Beleuchteter Reichstag

Kultur- und Medienpolitik

Zeitungen, Fernsehen und Radio dienen in demokratischen Systemen zur Verbreitung von Regierungsentscheidungen und als Kanäle, um für diese Entscheidungen zu werben. In umgekehrter Richtung treten freie Medien als "Vierte Gewalt" auf: Die mediale Berichterstattung ermöglicht eine Kontrolle und Bewertung von Regierenden und ihrer Politik. Dieselbe Aufgabe kommt der Kunst und allen kulturellen Ausdrucksformen zu.

Bei der Beschäftigung mit Medien oder Kunst in Diktaturen denken wir dagegen heute oft an Personenkult oder Propaganda. Allerdings liegen unterhalb der Schwelle direkter, oft durchschaubarer Einflussnahme mehrere Ebenen einer Kultur- und Medienpolitik von Regimes, die – weniger offensichtlich – der Steuerung von Informationen, der Implementierung von Ideen und dem Erhalt eines Stimmungsbildes aus der beherrschten Bevölkerung dienen. Mit diesen Formen der Steuerung und Kontrolle beschäftigt sich dieser Schwerpunkt. Die Beiträge beleuchten, wie sehr dem Regime der DDR an einer attraktiven Kultur- und Mediengestaltung lag und analysieren die Rolle von Kunst und Medien als Instrumente politischer Kontrolle. Andere Beiträge nehmen die deutsch-deutsche Kultur- und Medienpolitik in den Blick.

Das ehemalige Zeughaus Unter den Linden in Berlin, 1987; von 1952 bis 1990 Museum für Deutsche Geschichte, seit Oktober 1990 Deutsches Historisches Museum

Katrin Hammerstein

"Drei Staaten – zwei Nationen – ein Volk“ – ein Konzept "fürs Museum"?

Als Anfang der 1980er Jahre das Deutsche Historische Museum in West-Berlin geplant wurde, ging es auch um die Frage, wie weit die deutsche Geschichte räumlich gefasst werden sollte. Katrin Hammerstein beleuchtet vor allem die grenzüberschreitenden Aspekte dieser Diskussion, die neben der Bundesrepublik Deutschland auch die DDR und Österreich betraf. Weiter...

Unter Aufsicht von US-Militärpolizisten wird vor der Innenstadt von Kaiserslautern ein Schild angebracht, das Angehörigen der US-Streitkräfte das Betreten verbietet, 1957

Christian Könne

"Flugplatz, Mord und Prostitution". Wie die DDR-Medien die Amerikaner in der Pfalz inszenierten

Durch die Stationierung von Besatzungsstreitkräften in der westpfälzischen Provinz änderten sich dort schlagartig die Lebensverhältnisse. Die DDR-Medien nutzten ihre Berichterstattung, um Feindbilder zu bedienen und die angebliche Dekadenz des Westens aufzuzeigen. Weiter...

Kurt Hager, Walter Ulbricht, Leonid Breshnew und Erich Honecker im Jahr 1967

Andreas Kötzing

Grünes Licht aus Moskau. Die SED-Führung am Vorabend des "Kahlschlag"-Plenums

Auf das 11. Plenum des SED-Zentralkomitees im Dezember 1965 folgte die größte Zensurwelle der DDR-Kulturgeschichte. Doch handelten die Hardliner der SED dabei auf eigene Faust? Ein neuer Quellenfund zeigt, dass der SED-Chefideologe Kurt Hager wenige Tage vor dem 11. Plenum überraschend nach Moskau reiste. Von dort gab es "grünes Licht" für den von langer Hand geplanten "Kahlschlag". Weiter...

Beratung für das passende Fernsehgerät in einem Berliner Fachgeschäft 1966

Klaudia Wick

Am Ende der Anfangsjahre - Deutsches Fernsehen in Ost und West zwischen Etablierung und Neuorientierung

Vor einem halben Jahrhundert befand sie sich das kulturelle Leben auf beiden Seiten der Mauer an einem Scheideweg. Klaudia Wick blickt in diesem Beitrag zurück - auf das Fernsehjahr 1966 in Ost und West. Weiter...

Auftritt von Manfred Krug (Mitte) mit den "Jazz-Optimisten" in der Reihe "Lyrik-Jazz-Prosa" im Oktober 1965 in der Berliner Kongresshalle

Michael Lühmann

"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Es gibt keinen Dritten Weg"

Michael Lühmann über die Folgen des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED vom 15. bis 18. Dezember 1965 für die Kulturpolitik der DDR Weiter...

Arbeiterinnen im Stahl- und Walzwerk Brandenburg im Januar 1960.

Monica Fioravanzo

Das Frauenleitbild in der politischen Frauenpresse der DDR und der Kommunistischen Partei Italiens im Vergleich (1961-1989)

Im zweiten Teil ihrer Untersuchung über die in Frauenzeitschriften propagierten kommunistischen Frauenbilder widmet sich Monica Fioravanzo der DDR und dem Italien zwischen 1960 und 1989. Sie zeichnet nach, wie sich die italienische linke Frauenbewegung und ihre Zeitschrift von ihren Mentoren in der Kommunistischen Partei emanzipieren konnten, während die Publikation des Demokratischen Frauenbunds in der DDR trotz Herausforderungen dem von der SED verordneten Frauenbild treu blieb. Weiter...

Produktion einer Sendung für die Leipziger "Messewelle" 1971 mit Teilnahme eines Volkspolizisten

Christian Könne

Regionales Hörfunkprogramm der DDR: Erziehung zum DDR-Staatsbewusstsein

Christian Könne analysiert Inhalte, Konzepte und Techniken der regionalen Hörfunkprogramme der DDR und beschreibt deren Rolle für die regionale Identifikation und die dahinter stehenden medienpolitischen Motive des DDR-Staates. Weiter...

Eine Frau und ein Kind an einem Zeitungskiosk in Berlin (Ost).

Anke Fiedler

DDR-Zeitungen und Staatssicherheit: Zwischen staatlicher Öffentlichkeitsarbeit und operativer Absicherung

Es ist bekannt, dass der Arm der Stasi bis in die DDR-Zeitungsredaktionen reichte, aber was der Geheimdienst in den Redaktionen genau suchte, ist kaum erforscht worden. Der Beitrag von Anke Fiedler schließt diese Lücke. Sie untersucht die Rolle von inoffiziellen Mitarbeitern bei der Presse, aber auch den Einfluss des MfS auf Zeitungsinhalte. Weiter...

Moderatorin und Reporterin Andrea Krüger von Jugendradio DT64 (rechts) während der Sendung "Live auf Klubtour"

Stephan Sprang

Hörfunkjournalismus und Musikprogramm im gesellschaftlichen Wandel

Stephan Sprang beschreibt die Entwicklung des Jugendradio DT64, das beispielhaft für die gravierenden Veränderungen, denen die ostdeutsche Rundfunklandschaft nach 1989 unterworfen war, steht - und wie es dazu kam, dass tausende Menschen für "ihr" Radioprogramm auf die Straße gingen. Weiter...

Plakat zur Mitgliederwerbung des "Demokratischen Frauenbundes Deutschlands", ca. 1946

Monica Fioravanzo

Die "neue" Frau: Frauenbilder der SED und der Partito Comunista Italiano (PCI) 1944-1950 im Spiegel von Frauenzeitschriften

Monica Fioravanzo vergleicht die über Frauenzeitschriften propagierten Frauenbilder in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren DDR mit denen im Italien der Nachkriegsjahre. Analytische Ausgangspunkte sind die Kommunikationsstrategien der SED einerseits und der Partito Comunista Italiano (PCI) als kommunistische Oppositionspartei in Italien andererseits. Weiter...

 
Demonstration am 4. November 1989 in Berlin.Deutschland Archiv 1/2011

Medien

Medien stellen in demokratischen Gesellschaften als "vierte Gewalt" ein wichtiges Element des öffentlichen Lebens dar; sie informieren, kommentieren und tragen zur Meinungs- und Willensbildung bei. In Diktaturen dienen sie den Herrschenden vorwiegend als Propaganda- und Erziehungsinstrument. Weiter...