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Dossierbild Geschichte im Fluss

14.5.2012 | Von:
Monika Stefanek

Mit alten Flößen in die Zukunft

Die Oder den Touristen

Seit dem ersten Flis Odrzański hat sich auch in Bytom Odrzański (Beuthen an der Oder) vieles verändert. Bürgermeister Jacek Sauter gibt offen zu: "Die Beschwerden der Flößer über mangelnde Wasserinfrastruktur haben dazu geführt, dass wir tätig geworden sind." Heute stehen in Bytom ein 120 Meter langer Kai und eine Wasseranlegestelle zur Verfügung.

Der Brief der Flößer sollte den Verantwortlichen auch verdeutlichen, dass die Zukunft der Oder auch ihre gemeinsame Zukunft ist – ganz egal, ob man in einer Stadt mit großem Hafen lebt oder in einem kleinem Dorf. Auch, von welcher Seite der Oder man stammt, spielte keine Rolle. Das ist den Initiatoren des Flis Odrzański besonders wichtig. Seit Jahren laden sie auch ausländische Teilnehmer zur gemeinsamen Floßfahrt ein, unter ihnen Jugendliche aus der Slowakei und Tschechien. Und natürlich aus Deutschland. "Das ist eine wunderbare Gelegenheit zur Integration," freut sich Elżbieta Marszałek. "Gemeinsam können wir etwas Gutes für die Oder tun und uns vor allem näher kennen lernen. Solche Gelegenheiten gibt es nicht jeden Tag."

Polnisch-deutsche Kooperation

Trotz der vielen Bemühungen ist das wassertouristische Potenzial der Oder noch lange nicht ausgeschöpft. Doch langsam ändert sich das, auch dank der Zusammenarbeit der Organisatoren der Oder-Floßfahrt mit den deutschen Gemeinden. Die Kunde von der jährlichen Fahrt hat sich auch am deutschen Ufer verbreitet. Immer mehr Teilnehmer kommen aus dem Nachbarland, so wie eine Gruppe Skipper, die sich der 16. Oder-Floßfahrt angeschlossen hat. Organisiert wurde das deutsch-polnische Treffen von Skippern aus Nowa Sól und Eisenhüttenstadt.

Zwar legte die Gruppe nur einen kleinen Teil der gesamten Strecke mit dem Flis zurück. Doch das hat gereicht, um sich kennenzulernen und vor allem, um gemeinsame Pläne zu schmieden. So ist die Idee entstanden, einen deutsch-polnischen Oderführer herauszugeben, in dem touristischen Sehenswürdigkeiten, Anlegestellen und Marinas zwischen Bytom Odrzański und Eisenhüttenstadt beschrieben werden. Die Publikation soll bald fertig sein und mit einer Auflage von 500 Exemplaren auf Polnisch und Deutsch erscheinen.

Dass die Oder eine Fahrt wert ist, weiß auch Ireneusz Kiryk. Als Stellvertreter des Oderforstrates im Forstamt Gryfino (Greifenhagen), war er von Anfang an bei der Floßfahrt dabei und nahm auch am Bau der Flöße teil. "Unvergesslich", beschreibt Kiryk seine Eindrücke von der Floßfahrt. "Ich kann mich nur freuen, dass sich die Städte entlang der Oder langsam dem Fluss zuwenden und die Probleme der Oder wahrnehmen. So können immer mehr Leute den Fluss entdecken."


Zum Weiterlesen

Die Oder

  • Uwe Rada: Die Oder. Lebenslauf eines Flusses. Siedler Verlag (2009). Die erste Biografie des Stromes, der Deutsche und Polen verbindet und nicht mehr trennt. "Dieses Buch ist längst fällig gewesen" (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

  • Karl Schlögel/Beata Halicka (Hg.): Oder-Odra. Blicke auf einen europäischen Strom. Peter Lang Verlag (2007). Autoren aus Tschechien, Polen und Deutschland über die Rekonstruktion des Kulturraums Oder. "Das Buch ist mehr als nur ein Konferenzband." (Inter Finitimos)

  • Wolfgang Tschechne: Große Oder, großer Strom. Bergstadt Verlag Wilhelm Gottlieb Korn (2006). Eine Reise entlang des Stroms von der Quelle bis zur Mündung.

  • Institut für angewandte Geschichte (Hg.): Terra Transoderana. Zwischen Neumark und Ziemia Lubuska. Bebra Verlag (2008). Ein Almanach zu einer Brückenregion, deren Geschichte wieder entdeckt wird. "Und der Reiz dieses Buches nun liegt auch darin, die Widersprüchlichkeit aufzuzeigen und nach Wegen zu suchen, um zwei zumeist getrennt bestehenden Perspektiven zu verbinden." (Kulturradio)