Beleuchteter Reichstag

3.10.2019 | Von:
Holger Kulick

Ost-West-Kindheiten

Eine Zeitreise zurück in den Juni 1989. Wie Kinder die Mauer erlebten. Ein 30 Jahre alter Beitrag aus der ZDF-Sendereihe "Kennzeichen D".

In der folgenden Fernseh-Reportage aus der ZDF-Sendung "Kennzeichen D" vom 21. Juni 1989 machen Kinder und Jugendliche von aus der DDR ausgereisten Eltern deutlich, wie sie das zweigeteilte Deutschland vor dem Mauerfall erlebten, in dem sie hin- und herreisen durften, ihre Eltern aber nicht mehr. Die DDR-Behörden räumten Kindern bis zu ihrem 16. Lebensjahr Fahrten zu Verwandten in der DDR ein, dann wurde auch für sie die Grenze geschlossen. Pointiert bringen die befragten Kids ihre Wahrnehmungen über die Mauer und deutsch-deutsche Unterschiede zum Ausdruck.

Ost-West Kinder. Eine Reportage aus der ZDF-Sendereihe "Kennzeichen D" vom 21. Juni 1989. © ZDF

Von 1971 bis 2001 strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) alle 14 Tage die Sendereihe "Kennzeichen D" aus. Ziel war es, "differenzierte Informationen über Lebensformen, Gesellschaft, Politik, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft in Ost und West zu vermitteln", so hieß es zum Sendestart am 9. September 1971.

Kind blickt aus der S-Bahn auf den Grenzstreifen an der Spree.Vor einer immer wieder unheimlichen Reise von West nach Ost: Kinder-Blick aus der S-Bahn auf den Grenzstreifen an der Spree. (© ZDF-Kennzeichen D / H.Kulick)
Vornehmlich ging es darum, visuelle Brücken zum deutschen Nachbarn zu bauen, innerdeutsche Dialoge anzustiften und als zeitkritisches, gesellschaftspolitisches Fernseh-Magazin Denkanstöße zu formulieren. Dazu gehört auch der hier gezeigte Beitrag über die Wirkung der Mauer auf Kinderseelen und die Reflexion von Jugendlichen über die vor 30 Jahren von ihnen wahrgenommenen mentalen Unterschiede in Deutschland-Ost und Deutschland-West. Der Beitrag wurde rund vier Monate vor dem Mauerfall in Berlin gedreht.

Grenzpassage einer ausgereisten Familie 1989 auf der Oberbaumbrücke Berlin.Grenzpassage einer ausgereisten Familie 1989 auf der Oberbaumbrücke Berlin. (© ZDF-Kennzeichen D / H.Kulick)

In loser Folge werden von nun an komplette Sendungen und einzelne „Kennzeichen D“-Beiträge vom Deutschland Archiv online gestellt, die deutsch-deutsche Geschichte vor und nach dem Mauerfall besonders anschaulich vermitteln.

Über „Kennzeichen D“

Ausgewählt werden vor allem Beiträge aus der Zeit vor der Friedlichen Revolution im Herbst 1989. Sie führen lehrreich vor Augen, wie in der DDR allmählich Frustration wuchs – aber auch Bürgermut, den man brauchte, um Alltags-Missstände offen anzusprechen und für Bürgerrechte einzutreten. Außerdem verdeutlichen die Reportagen, Analysen und Interviews, die in den ersten zehn Jahren nach dem Mauerfall entstanden, wie auf der einen Seite die Aufarbeitung der SED-Diktatur begann und auf der anderen Seite Ernüchterung auf wirtschaftlichen und sozialen Feldern zunahm – mangels schneller Erfolge beim Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten. Auch der zunehmende Rassismus im Osten und die Radikalisierung von Jugendlichen tauchen dabei immer wieder als ein Thema auf. Aber auch prominente Schriftsteller und Schriftstellerinnen sowie Künstlerinnen und Künstler kommen wiederholt zu Wort, die ihre Sorgen um die innerdeutsche Entwicklung kreativ vermittelten, darunter mehrfach der 1976 aus der DDR ausgewiesene Liedermacher Wolf Biermann.

Filmreportagen aus der DDR konnten damals nur unter erschwerten Bedingungen entstehen. Nur wenige westliche Korrespondenten und Korrespondentinnen waren in der DDR zugelassen. Über Bewegungsfreiraum verfügten sie nur innerhalb Berlins. Alle anderen Drehreisen mussten sie anmelden und genehmigen lassen. Temporär von westlichen Fernseh-Redaktionen geschickte Journalistinnen und Journalisten mussten Themen und Drehorte lange im Vorfeld offiziell beantragen. Wurde ihr Vorhaben schließlich genehmigt, erhielten sie aus der Medien-Abteilung des DDR-Außenministeriums als Dienstleistung einen ständigen Begleiter mit Stasi-Verbindung, der zugleich Organisator und Aufpasser war.

Erst in den letzten Jahren der DDR wurden auch Videokameras in die DDR geschmuggelt, mit denen einzelne Privatleute heimlich Videoaufnahmen für das Westfernsehen drehten. Ihr Material wurde in der Regel von westlichen Diplomaten, Zeitungskorrespondenten, aber auch DDR-Rentnerinnen und -Rentnern in den Westen geschmuggelt, die meistens weniger intensiv an der Grenze kontrolliert wurden.

Weitere Filme über DDR, Mauerfall und Friedliche Revolution:

- Vom Einläuten der Friedlichen Revolution

- Die Stasi-Akte Honecker

- Die Maueröffner.


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