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Beleuchteter Reichstag

16.11.2011 | Von:
Jens Niederhut

Frohe Ferien in der DDR

Kommunismus und Antikommunismus in den 1950er-Jahren

Staatsfeinde und Tarnorganisationen


Die antikommunistischen Kampagnen in der Bundesrepublik stellten Kommunisten als Verführer und Rattenfänger dar. Plakat des Volksbundes für Frieden und Freiheit, ca. 1949–1956.Die antikommunistischen Kampagnen in der Bundesrepublik stellten Kommunisten als Verführer und Rattenfänger dar. Plakat des Volksbundes für Frieden und Freiheit, ca. 1949–1956. (© Bundesarchiv, Plak 005-045-017)
In der Bundesrepublik fürchtete man nicht nur die kommunistische Beeinflussung der Kinder, sondern allgemein die Unterwanderung der Gesellschaft durch kommunistische Tarnorganisationen. Als solche galt auch die ZAG. Dabei entsprach diese nicht der typischen Vorstellung von einer parteihörigen Kaderorganisation. In der Öffentlichkeit präsentierte sie sich al überparteilich und karitativ, nur ein geringer Teil der zumeist weiblichen Mitarbeiter gehörte auch der KPD oder anderen kommunistischen Vereinigungen an. Eva Brock beispielsweise, die dem Landesausschuss Nordrhein-Westfalen vorstand, war kein Parteimitglied. Der Verfassungsschutz NRW bescheinigte ihr einen "guten Ruf" und eine "Schwäche für alles, was mit Kindern zusammenhängt".[24] Gertrud Schröter, die die Ferienfahrten in Niedersachsen organisierte, war allerdings KPD-Mitglied. Sie stammte aus einer kommunistischen Familie, ihr Vater war im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert gewesen. In ihrer Heimatstadt Celle organisierte sie Aktivitäten für Kinder aus sozial schwachen Familien. Ab 1954 kam sie über ihr Engagement im Demokratischen Frauenbund (DFD) zur Ferienaktion. Sie blieb auch später stets "fest überzeugt, nur im Interesse der Kinder gehandelt zu haben". Sie blieb zeitlebens politisch und sozial engagiert, unter anderem in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Im Jahr 1995 überreichte ihr Ministerpräsident Gerhard Schröder für ihre ehrenamtliche Arbeit den niedersächsischen Verdienstorden.[25]

Auch die Ferienkinder kamen nur zum Teil aus dem engeren Umfeld der KPD. Verfassungsschutz und Polizei gingen davon aus, dass nur ein Drittel der Kinder aus explizit kommunistischen Familien stammte. Ein Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der sich 1960 auf Spurensuche begab, traf ebenfalls viele Eltern an, die nichts vom Kommunismus hielten, ihre Kinder aber dennoch in die DDR-Ferienlager schickten.[26]

Auch wenn die ZAG keine typische kommunistische Kaderorganisation war, kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dass Ost-Berlin die Zügel stets fest in der Hand behielt. Zwar waren viele Mitarbeiterinnen der ZAG keine Mitglieder der KPD – gerade auch viele Landesvorsitzende –, aber in jedem Landesausschuss saß wenigstens ein hauptamtlicher, das heißt von der KPD/SED bezahlter, Kader, der die ehrenamtlichen Helferinnen kontrollierte und sich mit dem Amt für Jugendfragen der DDR abstimmte. Insbesondere in der Frühphase der Ferienaktion schickte Ost-Berlin auch SED-Kader nach Düsseldorf, um die ZAG direkt anzuweisen; regelmäßige Treffen fanden in der DDR statt.[27]


Fußnoten

24.
IM NRW (LfV), Organisation Frohe Ferien für alle Kinder, 6.9.1955, LAV NRW R NW 614 Nr. 596.
25.
Sekretariat der KPD, Übersicht über die wichtigsten Kader der Arbeitsgemeinschaft Frohe Ferien beim Zeitpunkt ihres Verbots, o. D. (1961), BArch BY 1/3937; Maria von Fransecky, Alles was vergessen wird, geschieht. Die Lebensgeschichte der Gertrud Schröter, Fischerhude 1988, bes. S. 37; Rolf Gößner, Die vergessenen Justizopfer des Kalten Krieges. Verdrängung im Westen – Abrechnung mit dem Osten, Berlin 1998, S. 10f.
26.
Rudolf Reinhardt, Karlchen Kugelblitz erzählt von der Sowjetunion, in: FAZ, 24.8.1960; IM NRW, Frohe Ferien für alle Kinder, o. D. (1955/56), LAV NRW R NW 308 Nr. 235, Bl. 63f; Polizeipräsidium (PP) Köln, Arbeitsgemeinschaft Frohe Ferien für alle Kinder, 18.7.1958, ebd. NW 614 Nr. 521; IM NRW, Einladung westdeutscher Kinder zu kostenlosen Ferienaufenthalt in der SBZ, ebd. NW 161 Nr. 205, Bl. 23–25.
27.
AfJ, Situationsbericht über den Stand der Vorbereitungsarbeiten für eine Feriengestaltung der Kinder in Westdeutschland im Jahre 1955, 21.4.1955, BArch DC 4/164, Bl. 487–498; Beratung über die Teilnahme westdeutscher Kinder an der Sommerferiengestaltung 1956 beim Zentralkomitee der SED am 9. März 1956, ebd., Bl. 57–59; Sekretariat der KPD, Übersicht über die wichtigsten Kader der Arbeitsgemeinschaft Frohe Ferien beim Zeitpunkt ihres Verbots, o. D. (1961), BArch BY 1/3937; IM NRW (LfV), Bericht, 16.7.1955, LAV NRW R NW 614 Nr. 596.

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