Oktoberrevolution

Bilder der "Februarrevolution"

8.3.2017
Fotografische Zeitzeugnisse aus dem Frühjahr 1917 zu Beginn der "Februarrevolution".

Zar Nikolaus II beim Segnen russischer Truppen 1915Ausgangspunkt der Oktoberrevolution ist der wachsende Zorn auf den russischen Zar Nikolaus II. Er regierte vom 1. November 1894 bis zu seiner Abdankung am 15. März 1917 in Zuge der Februarrevolution. Sein offizieller Titel lautete Zar Nikolaus II., Kaiser und Autokrat aller Russen. Er war zugleich oberster Befehlshaber der Armee, hier 1915 bei der Segnung seinen Truppen. Für soziale und demokratische Reformen zeigte er sich kaum zugänglich. Bereits im Januar 1905, als es zu einem Sternmarsch aus den Vororten Sankt Petersburgs zu seiner Residenz, dem Winterpalast kam, um friedlich für menschenwürdigere Arbeitsbedingungen in der Industrie, für ein Parlament, Agrarreformen, die Abschaffung der Zensur und für religiöse Toleranz zu demonstrieren, ließ er Soldaten auf die Menschenmenge schießen. Die Zahl der Todesopfer lag unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 130 und 1000. Ein anhaltender Generalstreik war die Folge des sogenannten Blutsonntags und zwang ihn zu Zugeständnissen, dazu zählten Grundrechte und die Einrichtung einer gesetzgebenden Volksvertretung, der Duma. Sie blieb aber weitgehend machtlos und wurde von Nikolaus II mehrmals wieder aufgelöst. So hielten die politischen Spannungen an. (© picture alliance)

Schlachtfeld des 1. Weltkriegs mit zahlreichen getöteten russischen Soldaten.Im Verlauf des Ersten Weltkriegs (1914-1918) steigerte sich die Unzufriedenheit mit dem Zaren und seinem verkrusteten Machtsystem. Mehr als 1,7 Millionen russische Soldaten verloren im Lauf des Krieges ihr Leben, rund 5 Millionen wurden verwundet, zahlreiche Soldaten desertierten und weigerten sich unter dem Befehl des autokratisch regierenden Zaren zu kämpfen. Anhaltende politischen und sozialen Unruhen waren die Folge, verstärkt durch Hungersnöte auf dem Land, wo über 80 Prozent der russischen Bevölkerung lebten. Zahlreiche politische Kritiker des Zaren flohen indessen vor der Verfolgung durch die zaristische Geheimpolizei ins Ausland, viele davon in die Schweiz, darunter überzeugte Anarchisten und Sozialisten wie Bakunin, Kropotkin, Plechanow oder Lenin. (© picture-alliance)

Demonstrantinnen in Petrograd am 23. Februar 1917 (nach julianischem Kalender)Durch den 1. Weltkrieg verschlechterte sich die Versorgungslage der russischen Bevölkerung drastisch, so dass Hungerrevolten, Streiks und Plünderungen zur Tagesordnung gehörten. Im Februar 1917 spitzte sich die Lage zu und ganze Regimenter desertierter zaristischer Soldaten schlossen sich den Demonstrationen gegen den Krieg und die schlechte Versorgung an. Tonangebend wurden nach tagelangen Protestaktionen am 23. Februar (nach julianischem Kalender), bzw. dem Weltfrauentag am 8. März (nach gregorianischem Kalender) aber vor allem Soldatenmütter und Arbeiterinnen aus russischen Rüstungsbetrieben. Das Foto vom 23.2. zeigt Arbeiterinnen aus den Putilow-Werken in Petrograd, einer der größten russischen Rüstungsfabriken für Heer und Marine, die auf ihren Transparenten eine gerechte Lebensmittelverteilung für die Familien von Soldaten forderten und eine ausreichende Versorgung der Kinder. (© wikimedia-commons / State museum of political history of Russia)

Soldaten auf einem LKW in Petrograd im März 1917Zar Nikolaus II befahl aber am Folgetag, solche Proteste zu "liquidieren". In einem ersten Einsatz eines Garderegiments starben etwa 60 Aufständische. Daraufhin verweigerten zahlreiche Einheiten den Befehl und wechselten die Seite. Kosaken, die der Petrograder Stadtkommandant zur Entwaffnung der Aufständischen geschickt hatte, verweigerten den Befehl und nahmen stattdessen angeblich rote Nelken entgegen, die man ihnen überreichte, sie wurden später zu einem Symbol der Revolution. Als in den Folgetagen die Unruhen auch auf Moskau und andere Städte übergriffen, wurde die die Situation für den Zaren immer aussichtsloser. Am 1. März nach julianischem, bzw. 14. März nach gregorianischem Kalender wurde er vom Duma-Präsidenten und seinem Staabschef erstmals zum Abdanken aufgefordert, was am Folgetag zugunsten seines Bruders, des Großfürsten Michail, geschah. Auch der neue Zar unterzeichnete auf energischen Druck aus der Duma nur einen Tag später seine Abdankungsurkunde verknüpft mit einem Aufruf, sich der Provisorischen Regierung unterzuordnen. Damit endeten das Zarenreich und die 300-jährige Herrschaft der Romanow-Dynastie. Und ein Machtkampf mit erheblichen Folgen begann. (© picture alliance)

Zar Nikolaus II unter Hausarrest beim Schneeschaufeln mit seinem SohnZar Nikolaus II. kam in den Folgetagen unter Hausarrest. Das Foto aus dem Frühjahr 1917 zeigt ihn und seinen Sohn Alexei beim Schneeschaufeln im Garten des Alexanderpalastes in Puschkin, etwa 25 Kilometer südlich von Petrograd. Dort musste er zunächst kaum Einschränkungen hinzunehmen bis ihn im August 1917 Alexander Kerenski als neuer starker Mann der provisorischen Regierung erklärte, die Familie sei in Zarskoje Selo nicht mehr sicher. Zunächst wurde die Familie in den Ural verbracht und im Sitz des Gouverneurs in Tobolsk einquartiert. Auch Exilpläne wurden erwogen. Nach dem Sieg der Bolschewiki in der Oktoberrevolution 1917 änderte sich die Situation für den ehemaligen Zaren nochmals grundlegend. Nikolaus und seine Familie galten von nun an als Gefangene. Im Frühjahr 1918 verbrachte man sie nach Jekaterinburg, wo sie in der Villa Ipatjew interniert wurden. Dort wurde die Zarenfamilie am 17. Juli 1918 mit Billigung der bolschewistischen Partei- und Staatsführung von den sie bewachenden Soldaten erschossen. (© picture alliance / IMAGNO)

Demonstranten auf den Straßen Petrograds 1917Nach der Entmachtung der Zaren übernahm eine sogenannte "Provisorischen Regierung" die Führung des Landes, die im Flügelkampf sozialrevolutionärer Bewegungen mehrfach wechselte. Die tonangebenden politischen Strömungen waren seinerzeit die sogenannten Menschewiki als Gruppe marxistischer Sozialdemokraten, die bei der Spaltung der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (RSDRP) im Jahr 1903 in einer Kampfabstimmung zur Minderheit (mensche = weniger) wurden. Ihr Counterpart waren die Bolschewiki (von russ. "bolsche" = mehr; etwa = Mehrheitler), die unter Führung Lenins trickreich die Mehrheit errungen hatten. Die Menschenwiki widersetzten sich dem straffen Zentralismus, den die Bolschewiki unter Lenin anstrebten und vertraten demokratischere Prinzipien. Nach der Februarrevolution gehörten sie sowohl der Provisorischen Regierung als auch den Sowjets an. Nach dem Sieg der Bolschewiki im Oktober 1917 wurden sie ausgeschaltet. Das Bild zeigt Arbeiter und Soldaten der sogenanten Bolschewiki bei einer Demonstration am 18. Juni 1917 in Petrograd, dem heutigen St. Petersburg, sie fordern ein Ende des Krieges, Freiheit und eine Sowjetrepublik. (© picture-alliance / dpa)

Lenins Ausweis 1917 in der Zeit, als er sich vor der "Provisorischen Regierung" unter Kerensky versteckt hielt.Der Ausweis des späteren Revolutionsführers Wladimir Iljitsch Uljanow bzw. Lenin 1917 in der Zeit, als er sich vor der "Provisorischen Regierung" unter dem sozialdemokratisch orientierten Revolutionär Alexander Kerenski versteckt hielt. Lenin als Anfüher der kommunistisch ausgerichteten Bolschewiki hatte die Intensität und Wirkung des russischen Volksaufstands gegen den Zaren in seinem Schweizer Exil überrascht. Mit Unterstützung vom deutschen Außenministerium gelang er im April 1917 mit 400 weiteren russischen Emigranten in Sonderwagen der Eisenbahn über Sassnitz zurück nach Russland. In Petrograd propagierte er die sozialistische Revolution zur Machtergreifung der Arbeiter, Bauern und Soldaten und forderte in seinen Aprilthesen den Sturz der von ihm als kapitalistisch denunzierten "Provisorischen Regierung". Doch dazu kommen sollte es erst im November (bzw. Oktober) 1917 - mit weitreichenden Folgen. (© picture-alliance)

Petersburg, Winterpalais, OktoberrevolutionBis zur Machtübernahme durch die Bolschewiki sollten ab März noch sieben Russland und Europa aufwühlende Monate vergehen. Der "Sturm" bolschewikischer Rotgardisten und Matrosen auf den Petersburger Winterpalast in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1917 als vermeintlicher Höhepunkt der Oktoberrevolution verlief allerdings nicht so dramatisch, wie Jahre später mit zahlreichen Komparsen nachgestellt und 1927 im Film "Oktober" von Sergej Eisenstein gezeigt. Der Palast wurde nahezu kampflos übergeben, da kaum noch Kräfte zu seiner Verteidigung zur Verfügung standen. Die provisorische Regierung unter Vorsitz des parteilosen Außenministers Michail Terestschenko wartete im zweiten Stock apathisch auf ihre Verhaftung, Alexander Kerenski war zuvor aufgebrochen, Verstärkung zu organisieren. Am nächsten Morgen wurde von den Aufständischen die Nachricht verbreitet: „Die staatliche Gewalt ist in die Hände des Organs des Petrograder Sowjets der Arbeiter und Soldaten gefallen.“ Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Wikimedia Commons)

Mehr über die Februarrevolution. Mehr Fotos vom Sturz des Zaren (NZZ vom 15.3.2017)

Hier finden Sie Hinweise auf aktuelle Filmdokumentationen von ARTE, ARD, ZDF und Wikimedia über die Oktoberrevolution 1917.



 
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