Dossierbild Geschichte im Fluss

10.5.2012 | Von:
Felix Ackermann

Palimpsest an der Memel

Chronologie

1128: Erste Erwähnung von Grodno als Burg im Fürstentum Polozk.

1391: Der litauische Großfürst Vytautas verleiht Grodno die Stadtrechte.

1569: Mit der Gründung der polnisch-litauischen Adelsrepublik gewinnt die Stadt an Bedeutung. Jeder dritte Sitzung des Sejm, des Parlamentes, findet in der Memelstadt statt.

18. Jahrhundert: Reformen und Bau zahlreicher Wohnungen durch Antoni Tyzenhaus.

1793: Zweite Teilung Polen-Litauens auf dem Sejm in Grodno.

1795: Dritte und letzte Teilung, Grodno wird russisch.

1862: Bau der Warschau-Sankt Petersburger Eisenbahn, an die auch Grodno angeschlossen wird.

1887: Die Grodnoer Schriftstellerin Eliza Orzeszkowa veröffentlicht ihren großen Roman Nad Niemnem (An der Memel).

1915-1919: Grodno gehört während des Ersten Weltkriegs zum Gebiet Ober Ost.

1919-1939: Grodno ist ein wichtiges Zentrum der neu gegründeten polnischen Republik. Die Mehrheit der Bewohner sind Polen und Juden.

1939: Einmarsch der Roten Armee.

1941: Einmarsch der Wehrmacht. Vernichtung des jiddischen Grodno. Anschluss der Stadt an das Deutsche Reich.

1944: Grodno wird sowjetisch.

1961: Die Pfarrkirche wird auf Veranlassung der Sowjetbehörden gesprengt, um den Marktplatz zu erweitern.

1991: Auflösung der Sowjetunion. Grodno wird weißrussisch. Bis heute lebt eine große polnische Minderheit in der Stadt, die von den Behörden teilweise in die Illegalität getrieben wird.


Zum Weiterlesen

Die Memel

  • Uwe Rada: Die Memel. Kulturgeschichte eines europäischen Stromes. Siedler Verlag (2010). Ein Buch, das einen vergessenen Strom im östlichen Mitteleuropa wieder zum Leben erweckt. "Uwe Rada rehabilitiert die Memel als Zukunftsort eines Europas der Völker – nicht der Nationen." (Der Tagesspiegel)

  • Ulla Lachauer: Paradiesstraße. Rowohlt Verlag (2007). Ein wunderbares Porträt der ostpreußischen Bäuerin Lena Grigoleit und mit ihr des Memellandes. "Wer diese Seiten liest, hat eine andere Welt kennengelernt." (Die Zeit)

  • Ulla Lachauer: Die Brücke von Tilsit. Begegnungen mit Preußens Osten und Russlands Westen. Rowohlt (1995). Mit diesem Reiseessay wurde Lachauer zur Pionierin der Wiederentdeckung des ehemaligen Ostpreußen.

  • Martin Rosswog/Ulla Lachauer: Menschen an der Memel. Edition Braus (2009). Einfühlsame Porträts von Menschen im Memelland durch die Autorin Ulla Lachauer und den Fotografen Martin Rosswog.

  • Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Pantheon Verlag (2007). Kossert beschreibt Ostpreußen als multikulturelles Grenzland zwischen Polen, Deutschen und Litauern. "Kossert wirft einen ganz neuen und für viele überraschenden Blick auf das Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen." (Die Zeit)

  • Ruth Leiserowitz: Sabbatleuchter und Kriegerverein. Juden in der ostpreußisch-litauischen Grenzregion 1812-1942. Fibre Verlag (2010). Die Autorin, bekannt über ihre Studien zu Ostpreußen und den Wolfskindern, berichtet über den Beginn und das Ende jüdischen Lebens im Memelland.