Beleuchteter Reichstag

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2.2.2012 | Von:
Anne Barnert

"Besuche von drüben"

Ost-West-Begegnungen im DDR-Spielfilm der 1970er- und 80er-Jahre

Die von Feindbildern über Westdeutschland geprägten Erzählungen des DDR-Spielfilms standen in erstaunlichem Kontrast zur Importpolitik des offiziellen Filmhandels: In den 1970er- und 80er-Jahren überquerten westdeutsche Unterhaltungsfilme die innerdeutsche Grenze, die beim Publikum weit erfolgreicher waren als eigene Filmproduktionen.

Klagen

Plakat zum Film "Schaut auf diese Stadt" (1962) von Karl Gass.Plakat zum Film "Schaut auf diese Stadt" (1962) von Karl Gass. (© DEFA-Stiftung, Progress Filmverleih)
Die Klagen der DDR-Führung über mediale Beeinflussungen der Bevölkerung durch die Westmedien sind bekannt. Weniger bekannt ist, dass die DDR jährlich mehrere Millionen Valutamark einsetzte, um in ihren Kinos Spielfilme aus der Bundesrepublik zeigen zu können. Zudem stellt es einen bemerkenswerten Kontrast dar, dass westdeutsche Filme in den offiziellen Analysen als wesentlicher Bestandteil des Kino-Spielplans eingeschätzt wurden, während die Übernahme von Filmen sozialistischer Länder zunehmend als "unzumutbar" qualifiziert wurde.[1] Westdeutsche Unterhaltungsfilme waren in den 1970er-, vor allem aber in den 80er-Jahren bei DDR-Publikum und filmverantwortlichen Funktionären gleichermaßen erfolgreich. Ihre Präsenz führte zu Begegnungen des Ostens mit dem Westen, die nicht ohne Folgen blieben.[2] Bei der DEFA, der DDR-eigenen Spielfilmproduktion, wurden währenddessen "Ost-West-Begegnungen" und das "Jenseits der Grenze" in hergebracht stereotyper Weise abgehandelt: Das DDR-Kino entwarf vom "Drüben" Szenarien der Bedrohung oder auch der Lächerlichkeit.
Auf diesen beiden Ebenen – auf der des Filmhandels und auf der innerfilmischer Vorstellungswelten – soll im Folgenden über Film-"Besuche von drüben" gesprochen werden. Zunächst wird auf die innerfilmische Dimension eingegangen, anschließend auf die Importpolitik des DEFA Außenhandels und auf deren Auswirkungen.


Fußnoten

1.
Zur Situation bei der Übernahme ausländischer Filme für den Spielplan unserer Filmtheater, 1988, BArch, DR 1/4717, S. 5.
2.
Dies gilt auch für die westdeutschen Fernsehprogramme, die nicht Thema dieses Aufsatzes sind.

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