Dossierbild Geschichte im Fluss

14.5.2012 | Von:
Bogdan Twardochleb

Ein Fluss auf der Suche nach sich selbst

Chronologie

2. Jahrhundert: Der Geograf Ptolemäus gibt der Oder den lateinischen Namen Viadrus

966: Der polnische Herzog Mieszko I. nimmt den christlichen Glauben an.

1000: Gründung des Erzbistums Gnesen. Polen ist ein souveräner Staat.

1137: Nach dem "Glatzer Pfingstfrieden" wird Schlesien polnisch.

1163: Gründungsurkunde des Klosters Leubus. Deutsche Siedler kommen nach Schlesien.

1335: Schlesien wird böhmisch.

1506: Einweihung der Viadrina in Frankfurt (Oder) als brandenburgische Landesuniversität.

1526: Böhmen und mit ihm Schlesien werden österreichisch. Beginn der Gegenreformation.

1605-1620: Bau des ersten Finowkanals als Verbindung zwischen Havel und Oder.

1740: Friedrich II. wird König. Nach dem ersten Schlesischen Krieg ist nahezu der gesamte Oderraum in preußischer Hand.

1746-1753: Trockenlegung des Oderbruchs durch den Bau eines neuen Kanals zwischen Güstebiese und Hohensaaten.

1772: Erste Teilung Polens.

1795: Nach der dritten Teilung verschwindet Polen von der europäischen Landkarte.

1811: Verlagerung der Viadrina von Frankfurt nach Breslau.

Ab 1819: Regulierung des Oderstroms, vor allem durch den Bau von Buhnen.

1874: Gründung der Oderstrombauverwaltung des Deutschen Reiches mit Sitz in Breslau.

1890-1933: Regulierung der oberen Oder zwischen Cosel und Dyhernfurth: 26 Staustufen werden gebaut. Zwischen Dyhernfurth und Hohensaaten bleibt die Oder freifließend.

1905-1923: Ausbau des Großschifffahrtswegs Berlin-Stettin.

1918: Polen kehrt als souveräner Staat auf die europäische Landkarte zurück. Oderstädte wie Frankfurt oder Breslau werden zu "Bollwerken" gegen das Slawentum erklärt.

1939: Deutscher Überfall auf Polen. Beginn der Vertreibungen polnischer Bürger aus dem so genannten Warthegau ins "Generalgouvernement".

1945: Auf der Potsdamer Konferenz wird die Westverschiebung der polnischen Grenzen beschlossen. Oder und Lausitzer Neiße werden Grenzflüsse.

1944-1947: Vertreibung deutscher Bürger aus den ehemals deutschen Gebieten und polnischer Bürger aus den Regionen, die nun zur Sowjetunion gehören.

1950: Die DDR erkennt die Oder-Neiße-Grenze an.

1970: Warschauer Verträge zwischen der Bundesrepublik und der Volksrepublik Polen.

1972-1980: Öffnung der Grenze zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen. Erste Begegnungen zwischen ehemaligen deutschen und polnischen Vertriebenen östlich der Oder.

1990: Endgültige Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.

2004: Beitritt Polens zur Europäischen Union

2007: Wegfall der Grenzkontrollen durch Polens Beitritt zum Schengen-Verbund.



Zum Weiterlesen

Die Oder

  • Uwe Rada: Die Oder. Lebenslauf eines Flusses. Siedler Verlag (2009). Die erste Biografie des Stromes, der Deutsche und Polen verbindet und nicht mehr trennt. "Dieses Buch ist längst fällig gewesen" (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

  • Karl Schlögel/Beata Halicka (Hg.): Oder-Odra. Blicke auf einen europäischen Strom. Peter Lang Verlag (2007). Autoren aus Tschechien, Polen und Deutschland über die Rekonstruktion des Kulturraums Oder. "Das Buch ist mehr als nur ein Konferenzband." (Inter Finitimos)

  • Wolfgang Tschechne: Große Oder, großer Strom. Bergstadt Verlag Wilhelm Gottlieb Korn (2006). Eine Reise entlang des Stroms von der Quelle bis zur Mündung.

  • Institut für angewandte Geschichte (Hg.): Terra Transoderana. Zwischen Neumark und Ziemia Lubuska. Bebra Verlag (2008). Ein Almanach zu einer Brückenregion, deren Geschichte wieder entdeckt wird. "Und der Reiz dieses Buches nun liegt auch darin, die Widersprüchlichkeit aufzuzeigen und nach Wegen zu suchen, um zwei zumeist getrennt bestehenden Perspektiven zu verbinden." (Kulturradio)