Beleuchteter Reichstag

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31.8.2011 | Von:
Andreas Fraude

20 Jahre Deutsche Einheit

Rückschau, Bestandsaufnahmen, Perspektiven

"Deutsche Kontraste"

Deutsche KontrasteDeutsche Kontraste (© Campus)
Zwei im direkten und übertragenen Sinne gewichtige wissenschaftliche Publikationen sind zunächst anzuzeigen. Die Herausgeber des Titels "Deutsche Kontraste 1990–2010", Vertreter der Forschungsgruppe Deutschland beim renommierten Münchner Centrum für angewandte Politikforschung (C.A.P.), verstehen ihren "Konzeptband" als publizistische Traditionslinie zu den vorherigen "Hand(wörter)büchern zur deutschen Einheit" (1992, 1996, 1999) bzw. zum 2001 vorgelegten "Deutschland-Trendbuch". Die Ergebnisse seien eine "analytisch dichte und differenzierte Hinterfragung viel diskutierter Kontraste, die Deutschland zwei Jahrzehnte nach der Vereinigung prägen" (11). Innerhalb der vier Bereiche "Politik", "Wirtschaft", "Gesellschaft" und "Kultur" werden jeweils kontrastierende Begriffspaare einer Untersuchung unterzogen – wobei hier expressis verbis keine Dichotomien behauptet werden, jedoch Spannungsverhältnisse, welche Richtungsfragen aufwerfen würden (15). Die Auswahl der Begriffspaare wirkt bisweilen etwas willkürlich; grosso modo bilden sie aber jene Konfliktlinien adäquat ab, die im Zusammenhang mit dem deutschen Einigungsprozess stetig einem Diskurs unterzogen werden.

Manuela Glaab wendet sich unter Zuhilfenahme einer breiten empirischen Datenbasis zunächst der "Relevanz der Politik" in Gestalt des politischen Interesses in Ost und West zu, bevor sie sich Formen politischer Partizipation, klassifiziert in "konventionell-verfasste" und "unkonventionell-unverfasste", widmet. Als Fazit formuliert Glaab, dass im Bereich der elektoralen und parteibezogenen Beteiligung rückläufige Tendenzen festzustellen sind. Dabei weise auch der Trend bei den mehr spontanen, unverfassten Partizipationsformen nicht durchweg nach oben. Eine scharf konturierte Trennlinie zwischen Ost und West sei in diesem Bereich aber nicht erkennbar; vielmehr hätten sich "strukturell sehr ähnliche Beteiligungssysteme herausgebildet" (132).

Michael Weigl kommt in seinem "Erinnerung versus Neuanfang" überschriebenen Beitrag zu dem Ergebnis, dass die Erinnerungskultur des vereinten Deutschland an jene der Bundesrepublik anknüpfe; Nationalsozialismus und Holocaust seien weiterhin "Kern deutscher Selbstbeschreibung" und stünden im Zentrum des Erinnerns. Die Erinnerung an die DDR sei bislang nur bedingt in das Selbstverständnis Gesamtdeutschlands eingeflossen; bis heute fehle ein Narrativ, das beide deutsche Diktaturerfahrungen angemessen miteinander verknüpfe und die zweite Diktatur auch für diejenigen erfahrbar mache, die in der alten Bundesrepublik sozialisiert wurden. Von zwei "Erinnerungskulturen" in Ost und West könne aber nur schwerlich die Rede sein; in keinem Diskurs ständen sich Ost- und Westdeutsche geschlossen gegenüber (682f).



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