verbunden. Allenfalls der stalinistische Gulag wird noch assoziiert. Weniger bekannt und damit auch weniger erforscht ist die Geschichte der unzähligen Lager und Barackenstädte, die auch nach 1945 noch weiter genutzt und gar erneut errichtet worden sind - auch in Westeuropa. Sie dienten als Internierungsorte für die Täter, als Sammelpunkte für die Überlebenden, als Unterkünfte für die Vertriebenen und Flüchtlinge und als Orte der (sozialen) Kontrolle für eine Vielzahl von oft sehr unterschiedlichen Gruppen.

Die in diesem Themenschwerpunkt vereinten Beiträge geben einen Einblick in die Welt der Lager nach 1945. Sie sind in ihrer Mehrzahl die Ergebnisse eines Workshops des Arbeitskreises „Lager in Deutschland nach 1945“ und der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Ukrainische DPs beim Aufbau des Lagers in Gießen

Nazarii Gutsul und Sebastian Müller

Ukrainische Displaced Persons in Deutschland

Nach 1945 gab es auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen etwa 6,5 bis 7 Millionen sogenannte Displaced Persons - Überlebende der Konzentrationslager, Zwangsarbeiter und zivile osteuropäische Arbeiter. Eine gesonderte Gruppe stellten die Ukrainer dar. In der Hoffnung auf einen unabhängigen Staat hatten sie die Deutschen und ihre Wehrmacht gegen die Rote Armee unterstützt und standen nun auf der Seite der Verlierer.

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Verfallene Baracken des ehemaligen Lagers Sandbostel

Sascha Schießl

Zwischen Aufnahme, Kontrolle und Gefährdung. "Mädchenhandel" und Sittlichkeitsdiskurse im Umfeld des Jugendauffanglagers Westertimke

Sascha Schießl thematisiert die vielfältigen Aufgaben und Funktionen von Lagern in den 1950er Jahren. Der Fall des Jugendauffanglagers Westertimke zeigt, wie sehr diese Einrichtungen Kristallisationspunkte für Sittlichkeits- und Moraldiskurse sein und der Ausgrenzung und Kontrolle "gefährdeter" Betreuter dienen konnten.

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Familie im Notaufnahmelager Gießen, August 1950

Jeannette van Laak

Das Notaufnahmelager Gießen

Vom Provisorium zur Institution: Jeanette van Laak beschreibt den schrittweisen Prozess der Verstetigung und Modernisierung von Lagerstrukturen zur Aufnahme von Flüchtlingen aus der sowjetischen Besatzungszone und der DDR in Gießen.

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Lagerstraße des Stalag IX A Ziegenhain 1942

Corinna Wagner

Die Gedenkstätte und Museum Trutzhain

Corinna Wagner befasst sich mit der Gedenkstätte Trutzhain, einem Ort multipler Vergangenheiten: Von der Errichtung als nationalsozialistische Zwangseinrichtung über die alliierte Zwischennutzung bis hin zum alltäglichen Lebensmittelpunkt der Nachkriegsgesellschaft verbindet Trutzhain Erinnerungswelten und Menschen.

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"Urbanität durch Dichte" - Der Wolfsburger Stadtteil Detmerode in einer Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1968

Günter Riederer

Die Barackenstadt: Wolfsburg und seine Lager nach 1945

Günter Riederer wirft einen Blick auf die Anfänge der Stadt Wolfsburg vom nationalsozialistischen Musterprojekt bis in die Nachkriegsjahre und stellt fest: Die Geschichte der Stadt ist in der Frühzeit ihrer Entwicklung über weite Strecken die Geschichte ihrer Lager.

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Aufnahmeheim Eisenach (© Bundesarchiv, Bild 183-68348-0001, Foto: Wittig)

Tobias Wunschik

Die Aufnahmelager für West-Ost-Migranten: Öffentliche Darstellung und heimliche Überwachung nach dem Mauerbau

Tobias Wunschik beschäftigt sich mit den Aufnahmelagern der DDR für West-Ost-Migranten. Im geteilten Deutschland gingen zwischen 1949 und 1988 insgesamt 600.000 Menschen von der Bundesrepublik in die DDR – davon waren 400.000 zuvor bereits nach Westdeutschland geflohen und kehrten dann zurück.

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Schwarz-Weiß-Foto (undatiert!): Mehrere Berliner Kinder sitzen 1948 auf dem Zaun des Berliner Flughafens Tempelhof, während ein so genannter 'Rosinenbomber' der US-Luftstreitkräfte über ihnen zur Landung ansetzt.

Arne Hoffrichter

Arbeitskräftebedarf contra Wohnraummangel: Die Berliner Luftbrücke und das Problem der SBZ-Flucht 1948/49

Arne Hoffrichter widmet sich einem bislang wenig beachteten Aspekt der Berliner Luftbrücke in den Jahren 1948 und 1949: Dem gezielten Ausfliegen von SBZ-Flüchtlingen aus Berlin als Arbeitskräfte für westdeutsche Kohle- und Industriereviere.

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Deutschland Archiv 2017

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Deutschland Archiv 2016

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Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2016 erschienen sind.

Schriftenreihe Bd. 1664 "Deutschland Archiv 2015": Cover

Deutschland Archiv 2015

Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2015 erschienen sind.

Schriftenreihe Bd. 1544 "Deutschland Archiv 2014": Cover

Deutschland Archiv 2014

Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2014 erschienen sind.

Coverbild Deutschland Archiv 2013

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