Beleuchteter Reichstag
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Retrospektiven auf die Friedliche Revolution


15.12.2011
Authentische Schriftzeugnisse von Bürgerrechtlern sind selten. Die wenigen erhaltenen Zeitdokumente sind deshalb besonders wertvoll. Zusammen mit Studien über oppositionelles Denken und Handeln – vor allem über abweichendes Verhalten in der DDR-Provinz – liefern sie wichtige Beiträge zur Zeitgeschichtsforschung.

Tagebücher und autobiografische Zeugnisse



Sammelrezension zu:

Bärbel Bohley: Englisches Tagebuch 1988. Aus dem Nachlass herausgegeben von Irena Kukutz. Mit einem Nachbericht von Klaus Wolfram, Berlin: BasisDruck 2011, 168 S., € 14,–, ISBN: 9783861631439.

Kerstin Engelhardt, Norbert Reichling (Hg.): Eigensinn in der DDR-Provinz. Vier Lokalstudien über Nonkonformität und Opposition, Schwalbach: Wochenschau 2011, 304 S., € 32,80, IBSN: 9783899746815.

Martin Gutzeit, Helge Heidemeyer, Bettina Tüffers (Hg.): Opposition und SED in der Friedlichen Revolution. Organisationsgeschichte der alten und neuen politischen Gruppen 1989/90, Düsseldorf: Droste 2011, 263 S., € 29,80, ISBN: 9783770053049.

Rainer Eckert: SED-Diktatur und Erinnerungsarbeit im vereinten Deutschland. Auswahlbibliografie zu Widerstand und politischer Repression, herausgegeben von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Berlin: Metropol 2011, 400 S., € 24,–, IBSN: 9783863310066.


Authentische Tagebücher und andere autobiografische Zeugnisse von Bürgerrechtlern, Oppositionellen und Widerständlern der DDR aus der Zeit vor 1989 sind ebenso selten wie wertvoll. Aus nahe liegenden Gründen musste im Alltag der zweiten deutschen Diktatur häufig darauf verzichtet werden. Wer wollte sich und seine Freunde durch politisch-kritisch Schriftliches gefährden? Die Sicherheit vor der Staatssicherheit hatte absolute Priorität. Umso höher sind die wenigen Zeitdokumente einzuschätzen, die überliefert und heute der Oppositionsgeschichtsforschung zugänglich sind.


Englisches Tagebuch



© BasisDruck, Berlin.Englisches Tagebuch 1988 (© BasisDruck Verlag )
Ein typisches Beispiel: Bärbel Bohleys "Englisches Tagebuch 1988", dessen Manuskript die Berliner Bürgerrechtlerin und Pazifistin im Gepäck hatte, als sie aus ihrem Zwangsasyl in London heimkehrte nach Ost-Berlin. Sie konnte es vor dem Zugriff der Geheimpolizei bewahren. Die erste Eintragung datiert vom 13. Februar, die letzte vom 3. August 1988. Sieben Monate später hatte sie ihre handschriftlichen Aufzeichnungen mit der Schreibmaschine übertragen und durch andere Zeitdokumente sowie durch ein Nachwort ergänzt. Irena Kukutz, eine ihrer politischen Weggefährtinnen, hat sie gemeinsam mit Klaus Wolfram mit empathischer Sorgfalt bearbeitet und posthum publiziert.

Entstanden ist eine in politischer wie persönlicher Beziehung aufschlussreiche Edition, die Auskünfte über Bärbel Bohley erteilt, über ihr Denken und Fühlen, über ihren klaren analytischen Verstand und ihre regimekritische Sensibilität, über ihren Freundeskreis und ihre Netzwerke im bürgerrechtlichen Milieu, speziell auch über die traumatische Erfahrung ihrer Untersuchungshaft im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, und zwar schon 1983, als sie im Dezember zusammen mit Ulrike Poppe von der Initiativgruppe "Frauen für den Frieden" wegen Verdachts auf landesverräterische Nachrichtenübermittlung das erste Mal für sechs Wochen inhaftiert war.

Nachdem Bohley 1988 erneut festgenommen worden war, acht Tage nach der legendären Aktion während der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration am 17. Januar, wurde sie den Machthabern als Gefangene erst recht politisch unbequem. Sie zeigte sich unbeugsam. Schließlich wurde sie, wie ihrem Tagebuch zu entnehmen ist, unter Mitwirkung ihrer Anwälte Gregor Gysi und Wolfgang Schnur zur Ausreise aus der DDR genötigt – gemeinsam mit ihrem Sohn Anselm. Zögernd willigte sie ein, auf Drängen auch kirchlicher Kreise um Manfred Stolpe, und präsentierte allerdings unbeirrbar ihre Bedingung: Beibehaltung der DDR-Staatsbürgerschaft und Rückkehr spätestens nach sechs Monaten. Und tatsächlich: Partei und MfS akzeptierten: "Ich habe die Macht des totalitären Systems auf absurde Weise erfahren", notiert sie über ihre temporäre Abschiebung hernach. Ihre Erklärung: "Man ist nicht mehr an einem Prozess interessiert, es darf in der DDR keinen politischen Häftling geben."

Deutlich wird die Verunsicherung der Herrschenden im Umgang mit der Opposition. Deutlich werden der Mut und die Entschlossenheit, mit denen Bärbel Bohley auf ihrer Position beharrt. Man versteht, warum diese zierliche, selbstbewusste, Energie geladene Frau zu einer Leitfigur des demokratischen Aufbegehrens in der DDR werden konnte, zur Ikone der Friedlichen Revolution.

Obwohl die Aufzeichnungen Bohleys nur einen begrenzten Zeitraum umspannen – eben den Aufenthalt in der Bundesrepublik und in England –, steuern sie viele Details bei zur Geschichte und zum Bild der DDR-Bürgerrechtsbewegung und ihrer Protagonisten. Ein akribisch erarbeitetes Personenregister liest sich wie ein "Wer war wer?" des Umbruchs im 89er Herbst. Interessant auch, was Bärbel Bohley über ihre Kontakte seinerzeit zu den bundesdeutschen Grünen notiert, speziell zu ihrer Freundschaft mit Petra Kelly, ferner zum Entstehen und zu den Anfängen des Neuen Forums. Und vieles andere mehr. Kritisch äußert sie sich nicht nur über den Staat der SED, auch der Westen irritiert sie. "Die westliche Welt ist sexistisch", schreibt sie in ihr Tagebuch. "Wenn auch von Frauenemanzipation in der DDR noch nicht zu sprechen ist, so ist doch ein anderer Ansatz da. In einer Welt, die sexistisch ist, kann es eigentlich für die Frauen keinen guten Platz geben. So wie es in einer Gesellschaft, die auf Unterdrückung aus ist, keinen Sozialismus geben kann." Auch ihre Illusionen und Irrtümer räumt sie rückhaltlos ein. 1962 habe sie noch die Mauer hingenommen und geglaubt, "dass hinter diesen Steinen jetzt das Leben aufgebaut werden könne, von dem ich damals geträumt habe. Der 'wirkliche' Sozialismus." Es sind nicht zuletzt solche Anmerkungen, die viel verraten über Einstellung und Befindlichkeit der allzu früh Verstorbenen. Ihr Tagebuch ist zeithistorische Quelle und persönliche Erinnerung von bleibendem Aussagewert.


Eigensinn in der DDR-Provinz



© Wochenschau, Schwalbach.Eigensinn in der DDR-Provinz (© Wochenschau-Verlag )
Bürgerrechtliches Engagement und Opposition hatten ihre Schwerpunkte in den 1980er-Jahren nicht nur in der "Hauptstadt der DDR" und einigen größeren mittel- und ostdeutschen Städten. In dem von Kerstin Engelhardt und Norbert Reichling herausgegebenen Band "Eigensinn in der DDR-Provinz" wird in vier Lokalstudien aus Altlandsberg, Wismar, Aue und Meiningen eine Thematik aufgegriffen, die jeweils unter verschiedenen Aspekten Nonkonformität und Opposition abseits städtischer Milieus vor Augen führt. Im Einzelnen behandelt Janka Kuball die Problematik Stadtpflege und Umweltschutz unter dem Dach einer staatlichen Organisation, nämlich des Kulturbundes Altlandsberg/Brandenburg, Andreas Wagner schildert die Arbeit einer kirchlichen Basisgruppe in der Endzeit der DDR am Beispiel des Ökumenischen Zentrums für Umweltarbeit in Wismar, Armin Steil und Kerstin Palloks machen an der Gründungsgruppe des Neuen Forums in Aue/Erzgebirge den Weg von der Gegenkultur zur politischen Opposition exemplarisch, und Norbert Reichling gibt seiner Schilderung eines Montagskreises in Meiningen/Thüringen die treffende Überschrift: "Wir waren eigentlich die Normalen".

Das Buch ging aus einem zweijährigen interdisziplinären Forschungsprojekt hervor, das sich unter dem Aspekt lokaler Erfahrungen der Thematik "Erinnerungskultur und Zivilgesellschaft in Ostdeutschland" gewidmet hat. Der Forschungsansatz verband regional- und kommunalgeschichtliche Untersuchungen mit Zeitzeugen-Interviews. Die vier Fallstudien wurden jeweils in übereinstimmender Systematik angelegt. Nach einem Blick auf die Forschungssituation werden Kommune und Region kurz vorgestellt und danach die jeweils zu untersuchende bürgerschaftliche Gruppe und ihre politische Entwicklung in den Achtzigerjahren bis zum Umbruch 1989/90 geschildert; daran schließen sich drei, vier biografische Skizzen an, in denen einzelne Aktteure, Frauen und Männer, mit ihrem bürgerschaftlichen, ökologischen, häufig basisdemokratischen und oppositionellen Engagement vorgestellt werden oder sich selber vorstellen. Eingearbeitet werden zudem Auszüge aus den Interviews, die die Texte authentischer machen.

Es ist unmöglich, im begrenzten Rahmen einer Rezension die einzelnen Beiträge der sieben Autorinnen und Autoren eingehender zu erörtern. Verdient wäre es allemal. Eine von der Forschungsgruppe gemeinsam verfasste Schlussbetrachtung formuliert als "Resümee und Ausblick" verallgemeinernde Folgerungen, Thesen und Erkenntnisse, die den politischen Eigensinn in der DDR-Provinz und seine bis in die Gegenwart reichenden Auswirkungen auf die Zeit nach der Friedlichen Revolution zur Sprache bringen. Eine keineswegs singuläre Erfahrung, die sich an der Entwicklung der Initiativen und Freundeskreise in Aue, Meiningen und Wismar konkret festmachen lässt, ergibt sich aus dem Befund, dass ein ursprünglich weithin unpolitisches Engagement erst unter dem Druck der Staatssicherheit zu bewusster Opposition mutierte. "Die zunehmende Politisierung der Gruppen", so die Autorinnen und Autoren, "wurde auch durch die paranoide Sicht der Sicherheitsorgane in Gang gesetzt, die habituell bedingte Verweigerung als politisch intendierte Opposition verkannten und, Feindmustern folgend, mit höchster Nervosität auf eigensinniges Verhalten reagierten. Im Gegenzug begannen die von der Repression Betroffenen sich selbst als politisch zu verstehen und politisch zu handeln." Alles in allem: Empirisch gestützte Studien und kluge Einsichten. Warum allerdings die Namen der Akteure durchweg abgekürzt und damit quasi anonymisiert wurden, bleibt eine offene Frage.


Opposition und SED in der Friedlichen Revolution



Opposition und SED in der Friedlichen RevolutionOpposition und SED in der Friedlichen Revolution (© Droste Verlag)
Wesentlich breiter angelegt als die Studien zur DDR-Provinz ist der von Martin Gutzeit, Helge Heidemeyer und Bettina Tüffers herausgegebene Sammelband "Opposition und SED in der Friedlichen Revolution", der den Umbruch des SED-Staates zum Generalthema hat. Es handelt sich um die opulente Ausbeute einer im November 2008 in Berlin abgehaltenen wissenschaftlichen Tagung der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Kooperation mit der Bundesbehörde und dem Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.[1] Obwohl die Tagung bereits drei Jahre zurückliegt, sind die in dem Band wiedergegebenen Referate und Wortmeldungen nach wie vor lesenswert – dank Besetzung mit prominenten Historikern einerseits, Gerhard A. Ritter, Ilko-Sascha Kowalczuk, Wolfgang Schuller, Jens Schöne , um wenigstens einige Namen zu nennen, sowie mit maßgebenden Akteuren und Politikern der dramatischen Zeitläufte 1989/90 andererseits, Markus Meckel zum Beispiel und Martin Gutzeit, Ulrike und Gerd Poppe, Richard Schröder und Lothar de Maizière, die als Protagonisten der Friedlichen Revolution mit ihren Erfahrungsberichten und politischen Erinnerungen Aussagen von bleibendem historischen Erkenntniswert gemacht haben.

Das Buch bietet wesentlich mehr als nur die Organisationsgeschichte der alten und neuen politischen Gruppen 1989/90 – so der Untertitel –, die wiedergegebenen Texte entwerfen ein dichtes Bild des radikalen Wandels im Herbst 1989. Ein besonderer Vorzug der Edition: Die nach jedem Themenschwerpunkt jeweils geführten Podiumsdiskussionen werden ebenfalls ausführlich dokumentiert.

In seiner luziden Einleitung gibt Ritter einen kommentierenden Überblick über die zwölf Referate, die auf der Tagung gehalten wurden. Aus dem hochinformativen Grundsatzreferat, das Kowalczuk über die tiefe Gesellschaftskrise in der DDR am Vorabend der Revolution zur Einführung gehalten hat, hebt er zu Recht als einen Kerngedanken hervor, dass "sich die Jugend, auf die das SED-System seine Hoffnung gesetzt hatte, vom Staat abwandte und immer stärker Vorbilder in der westlichen Jugend- und Musikkultur suchte." Der Referent hat dazu eine Fülle von Beispielen und Belegen beigebracht. Im Übrigen machte seine Analyse verständlich, warum der Untergang des Arbeiter-und-Bauern-Staates nicht aufzuhalten war. Das Regime scheiterte an der eigenen Reformunfähigkeit – eine Diagnose, die Kowalczuk in seinem zweiten, ergänzenden Vortrag über die Reaktionen von SED und MfS auf die Krise untermauert hat. Von dem Unvermögen der Politbürokratie, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu deuten, nahm er nur eine Schlüsselfigur aus: Erich Mielke! Als Minister für Staatssicherheit besaß er als Einziger im Politbüro ein realistisches Bild von der Lage im Land. Politisch hat es nichts genützt.

In den Texten spannt sich der historische Bogen von der Formierung der Opposition in der DDR und die revolutionäre Mobilisierung der Massen bis zum Übergang der Entwicklung zum Zentralen Runden Tisch, seiner Teilung der Macht mit der Regierung Hans Modrow sowie der Neuformierung der alten und neuen Parteien bis zur Volkskammerwahl am 18. März 1990 und deren Tätigkeit in dem ersten und letzten frei gewählten Parlament der DDR. Den Schlusspunkt der Friedlichen Revolution setzte die Herstellung der deutschen Einheit.

Es gleicht einem Panorama der Zeitgeschichte, was auf der Tagung referiert und diskutiert wurde. In dem Sammelband ist es gewissenhaft protokolliert. Abschluss und Höhepunkt zugleich bildete eine auf faszinierend hohem Niveau geführte Podiumsdiskussion über die Bedeutung der Friedlichen Revolution für die politische Kultur des vereinigten Deutschlands, die ebenfalls wortgetreu wiedergegeben wird.. Unter der Moderation von Ilko-Sascha Kowalczuk diskutierten der Bonner Staatsrechtler Josef Isensee, Ulrike Poppe, Gerhard A. Ritter und Richard Schröder.

Ausgehend von dem Goethe-Wort: "Wie sich Verdienst und Glück verketten, das geht dem Toren niemals ein", machte Isensee in seinem Statement bewusst: "Das Verdienst (der Friedlichen Revolution) bleibt und darf nicht bagatellisiert werden. Die linke Sprachregelung, dass es sich um eine bloße 'Wende' gehandelt habe, verkleinert Verdienst und Wirkung. In Wahrheit war es eine echte Revolution, die Deutsche Revolution von1989, zweihundert Jahre nach der Französischen Revolution. Sie hat dem deutschen Namen neuen Glanz gegeben." Ritter hieb in dieselbe Kerbe: "Es ist noch nicht klar in unserem Bewusstsein, dass es sich bei der Entwicklung 1989/91 – ich nehme also die Überwindung der Spaltung Europas und die Auflösung der Sowjetunion hinzu – um eine weltgeschichtliche Zäsur handelt, die an Bedeutung der Französischen Revolution, also der vor zweihundert Jahren, gleichkommt." Das war allgemeiner Konsens im Diskurs.

Der historiografische Ertrag der Berliner Tagung wird in dem hier vorgestellten Sammelband aufgehoben. Das Buch stellt eine Bereicherung der einschlägigen Fachliteratur dar. Unter Tagungsbänden ein Glücksfall.


SED-Diktatur und Erinnerungsarbeit



© Metropol, Berlin.SED-Diktatur und Erinnerungsarbeit (© Metropol Verlag )
Zu den Autoren des Sammelbandes zählt last not least Rainer Eckert, der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig. Sein Thema ist die Geschichte ostdeutscher Parteien und Bewegungen in der Zeit zwischen dem Fall der Berliner Mauer und der Vorbereitung auf die Volkskammerwahl am 18. März 1990. In dieser Rezension erscheint sein Name allerdings aus einem gewichtigeren Grund: Unter dem Titel "SED-Diktatur und Erinnerungsarbeit im vereinten Deutschland" hat der aus Potsdam stammende Historiker, einer der besten Kenner der DDR-Oppositions- und Widerstandsgeschichte, eine beeindruckende Auswahlbibliografie zu Opposition und Widerstand, Repression und politischer Verfolgung unter Walter Ulbricht und Erich Honecker vorgelegt. Die thematische Kombination ist durchaus sinnvoll – das eine ist von dem anderen kaum zu trennen. Viele Oppositionelle und Widerständler wurden unter der Diktatur der SED verfolgt, wie umgekehrt politische Verfolgung neue Opposition, neuen Widerstand provoziert hat. Ihre wechselseitige Bedingtheit steht außer Frage. Insofern ist die doppelte Thematik der Auswahlbibliografie plausibel.

"Die Kraft der historischen Erinnerung lebt von ihrer ständigen Vergegenwärtigung". Das ist die Intention, von der Eckert sich in seiner Arbeit leiten lässt. Die historische Aufarbeitung der zweiten deutschen Diktatur beurteilt er bemerkenswert positiv. "Trotz gelegentlich zu hörender Unkenrufe über den schlechten Zustand der Aufarbeitung deutscher Diktaturgeschichte und Warnungen vor einem durch nichts bewiesenen zunehmenden Einfluss von 'Geschichtsstrukturen' der ehemaligen kommunistischen Geheimpolizei MfS und von 'Kadern' der Staatspartei SED oder prokommunistischer revisionistischer Geschichtsinterpretationen sind wir in der Bundesrepublik in der Auseinandersetzung mit deutscher Diktaturgeschichte so weit vorangekommen wie kein anderes Land mit einer diktatorischen Vorgeschichte." Ein Standpunkt, der durch sein bibliografisches Werk untermauert wird. Es ist nach Sachgebieten in neun Kapitel übersichtlich untergliedert und als Nachschlagewerk gut handhabbar. Dazu trägt letztlich auch ein Register der Autoren und Herausgeber der bibliografisch verzeichneten Arbeiten bei, das nicht weniger als 44 Druckseiten mit mehreren Tausend Namen umfasst.

Lesen sich Bibliografien langweilig? Eckert, der diese Frage in seiner Einleitung selber stellt, ist zuzustimmen, wenn er meint, dass "solche umfassenden Literaturverzeichnisse bei richtigem Lesen ein faszinierendes Hilfsmittel nicht nur zur Ermittlung von Forschungsliteratur, sondern auch zur Analyse von Forschungstrends und Schwerpunkten, zur Ermittlung der wichtigsten Autoren, Zeitschriften, Verlage und Forschungseinrichtungen sind." Wer sich in die Lektüre des Buches vertieft, macht manch vielsagende Entdeckung – etwa die, dass von den zu seiner Thematik registrierten Publikationen relativ wenige an Hochschulen und Universitäten erarbeitet wurden. Es ist mithin nicht ihr Verdienst, wenn die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Themen Opposition, Widerstand und Repression in der DDR in den vergangenen zwei Jahrzehnten weit vorangeschritten ist. Einen überzeugenden Beweis für diese Feststellung, auf die auch Rainer Eppelmann in einem Geleitwort aufmerksam macht, erbringt indes der Autor selber mit der von ihm erarbeiteten Bestandsaufnahme. Ein imponierendes Kompendium – ein Wissensspeicher, gleichermaßen nützlich für Forschung und Lehre an Hochschulen und Universitäten, für das Wirken in der politischen Bildungsarbeit und im Geschichtsunterricht an allgemein bildenden Schulen und für die Arbeit in den Medien.


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Fußnoten

1.
Vgl. den Tagungsbericht von Marc-Dietrich Ohse, Opposition und SED in der Friedlichen Revolution, in: DA 42 (2009) 1, S. 134–137.

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