Beleuchteter Reichstag

Das Kulturhaus "Internationale Solidarität"


26.9.2014
Ein kaum bekanntes Kapitel der DDR-Geschichte ist die Aufnahme von desertierten Angehörigen westlicher Streitkräfte. Um die Neuankömmlinge zu begleiten und besser integrieren zu können, wurde 1953 das Kulturhaus "Internationale Solidarität" in Bautzen gegründet. Doch der Erfolg war gering: nur wenige Übersiedler blieben dauerhaft in der DDR. Einige gelangten aber zu einer gewissen Berühmtheit.

Victor Grossmann signierte sein 1988 im Musikverlag "Lied der Zeit" erschienenes Buch "If I had a song", Lieder und Sänger der USAVictor Grossmann signierte sein 1988 im Musikverlag "Lied der Zeit" erschienenes Buch "If I had a song", Lieder und Sänger der USA (© Bundesarchiv, Bild 183-1988-0707-039)

Die Geschichte von Migrantinnen und Migranten in der DDR ist relativ ausführlich dargestellt worden. Die Forschungen von Patrice Poutros, Damian MacConUladh, Dagmar Jajesniak-Quast, Michael Feige und Jost Maurin konzentrierten sich sowohl auf algerische und griechische Bürgerkriegsflüchtlinge sowie auf spanische Flüchtlinge vor der Franco-Diktatur in der Frühphase der DDR als auch auf vietnamesische, kubanische und afrikanische Vertragsarbeiter sowie chilenische Flüchtlinge und Verfolgte des Pinochet-Regimes in den 1970er- und 1980er-Jahren.[1] Eine Differenzierung zwischen Migranten und sich temporär in der DDR aufhaltenden Vertragsarbeitern und Studierenden aus sozialistischen Staaten und sogenannten Entwicklungsländern auf der einen Seite und Zuwanderern aus sogenannten kapitalistischen Staaten blieb dabei - sieht man vom chilenischen Sonderfall ab - eher unscharf oder fand überhaupt nicht statt. Auch wurde als nach der deutschen Vereinigung die Wechselwirkung zwischen der Anwesenheit oder Sichtbarkeit von Ausländerinnen und Ausländern und der Entstehung von Fremdenhass in der DDR beziehungsweise den neuen Bundesländern untersucht wurde, zu wenig zwischen längerfristigen (Studierende, Vertragsarbeiter, politische Flüchtlinge) und eher temporären Aufenthalten (zum Beispiel westliche Ausländer während der Leipziger Messe) unterschieden. Anliegen dieses Beitrags ist es, durch die Darstellung einer speziellen Gruppe ausländischer Übersiedler in den frühen Jahren der DDR, diese Lücke wenigstens teilweise zu schließen.

Westliche Deserteure



Die bis 1961 noch relativ offene Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten begünstigte eine Reihe von Sonderentwicklungen innerhalb des Ost-West-Konflikts. Dazu gehörte auch die Übersiedlung westlicher Militärangehöriger in die DDR. Dabei handelte es sich in erster Linie um Soldaten und Militärpersonen der US-amerikanischen, britischen und französischen Besatzungstruppen in der Bundesrepublik, aber auch um Angehörige anderer NATO-Armeen, die sich aus den verschiedensten Gründen entschlossen, in die DDR überzusiedeln. Meist spielten dabei disziplinarische Vergehen eine Rolle. In einigen Fällen handelte es sich jedoch durchaus um politische Sympathien für die DDR, die konkret meist mit der Weigerung zusammenhingen, in einem der militärischen Konflikte Dienst leisten zu müssen, in die die westlichen Staaten zu Beginn des Kalten Krieges verwickelt wurden, beispielsweise im Korea-Krieg oder im Algerien-Krieg. Zur Betreuung dieser speziellen Gruppe von Übersiedlern wurde 1953 in Bautzen das Kulturhaus "Internationale Solidarität" (oft auch als "Klubhaus" bezeichnet) etabliert. Die Wahl ausgerechnet dieser, in der Lausitz im östlichen Sachsen liegenden Stadt war hauptsächlich durch ihre relativ große Entfernung zur deutsch-deutschen Grenze begründet. Nachdem diese Einrichtung kurze Zeit durch die Sowjetarmee betrieben worden war, wurde sie im Mai 1953 an die DDR-Behörden übergeben.

Betreuung und Ausbildung



Bei der Mehrzahl der in Bautzen betreuten etwa 150 bis 200 Übersiedler handelte es sich um Menschen, die über nur geringe deutsche Sprachkenntnisse und meist nur eine elementare Schulbildung verfügten. Nach einem Bericht des Ministeriums des Innern der DDR von 1956 hing das vor allem damit zusammen, dass sie jenseits des Militärs keinerlei berufliche Tätigkeit kennengelernt hätten und auch über keine solide Berufsausbildung verfügten.[2] Dabei hätten sie vielfach auch keine Vorstellungen von den Verhältnissen und vom Leben in der DDR gehabt und geglaubt "mit der finanziellen staatlichen Hilfe der Deutschen Demokratischen Republik hier leben zu können".[3] Daher waren die mit der Verwaltung des Kulturhauses betreuten Behörden, vor allem das federführende Staatssekretariat - später Ministerium - des Innern schon früh bestrebt, "die ausländischen Freunde fachlich und gesellschaftswissenschaftlich auszubilden, um ihnen so die Möglichkeit zu geben, später als vollwertige Fachkräfte in die Produktion unserer volkseigenen Betriebe gehen zu können."[4] Diese Ausbildung umfasste in den ersten beiden Jahren Schulunterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Gesellschaftswissenschaften und Sport sowie eine – damit verbundene – einjährige berufliche Qualifikation in der Lehrwerkstatt des Volkseigenen Betriebs Lokomotiv- und Waggonbau Bautzen. Von diesem System wurde 1955 wahrscheinlich aus ökonomischen Gründen Abstand genommen, die Berufsausbildung entfiel, und der Unterricht wurde erheblich reduziert.[5]

Darüber hinaus wurden die Übersiedler, die vorwiegend in Privatquartieren in Bautzen und Umgebung untergebracht waren, kulturell betreut. Die Betreuung umfasste sowohl sportliche Wettkämpfe wie Billard- und Tischtennisturniere als auch Filmabende. Ein besonderer Glücksfall für die Leitung des Kulturhauses war, dass für die Organisation kultureller Veranstaltungen zwei US-amerikanische Übersiedler gewonnen werden konnten. Einer davon war Victor Grossmann, der später in der DDR als Autor von Büchern, Zeitungsartikeln und Vorträgen mit USA-Bezug Bekanntheit erlangte.[6] Beide veranstalteten unter anderem Diskussionsabende zu politischen und kulturellen Themen. Weiterhin waren sie mit der Verwaltung der hauseigenen Bibliothek, die 1953 etwa 100 Bände umfasste, betraut. Da die Beschaffung englisch- und französischsprachiger Literatur in der frühen DDR nicht einfach war, waren die beiden Kulturverantwortlichen sehr stark auf ihre eigene Initiative angewiesen.[7] Weiterhin wurden Ausflüge und Exkursionen, etwa zum Deutschlandtreffen 1954, oder Urlaubsreisen in beliebte Badeorte an der Ostsee organisiert.

Auch Betriebsbesichtigungen fanden statt. Ziel war es, die Leistungsfähigkeit der DDR-Wirtschaft zu demonstrieren und die Übersiedler damit zu beeindrucken. Eine dieser Besichtigungen führte Beschäftigte und Bewohner des Kulturhauses am Pfingstsonnabend 1954 gemeinsam zur LPG des in der Nähe von Bautzen gelegenen Ortes Burk. Wie der einschlägige Situationsbericht des Rates des Kreises Bautzen meldete, sei diese Exkursion ein durchschlagender Erfolg gewesen. Demnach zeigten sich die Übersiedler „begeistert von diesem Besuch und äusserten sich, dass sie diese Voraussetzungen des Kommunismus nicht für möglich“, die "Zeitungsberichte und Ausführungen unserer Propagandisten" mithin "nur für Phrasen gehalten hätten".[8] Am Schluss des Besuches formierten sich die Übersiedler "spontan […] und zogen in vorbildlicher Disziplin unter dem Gesang revolutionärer Lieder ihrer Heimat wieder nach Bautzen“.[9]

Nur wenige blieben in der DDR



Letztlich erfolgte das alles mit dem Ziel, durch die Vermittlung schulischer und beruflicher Kenntnisse den ehemaligen Militärangehörigen, die im Sinne der SED ja durchaus als Gegner zu werten waren, im sozialistischen Staat eine neue Perspektive zu bieten, und damit die Überlegenheit der DDR und des von ihr propagierten Menschenbildes zu bekräftigen. Das Hauptproblem dabei war, dass der größere Teil durchaus nicht dem von der SED implizit erhofften Ideal eines vom Marxismus überzeugten und von den kapitalistischen Verhältnissen entsprechend abgestoßenen Überläufers entsprach. Dies wurde schon relativ früh deutlich: Bei Ausflügen, die von der Heimleitung organisiert wurden und an denen Mitarbeiter des Kulturhauses sowie Übersiedler teilnahmen, kam es zu Schlägereien und Tumulten, etwa im August 1953 bei einer Fahrt in die Sächsische Schweiz: Hier provozierten einige Übersiedler in Hotels und Restaurants in Hohnstein, Bad Schandau und Stolpen Schlägereien, die darin gipfelten, dass ein (britischer) Übersiedler in einem voll besetzten Lokal "unter Beschimpfung der DDR seinen Ausweis zerriß."[10] Andere Übersiedler waren mit der gewährten finanziellen und materiellen Unterstützung nicht zufrieden und versuchten, die Heimleitung zu erpressen.

Die Zahl derer, die wieder in die Bundesrepublik zurückkehrten, war erheblich - was hauptsächlich mit der in den 1950er Jahren noch relativ offenen Grenze zwischen beiden deutschen Staaten zusammenhing. Letztere erschwerte natürlich auch die effektive Überwachung der Übersiedler beziehungsweise die Gewinnung von Mitarbeitern aus ihren Reihen durch die DDR-Sicherheitsbehörden, vor allem natürlich das MfS. Die relative Leichtigkeit, mit der unzufriedene Deserteure die DDR auf den verschiedensten Wegen wieder in Richtung Westen verlassen konnten, führte beispielsweise dazu, dass die Möglichkeiten, diesen gegenüber Druck auszuüben, begrenzt blieben. In mindestens zwei Fällen wurden ausreisewillige Übersiedler mit einem Pkw buchstäblich abgeholt.[11] Dennoch konnten sowohl durch angeworbene Geheime Informanten unter dem deutschsprachigen Hilfspersonal als auch unter den Übersiedlern selbst im Großen und Ganzen eine im Sinne der Staatssicherheit wirksame Beobachtung gewährleistet werden – 1960 betrug ihre Zahl 43, darunter 2 Ausländer (von insgesamt 32 im Kreis Bautzen ansässigen und ehemals durch das Kulturhaus betreuten Deserteuren).[12]

Insgesamt wurden im Zeitraum 1953 bis 1963 durch das Kulturhaus etwa 150 bis 200 Übersiedler betreut. Die Mehrzahl kam dabei aus im engeren Sinne westlichen Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Irland, Wales (welches in den Aufzeichnungen als eigener Staat aufgeführt wurde), Spanien und Kanada, aber auch "exotischeren" Staaten wie Algerien, Marokko, Nigeria, Mexiko, Kenia und Puerto Rico. Einige der zuletzt genannten Staaten waren zunächst noch Kolonien. Da sich die SED dem "antiimperialistischen Befreiungskampf" verpflichtet fühlte, galt Deserteuren aus diesen Ländern besondere Aufmerksamkeit. So meldete denn auch ein Bericht des Rates des Kreises Bautzen im Jahr 1954, dem ersten Jahr des Algerienkriegs, die "Freunde der arabischen Völker" seien ein "Beispiel an Lerneifer und Disziplin“.[13] Bemerkenswert sei dies vor allem deshalb, da es sich beim "grösste[n] Teil der Marokkaner [um] Analphabeten" handele.[14] In vielen Fällen wurde jedoch auch hier deutlich, dass die Deserteure nur relativ unklare Vorstellungen von den Verhältnissen in der DDR hatten.

Beispiel eines erfolgreichen Übersiedlers: Der Sänger James W. Pulley

Der afroamerikanische Rhythm'n' Blues-Sänger James W. Pulley im Jahr 1964Der afroamerikanische Rhythm'n' Blues-Sänger James W. Pulley im Jahr 1964 (© picture-alliance/dpa)


Nur wenige Beispiele einer erfolgreichen und für beide Seiten befriedigenden Integration eines Übersiedlers sind bekannt. Zu ihnen zählte der afroamerikanische Sänger James W. Pulley. Dieser war im Unterhaltungsbetrieb der DDR bis zu deren Ende eine feste Größe, wovon unter anderem zahlreiche Fernsehauftritte – etwa in den Sendungen "Klock acht, achtern Strom" und "Ein Kessel Buntes" – zeugten. Dabei interpretierte er bekannte Harry Belafonte-Songs, Gospels und Shanties, aber auch deutschsprachige Schlager. Zu seiner Herkunft und den Umständen seiner Übersiedlung äußerte er sich dabei nur selten – beispielsweise in einem Fernsehinterview von 1989, als er allgemein von "Musik und Liebe" sprach, die ihn in die DDR geführt hätten. Dabei war Pulley 1955 über das Kulturhaus als Angehöriger der in der Bundesrepublik Deutschland stationierten US-Truppen in die DDR gekommen. Zu seinen Motiven machte er unterschiedliche Angaben: Während er unmittelbar nach seiner Übersiedlung angab, seinen Armeeurlaub überschritten zu haben und gewisse Äußerungen auch auf disziplinarische Schwierigkeiten schließen ließen, betonte er später seine Unzufriedenheit mit der in den USA bestehenden Rassentrennung. Tatsächlich war Pulley in Begleitung einer Mitarbeiterin der Staatssicherheit in die DDR gekommen, die er nach Angaben gegenüber dem MfS in einer Gaststätte in der Nähe seines Standorts kennengelernt hatte.[15] Die zutreffendste Erklärung ist wahrscheinlich, dass bei Pulley tatsächlich eine latente Unzufriedenheit mit der Rassentrennung in den USA bestand, was von der MfS-Angehörigen, die auftragsgemäß an Informationen über die US-Streitkräfte interessiert sein musste, ausgenutzt wurde, um ihn in die DDR zu locken.

In Bautzen arbeitete Pulley zunächst im VEB Lokomotiv- und Waggonbau, entdeckte dann aber sein musikalisches Talent und begann, auf eigene Faust in Görlitz aufzutreten, was vonseiten des MfS missbilligt wurde und möglicherweise die Ursache für die "Entpflichtung" von Pulleys Ehefrau – er hatte seine "Fluchtgefährtin" inzwischen geheiratet – aus den Reihen des MfS war.[16] 1956 erhielt er sein erstes eigenes Engagement und wurde im darauffolgenden Jahr nach einer bestandenen Eignungsprüfung von einem regional bekannten Tanzorchester in Sebnitz verpflichtet. Dieses Engagement wurde durch das Orchester jedoch schon bald gekündigt, da Pulleys eigenwilliger Auftrittsstil, der sich nach Auffassung des MfS unter anderem "in bauchtanzartige[n] Einlagen mit unmöglichsten Verrenkungen und brutalen Urlauten" kundtat, in der sächsischen Provinz zu exaltiert wirkte.[17]

In den darauffolgenden Jahren unternahm er mit verschiedenen Orchestern Tourneen, unter anderem auch ins (sozialistische) Ausland. Dabei gelang es ihm durchaus, sein Repertoire den ideologischen Präferenzen der SED-Kulturpolitik anzupassen, was sich zum Beispiel in der Bemerkung der für seinen Wohnort zuständigen MfS-Kreisdienststelle widerspiegelt, wonach er sich bemühe, "das wahre Amerika durch Jazz, Spirituals und Songs“ zu verkörpern.[18] Gemeint war damit, dass die genannten Musikstile nach dem Kulturverständnis der SED als "Volksmusik" und damit authentischer Ausdruck einer alternativen Kultur der "arbeitenden Klassen" beziehungsweise "des Volkes" zu werten waren, der erst im Sozialismus ihre verdiente Würdigung zuteil werden könne.[19] Ansonsten führte er bis zum Ende der DDR eine relativ unauffällige Existenz, organisierte seine Konzerte teilweise auf eigene Faust und bemühte sich, politische Fragen zu vermeiden. Trotzdem genügte seine amerikanische Herkunft, um ihn für das MfS noch Jahre nach seiner Übersiedlung verdächtig zu machen – bis zum endgültigen Ende seiner Überwachung 1973.[20] Nach der politischen Wende 1989/90 bemühte er sich, auch im vereinigten Deutschland Fuß zu fassen und trat bis zu seinem Tod 2008 vor allem in eher "ostalgischen" Zusammenhängen auf. So produzierte er beispielsweise 1995 gemeinsam mit Michael Hansen, einem ehemaligen DDR-Schlagersänger, eine CD mit dem Titel "Ein Supertag", die verschiedene Lieder enthielt, mit denen er in der DDR bekannt geworden war.

Auflösung des Kulturhauses



Insgesamt blieb die "Ausbeute" und Strahlkraft des Kulturhauses hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kamen weitere hemmende Faktoren. Mit dem Bau der Mauer wurde das "Wandern zwischen den Welten" - ein Begriff mit dem in den 1950er und frühen 1960er Jahren der Wechsel über die innerdeutsche Grenze oft bezeichnet wurde - stark erschwert. Dies wirkte sich auch auf die Zahl der Deserteure aus. Immer weniger fanden den Weg in die DDR. 1963 wurde das Kulturhaus geschlossen, seine Funktionen bis 1964 provisorisch von einer Einrichtung in der Nähe von Gera, bis 1971 dann von einem speziellen MfS-Objekt in der Nähe von Briesen im heutigen Brandenburg wahrgenommen. Durch das letzte Objekt wurden nur etwa 40 Übersiedler betreut. Nach Unterlagen des MfS waren 1970 noch etwa 60 ehemalige NATO-Soldaten in der DDR wohnhaft - 33 Amerikaner, 15 Briten, sieben Franzosen, drei Niederländer, ein Belgier sowie ein Kanadier.[21] Diese hatten sich offenbar so gut in die DDR-Gesellschaft eingefügt, dass das MfS in ihrer Überwachung keinen größeren Nutzen mehr sah.[22] Deutlich wird jedoch, dass die Migration westlicher Deserteure in die DDR zahlenmäßig relativ gering blieb, besonders dann, wenn man sich vor Augen hält, dass die Zahl der Überläufer aller Dienstgrade aus den bewaffneten Organen der DDR (HVA, KVP, NVA) allein im Zeitraum 1950 bis 1961 bei etwa 6000 lag.[23]

Zitierweise: Thomas Weißbach, Das Kulturhaus "Internationale Solidarität", in: Deutschland Archiv, 26.9.2014, Link: www.bpb.de/191775


Fußnoten

1.
Vgl. dazu v.a. Patrice Poutros (Hg.), Ankunft. Alltag. Ausreise. Migration und interkulturelle Begegnung in der DDR-Gesellschaft, Köln, Weimar und Wien 2005; Michael Feige, Vietnamesische Studenten in der DDR und ihre Bearbeitung durch das MfS, Magdeburg 1999 (Sachbeiträge der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR Sachsen-Anhalt; 10); Jost Maurin, Die DDR als Asylland: Flüchtlinge aus Chile 1973-1989, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 51 (2003) 9, S. 814-831; sowie Kim Christian Priemel (Hg.), Transit – Transfer: Politik und Praxis der Einwanderung in die DDR 1945-1990, Berlin 2011.
2.
Bericht des Ministeriums des Innern vom 1.8.1956; in: Bundesarchiv (BArch), DO 1, Nr. 14642.
3.
Ebd.
4.
Bericht der SfS-Dienststelle Bautzen vom 1.2.1954, in: Beauftragter für die Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR (BStU), MfS, BV Dresden, AOP 531/64, Bd.1, S. 19.
5.
In einer Aussprache von Vertretern der Heimleitung mit Mitarbeitern des Staatssekretariats des Innern Ende 1955 wurden Einwände der Vertreter des Kulturhauses mit dem Argument zurückgewiesen, "daß auch bei den deutschen Kommunisten, die 1933 in die Sowjetunion gingen, nicht die Frage stand, auf Kosten des Sowjetstaates zu leben, sondern ihr Leben selbst zu bestreiten“. Vgl. Bericht der MfS-Dienststelle Bautzen vom 21.12.1955, in: BStU, MfS, BV Dresden, AOP 531/64, Bd. 1, S. 36f.
6.
Siehe etwa: Victor Grossman, Per Anhalter durch die USA, Berlin (Ost) 1975; Ders., Von Manhattan bis Kalifornien: Aus der Geschichte der USA, Berlin (Ost) 1976.
7.
Thomas Weißbach, Schwerer Weg. Übersiedlung aus der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin in die DDR 1961-1989, Hamburg 2011, S. 220ff.
8.
Situationsbericht des RdK Bautzen vom 15.6.1954, in: BArch, DO 1, Nr. 13951.
9.
Ebd.
10.
Anlage zu Schreiben des Rates des Landkreises (RdLK) Bautzen an Staatssekretariat für Innere Angelegenheiten vom 28.8.1953, in: BArch, DO 1, Nr. 13950.
11.
Bericht des Staatssekretariats für Innere Angelegenheiten vom 4.3.1954, in: BArch, DO 1, Nr. 13951.
12.
Bericht der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Dresden vom 8.2.1960, in: BStU, MfS, BV Dresden, AOP 531/64, Bd.1, S. 56.
13.
Schreiben des Rat des Kreises Bautzen an Staatssekretariat für Innere Angelegenheiten an vom 1.4.1954, in: BArch DO 1, Nr. 13951.
14.
Ebd.
15.
Auskunftsbericht der HA II vom 1.8.1955, in: BStU, MfS-ZA AP 7738/73, S.13; Absprachebericht der HA II vom 5.8.1955 sowie Abschrift eines Schreibens der MfS-Kreisdienststelle Görlitz vom 27.11.1956, in: Ebd., S. 15ff., S. 44.
16.
Abschrift eines Schreibens der MfS-Kreisdienststelle Görlitz vom 27.11.1956 (Anm. 15).
17.
Schreiben MfS-Kreisdienststelle Zeitz an Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Halle vom 11.10.1963, in: BStU, MfS-ZA , AP 7738/73, S. 54ff.
18.
Ebd.
19.
Vgl. dazu Philip v. Bohlmann, 600 Jahre DDR-Musikgeschichte am Beispiel deutscher Volkslieder demokratischen Charakters, in: Nina Noeska und Matthias Tischer (Hg.), Musikwissenschaft und Kalter Krieg. Das Beispiel DDR, Köln, Weimar und Wien 2010, S. 9-98.
20.
Weißbach, Schwerer Weg (Anm.7).
21.
MfS-Vorschlag zur Übernahme des AH Briesen v. 9.11.1970, in: BStU, MfS-HA VII 6836, S.29f.
22.
Ebd.
23.
Rüdiger Wenske, Die Fahnenflucht in den Streitkräften der DDR, in: Ulrich Bröckling, Michael Sikora (Hrsg.), Armeen und ihre Deserteure. Vernachlässigte Kapitel einer Militärgeschichte der Neuzeit, Göttingen 1998, S. 252-287.
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Autor: Thomas Weißbach für bpb.de
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