Presseschau: Pegida

22.1.2015
Die Pegida-Bewegung erhält immer mehr Zulauf - vor allem in Dresden. Die Politik streitet indes über den richtigen Umgang mit der Gruppe. Radikalisiert Pegida Deutschland? Muss die Politik lernen, die Menschen wieder zu erreichen? Meinungen aus der Presse.

Pegida-Demonstration am 15.12.2014 in Dresden. Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) haben zu ihrer neunten Demonstration in Folge in Sachsens Landeshauptstadt aufgerufen.Pegida-Demonstration am 15.12.2014 in Dresden. Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) haben zu ihrer neunten Demonstration in Folge in Sachsens Landeshauptstadt aufgerufen. (© picture-alliance)

"Pegida und die Tea Party"



Eva C. Schweitzer entdeckt "erstaunliche Parallelen" zwischen der deutschen Pegida- und der us-amerikanischen Tea Party-Bewegung. "Hier schreit man 'Lügenpresse', dort 'Mainstream Media'. Hier sorgen sich die Islamfeinde um das christliche Abendland, dort um die Verfassung: Zwischen Pegida und der US-amerikanischen Tea Party gibt es erstaunliche Parallelen." (Cicero vom 26.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5mp«

Pegida bleibt vage und ohne echten Einfluss



In Dresden sind am Sonntag rund 17.000 Pegida-Anhänger auf die Straßen gegangen, das sind weniger als vor zwei Wochen. So lange Pegida ihre Ziele und Inhalte nicht klar definiert, bleibt die Bewegung politisch ohne Einfluss, meint die christlich-soziale Tageszeitung Trouw: "Pegida will ein seriöser Gesprächspartner der Politik sein. Das Problem bleibt aber, dass Pegida zwar auf organisatorischer Ebene aufräumt, aber inhaltlich und strategisch vage bleibt und unklar über Forderungen und Ziele. ... Die Medien und die etablierten Parteien werden nicht mehr von vornherein verteufelt. Pegida sucht vor allem Annäherung zur euroskeptischen AfD. Das sind Zeichen, dass die Bewegung selbst auch den Dialog will. Aber inhaltlich ist nur bekannt, dass Pegida gegen die Islamisierung ist. Was das etwa für die Millionen Muslime bedeuten soll, die seit Generationen in Deutschland wohnen, ist unklar. Pegida muss deutlicher werden, wenn die Bewegung ernst genommen werden will." (Trouw vom 26. Januar 2015)

"Die Attentate haben niemanden überrascht"



Martin Oehlen und Frank Olbert im Gespräch mit "Unterwerfung"-Autor Michel Houellebecq. "'Unterwerfung'-Autor Michel Houellebecq äußert sich im ausführlichen Interview über sein Werk. Die Demokratie hält er für gescheitert, die Anschläge von Paris kämen alles andere als unerwartet. Eine Pegida-Bewegung in Frankreich sei ausgeschlossen." (Berliner Zeitung vom 23.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5lu«

"Wir sind keine Politikberater für Pegida"



Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, erläutert - mit Blick auf die Vorgehensweise seines Dresdner Kollegen - im Gespräch mit dem Cicero-Magazin die Grenzen der Aufgaben seiner Institution, die nicht nur für die Bundeszentrale, sondern auch für die Landeszentralen Geltung hätten. "Wenn sie Pegida eine Bühne schafft, stellt sich schon die Frage, inwiefern die Landeszentrale ein vergleichbares Angebot an Pro Asyl unterbreitet. Bisher habe ich da nichts vernommen. Von staatlicher politischer Bildung muss man verlangen, dass sie die Pluralität einer Gesellschaft deutlich macht. Dass keine Propaganda stattfindet. Für eine Urteilsbildung brauche ich die kontroversen Positionen." (Cicero vom 20.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5kl«

"Demoverbot - eine falsche Entscheidung?"



Wolfgang Dick verweist mit Blick auf die Dresdner Demonstrationsverbote auf ähnliche Verbote in der Vergangenheit mit dem Hinweis der Gefährdung der Öffentlichen Sicherheit. "Es war im Jahr 2002. Der damalige US-Präsident George W. Bush sollte eine Rede im Bundestag halten. Auf dem Gelände davor wollten Bush-Kritiker demonstrieren, darunter auch Vertreter der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Die Sicherheitsbehörden rechneten damals mit Anschlägen auf Bush - möglich seien Attentatsversuche von Heckenschützen, durch Bomben oder gar Selbstmordattentäter. Darum wurde die geplante Demonstration untersagt. Das Berliner Verwaltungsgericht musste sich mit der darauffolgenden Kritik befassen. Es gestand zwar zu, dass es sich um einen 'erheblichen Eingriff in das Grundrecht' handele, doch angesichts der Gefahr für Leib und Leben des US-Präsidenten sei das Verbot zumutbar. Selbst die nächst höhere Instanz, das Oberverwaltungsgericht, sah dies so und argumentierte, dass sich ein Attentäter jederzeit unter die Versammlungsteilnehmer hätte mischen können - mit unabsehbaren Folgen für alle Demonstranten." (Deutsche Welle vom 19.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5jq«

"Panik total"



Mit der Einschränkung des Grundrechts auf Demonstrationsfreiheit beginne der "Sieg des Terrors über die Freiheit", schreibt Martin Kaul in der Tageszeitung. "Angesichts des Pauschalverbots sämtlicher Demonstrationen in Dresden ist nun genau das Gegenteil gefragt: Nichts sollten wir glauben, alles hinterfragen. Wenn die Maßnahme durchgeht, die Dresdens Polizeipräsident mit seiner politischen Ausgangssperre verhängt hat, hat der Siegeszug des fundamentalistischen Terrorismus in seinem Kampf gegen die Freiheitsrechte bereits begonnen. Mittäter: all jene, die sich von unverhältnismäßigen Horrorszenarien vorschreiben lassen, was sie laut und leise zu sagen haben." (Tageszeitung vom 19.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5jr«

"Unglückliche Entscheidung"



Hans Leyendecker und Georg Mascolo gehen der Frage nach, wie es zu dem Demonstrationsverbot in Dresden gekommen ist. "Niemand stellte die Frage offen, aber ein bisschen Unverständnis gibt es hie und da nach Recherchen von SZ, WDR und NDR schon. 'Sachsen hat das ein bisschen hochgejazzt', ist aus Berliner Regierungskreisen zu hören. 'Auf dieser Grundlage sagt man keine Demonstration ab', meint ein hochrangiger Sicherheitsbeamter. 'Das ist eine unglückliche Entscheidung.' Man begebe sich in die Hände von Dschihadisten, wenn man sich von denen treiben lasse. Niemand in der Telefonrunde aber kritisierte die Entscheidung der Sachsen. Es kann jeden treffen, und einfach sind solche Beschlüsse nicht." (Die Süddeutsche Zeitung vom 19.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5js«

"Germany’s anti-Islamic movement Pegida is a vampire we must slay"



Der britische Historiker und Kolumnist Timothy Garton Ash fordert, den Pegida-Protesten in Deutschland entgegen zu treten, bevor eine gefährliche und gewalttätige Spirale der Fremdenfeindlichkeit entstehen könne. "There is a real and present danger of a downward spiral in which radicalised minorities, Muslim and anti-Muslim, will drag anxious majorities, non-Muslim and Muslim, in the wrong direction. Only a conscious, everyday effort by each one of us will prevent it." (The Guardian vom 18.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5j7«

"Are Germany's anti-Islam marches really about Islam?"



Sara Miller Llana schreibt in ihrer Analyse der Pegida-Demonstrationen in Dresden, dass die Proteste das Resultat einer wachsenden Unzufriedenheit mit der Einwanderungspolitik, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Europapolitik seien. "The vast majority, says Werner Patzelt, a political science professor at Dresden’s Technical University, are just regular, angry citizens who want to protest their frustration. And in Pegida, they’ve finally found a voice to say things that have long been taboo in post-war Germany." (The Christian Science Monitor vom 18.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5j8«

"Die Revolte der Demokratieverdrossenen"



"PEGIDA zeigt eine Verschiebung in der deutschen Protestkultur und stellt die Demokratie vor neue Herausforderungen", schreibt Simon Teune in seiner Analyse für das Institut für Protest- und Bewegungsforschung. "Die medial verstärkte Melange von Ressentiments gegen Minderheiten und einer verallgemeinerten Kritik an Demokratie und Medien, die sich bei den PEGIDA-Protesten beobachten lässt, ist eine fulminante Herausforderung für die demokratische Kultur der Bundesrepublik. Parteien, Religionsgemeinschaften und Verbände, Medien und menschrechtsorientierte Initiativen aus der Zivilgesellschaft müssen einen Umgang mit diesen Artikulationen finden, der die Vorurteile nicht bestätigt, sondern Irritationen schafft. Andernfalls drohen die weit verbreitete Neigung zu einer autoritären Option und die Infragestellung der unteilbaren Menschenrechte zu einer dauerhaften politischen Bewegung zu werden, in der die Nische der extremen Rechten zum Mainstream wird." (Verein für Protest- und Bewegungsforschung vom 17.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5jk«

"Pegida-Anhänger können sich als Märtyrer feiern"



Weil in Dresden ein Demonstrationsverbot gilt, wollen Anhänger und Gegner von Pegida am heutigen Montag in anderen Städten auf die Straße gehen. Die linke Tageszeitung taz vermutet, dass die Absage der Demonstration in Dresden nicht das Ende von Pegida ist: "Vielmehr können sich die Pegida-Organisatoren nun als Märtyrer der Meinungsfreiheit stilisieren, die von islamistischen Terroristen dazu gezwungen worden sind, das Recht auf eine freie Demonstration aufzugeben. Wer immer der Urheber der Bedrohung ist - er oder sie hat den Gegnern einer bunten Republik einen großen Gefallen getan. Ob das Verbot aller Demonstrationen in Dresden durch die Polizei, das der Absage folgte, berechtigt ist oder nicht, das kann kein Kommentator beantworten. ... [Das Verbot ist] ein Eingriff in Grundrechte, für die es sehr gute Gründe geben muss. Deshalb ist es mehr als angebracht, die Gründe dafür der Öffentlichkeit vorzulegen." (taz - Deutschland vom 19.01.2015) www.taz.de

"Teufelskreis der Radikalisierung durchbrechen"



Angesichts der Drohungen mutmaßlicher Terroristen gegen die Dresdner Pegida-Demonstration warnt Timothy Garton Ash in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica vor weiterer Radikalisierung: "Rechtsradikale Anhänger ausländer- und einwanderungsfeindlicher Bewegungen versuchen heute überall, nicht nur in Deutschland, Stimmen zu gewinnen. Der Fall Dresden ist zum Glück untypisch für Deutschland in seiner Gesamtheit. Doch alle rechtsradikalen Parteien, von Ukip bis zum Front National, beabsichtigen, die Spannung weiter zu schüren. Dies wird wiederum zu einer weiteren Radikalisierung der Minderheiten führen, wenn wir nicht aufpassen. Wie können wir diesen Teufelskreis durchbrechen? Traditionell haben die europäischen Mitte-rechts-Parteien, wie die CDU und die britischen Konservativen, nach rechts gelenkt, um einen bestimmten Typ von Wähler aufzufangen. Bis zu einem gewissen Maß ist das eine legitime Taktik. Doch über dieses Maß hinaus muss man das tun, was die Kanzlerin Merkel getan hat und sagen, es ist genug. Stopp." (La Repubblica - Italien vom 19.01.2015) »http://www.repubblica.it/«

"Merkels Haltung gegenüber Islam ist vorbildlich"



Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság begrüßt den Satz der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, wonach der Islam zur deutschen Gesellschaft gehöre. In Zeiten von Terrorangst und antiislamischer Propaganda erhebt sie die Stimme der Vernunft, meint das Blatt: "Die Stellungnahme der Kanzlerin ist insofern bemerkenswert, als sie ansonsten nicht dafür bekannt ist, die Dinge beim Namen zu nennen. ... Trotz ihres notorischen Zauderns und Zögerns verfolgt Merkel eine Politik, die auf Werten gründet. Der höchste Wert für sie ist die Freiheit. Angesichts der Tatsache, dass sie 35 Jahre lang in der DDR gelebt hat, weiß sie, warum sie so denkt. In ihrem Freiheitsbild hat ein vielfarbiges, weltoffenes Deutschland Platz, das auch mit seiner historischen Verantwortung im Reinen ist. ... Sie verlangt von niemandem, seine Identität aufzugeben. Sie erwartet jedoch, dass sich jeder an die Grundregeln des Zusammenlebens in Deutschland hält. Es kommt nicht darauf an, welchen religiösen oder kulturellen Hintergrund jemand hat, sondern vielmehr darauf, dass er die liberale Demokratie akzeptiert." (Népszabadság - Ungarn vom 18.01.2015) »http://nol.hu/«

"Was Pegida und die 68er gemeinsam haben"



Alan Posner sieht in bestimmten Bereichen Parallelen zwischen der Pegida-Bewegung und den 68ern und erkennt darin eine "Wiederaufführung" einer "Farce". "Die Geschichte, sagt Karl Marx, wiederholt sich immer; aber einmal als Tragödie, einmal als Farce. 68 war schon eine Farce. Wir verkleideten uns, jedenfalls in der Spätphase der Bewegung, wie die Revolutionäre der 20er-Jahre; aber wir endeten nicht, wie sie, in den Kellern der Gestapo oder im Gulag, sondern als Studienräte, Anwälte, Ärzte, Journalisten und Politiker. Und nun die Wiederaufführung der Farce, diesmal als fratzenhafte Karikatur. Was für die radikalen Studenten die 'Springer-Presse' war, das sind für die Wutbürger von Dresden und anderswo die 'Mainstream-Medien'. Was damals Zeitungen wie 'Agit 883' oder die 'Rote Presse Korrespondenz' waren, das sind heute Internetforen und Facebook-Seiten. Wo damals die Studenten einen umfassenden 'Verblendungszusammenhang' vermuteten, der die Bürger daran hindere, die tödliche Gefahr des Imperialismus zu erkennen, vermuten die Pegida-Leute eine Verschwörung der Gutmenschen, der die Bürger daran hindern wolle, die tödliche Gefahr des Islam zu erkennen." (Die Welt vom 17.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5j1«

"Die Schule der Kritik"



Warum hat es ausgerechnet in der linken und linksliberalen Szene und bei den Grünen so viel Feigheit und Ignoranz gegenüber dem Islam und dem Islamismus gegeben", fragt Eva Quistorp in ihrem Essay für den Perlentaucher. "Sowohl Pegida als auch der Islamismus nehmen mit ihrer Internetpropaganda Einfluss auf die analoge Welt. Also muss sich wohl dringend auch etwas im Internet ändern, wenn wir die Demokratien und das Zusammenleben von zivilisierten Religionen schützen wollen. Charlie Hebdo war gegen den Irakkrieg, wie gegen den Fundamentalismus und Dummheit in allen Religionen. Daran sollten wir uns messen, auch wenn einige Karikaturen nicht unserem Geschmack und unseren Gefühlen entsprechen. Doch ohne solche Künstlerinnen und Journalisten und ohne eine geistreiche, gebildete, scharfe Religionskritik werden wir im Krieg, der gegen uns von IS und AL Qaida geführt wird, weder im Internet noch in der analogen Welt bestehen können." (Perlentaucher vom 14.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5j0«

"Germany Is an Integration Weltmeister"



Leonid Bershidsky hält die deutschen Fortschritte bei der Integration der muslimischen Bevölkerung trotz der Pegida-Proteste für vorbildlich. "In fact, the government's grip on these practicalities has been improving. According to a Migration Policy Institute report from 2013, 34 percent of Muslim kids in Germany receive the equivalent of a high school degree, compared to about 20 percent in France. Another major achievement is that 95 percent of Muslim children, both boys and girls, take part in co-ed sports at school. (...) Though Merkel's center-right CDU party has a history of mild xenophobia, the chancellor is intent on squeezing it out onto the political fringe, where groups like Pegida and the anti-European Alternative fuer Deutschland party - strong mainly in almost Muslim-free eastern regions - now operate." (Bloomberg vom 13.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5hx«

"Jetzt nicht antiislamischen Predigern folgen"



Der Anschlag von Paris könnte Wasser auf die Mühlen derer gießen, die Hass gegen den Islam predigen, fürchtet die unabhängige Tageszeitung Dennik N: "Man könnte mit einer Beschneidung der Freiheit und mit Repressionen nach dem Prinzip der Kollektivschuld reagieren. ... Genau so gehen Extremisten vor, wie der tschechische Populist Okamura und die deutsche Pegida-Bewegung, welche die Enttäuschung und Frustration von Ostdeutschen missbraucht, um ihre faschistoiden Ziele zu verschleiern. Eine solche Reaktion aber schadet der freien Gesellschaft mehr als die Bedrohung durch Islamisten. ... Eine Verurteilung von Menschen nur wegen ihres Glaubens oder ihrer Nationalität und eine Diskriminierung derer, die in Übereinstimmung mit den Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates leben wollen, bringt nur den muslimischen Fanatikern weiteren Zulauf. Und sie würde die westliche Gesellschaft in ein autoritäres System verwandeln." (Dennik N - Slowakei vom 08.01.2015) »https/dennikn.sk/15915«

"Pegida wird an sich selbst scheitern"



Der Politikwissenschaftler Peter Grottian glaubt nicht an einen längerfristigen Erfolg der "Pegida"-Bewegung. "Schließlich fehlt es für einen erfolgreichen Extremismus der rechten Mitte an Bündnisfähigkeit: Mit der NPD will Pegida nicht wirklich paktieren. Die AfD scheut den Schulterschluss und setzt lediglich auf Schnittmengen für zukünftige Wahlerfolge. Die allgemeine Anschlussfähigkeit zur Zivilgesellschaft ist weder gewollt noch realpolitisch möglich. Die eher konservativen und liberalen Gruppen der Zivilgesellschaft bleiben voraussichtlich auf Distanz. Kurzum: Pegida wird an sich selbst scheitern, weil ihre fehlenden Binnenstrukturen absehbar keine Substanz entwickeln können, die erst eine Bewegung zur Bewegung macht. Dumpfbackige Bewegungen sind auf Dauer chancenlos." (Frankfurter Rundschau vom 05.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5ey«

"Islamophobia growing across 'liberal' Europe"



Michel Sailhan und Martine Nouaille stellen angesichts der Pegida-Proteste in Deutschland fest, dass die anti-islamische Stimmung auch in anderen vermeintlich "liberalen" Ländern Europas anwachse. "The story is a familiar one of fearing that which is not understood. 'When we don't have contact with others, when we don't know them, we are afraid of them,' said a European diplomat, speaking on condition of anonymity. 'We saw that with the referendum on minarets in Switzerland. Those who live in remote villages, and are therefore the least affected, they were the most hostile to minarets.' But that has done nothing to offset genuine fears in many countries over the potential impact of mass immigration. Even Sweden, proud of its liberal attitudes, has strained under the pressure of 100,000 asylum requests in a country of just 10 million." (Middle East Online vom 07.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5f0«

"Pegida ist Weckruf für deutsche Demokraten"



Parallel zu den Kundgebungen der Pegida-Bewegung in mehreren deutschen Städten am Montagabend haben sich Tausende Menschen diesen Demonstrationen entgegengestellt. Die Gegendemonstranten zeigen, wer das Volk eigentlich ist, meint die linksliberale Frankfurter Rundschau: "Wenn es irgendetwas Positives an Pegida gibt, dann dies: die bei vielen Bürgern neu oder auch wieder entdeckte Erkenntnis, dass unser demokratischer Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit ist, sondern dass er des aktiven Einsatzes bedarf. ... Gerade in Zeiten, da die etablierte Politik an Bindungskraft verliert, können Demonstrationen Diskussionen und Entscheidungsprozesse beeinflussen und wieder mehr Bürgernähe erzwingen. ... [Die Pegida-Demonstranten] zwingen die schweigende Mehrheit, sich zu äußern, Stellung zu beziehen, den öffentlichen Raum nicht den anderen zu überlassen. So findet eine neue Selbstvergewisserung der Demokraten in der Bundesrepublik statt: Wir sind das Volk. Je klarer wir das sagen, desto schwerer haben es die Demagogen von Dresden und anderswo." (Frankfurter Rundschau - Deutschland vom 07.01.2015) »http://www.fr-online.de/home/1472778,1472778.html«

"Merkels Außenpolitik schürt Islamhass"



Man muss sich in Deutschland stärker mit den Gründen für die große Zahl der Pegida-Anhänger befassen, fordert die linksliberale Tageszeitung Dnevnik: "Die deutsche Politik muss sich dessen bewusst werden, dass seit dem Abgang von [Ex-Bundeskanzler] Gerhard Schröder [2005] die Regierung unter Angela Merkel der US-Politik zu sehr folgt, die sich in der islamischen Welt wie ein Elefant im Porzellanladen verhält und folglich religiöse Extremisten aufstachelt. Die Verteufelung der autokratischen säkularen Regime des Iraks, Libyens und Syriens hat nicht die erwünschte Aufklärung gebracht. Stattdessen sind zahlreiche Menschen aus diesen Ländern geflüchtet, von denen Deutschland vergangenes Jahr 200.000 aufgenommen hat. Nicht [Pegida-Chef] Lutz Bachmann war es, der den Geist aus der Flasche befreit hat, sondern die westliche Politik, die den Islamischen Staat geschaffen hat." (Dnevnik - Slowenien vom 07.01.2015) »http://www.dnevnik.si/«

"Rechte verkennen Europas Multikulti-Geschichte"



Anti-Migrations-Bewegungen wie Pegida übersehen, dass Europa historisch betrachtet fast immer eine sich ständig verändernde Mischung aus verschiedenen Kulturen war, analysiert die linksliberale Tageszeitung The Guardian: "Die Dinge waren niemals stabil und Bevölkerungen nicht in Stein gemeißelt. Europa ist letztlich der Fortsatz einer riesigen und kontrastreichen Landmasse. Es war stets dazu bestimmt, Kreuzung zu sein. Veränderungen mögen uns verwirren, doch es gab Zeiten, in denen wir mit viel mehr Vielfalt in unserer Mitte lebten. ... Der einzige Zeitraum, in dem Europäer eine relative demografische Homogenität erlebten - diese Ära vermeintlicher Beschaulichkeit -, war jener in Folge der Zerstörungen durch Hitler und Stalin. Derartige Überlegungen reichen vielleicht nicht aus, um die antimuslimischen Massen zu beruhigen. Aber sie könnten helfen." (The Guardian - Großbritannien vom 06.01.2015) »http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jan/06/amnesia-immigration-europe-lesson-grim-history-future-multicultural«

"EU muss Fremdenhass gemeinsam bekämpfen"



Die Pegida in Deutschland ebenso wie rechte Bewegungen in Frankreich und Griechenland haben das Potential, die EU zu zerstören, warnt die linksliberale Tageszeitung El País und schlägt Schritte zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen extremistische Einstellungen vor: "Man muss die mafiös organisierten illegalen Einwanderungsströme durch ein koordiniertes und entschiedenes Handeln angehen und gleichzeitig die legale Einwanderung fördern und offen bewerben. Und wir brauchen ein ebenfalls zwischen den EU-Mitgliedern abgestimmtes energisches Vorgehen gegen rassistische Bewegungen: auf juristische Weise, wo immer es möglich ist, und mit politischen Mitteln zu jeder Zeit und an jedem Ort. Entweder hebelt die EU diese zerstörerischen Bewegungen aus, oder die Bewegungen zerstören am Ende die EU. Wir dürfen Deutschland, Frankreich oder Griechenland nicht im Stich lassen in diesem Kampf gegen unsere gemeinsamen Feinde." (El País - Spanien vom 07.01.2015) »http://elpais.com/elpais/2015/01/06/opinion/1420573834_487528.html«

"Pegida macht deutsche Parteien nervös"



In mehreren deutschen Städten sind am Montag erneut Menschen dem Aufruf der Pegida-Bewegung gefolgt und haben gegen eine angebliche "Islamisierung des Abendlandes" demonstriert. Die größte Veranstaltung fand in Dresden mit rund 18.000 Teilnehmern statt. Deutlich wird in der Debatte um Pegida die Ratlosigkeit der etablierten Parteien, analysiert die liberale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Die heftigen Worte von Merkel [in ihrer Neujahrsansprache] haben Freund und Feind in Deutschland überrascht und eine politische Diskussion ausgelöst. Die darauf folgenden Bekundungen, Beifall auf der einen und Abwehr auf der anderen Seite, legen eine tiefe Kluft zwischen aber auch innerhalb der Parteien offen. Man ist verwirrt und unsicher, wie man mit dem Massenprotest umgehen soll. ... Die meisten Demonstranten sind Bürger, die sich von den etablierten Parteien abgewendet haben. Die bestehen in ihren Augen nur aus Mitgliedern einer 'selbsternannten Elite', die blind ist für die Interessen der Durchschnittsbürger. Nach Ansicht von Politologen ist das die künftige Wählerschaft der [euroskeptischen] AfD und das macht die anderen Parteien nervös." (NRC Handelsblad - Niederlande vom 06.01.2015) »http://www.nrc.nl/«

"Demokratie hält Pegida aus"



Die Demokratie ist stark genug, um die Demonstrationen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung in Deutschland auszuhalten, zeigt sich die linksliberale Tageszeitung Politiken überzeugt: "Demokratische Gesellschaften bauen auf dem Willen, gemeinsam Lösungen zu finden - und dies auch über das hinweg, was trennt: sozial, in der Haltung oder der Ethnizität. In Deutschland und anderen europäischen Länder gibt es die optimalen Voraussetzungen, um das zu schaffen, denn sie haben starke demokratische Institutionen. ... Die Gesellschaft muss für alle funktionieren: sowohl für die, die hierher kommen, als auch für die Schwachen unter denen, die schon lange hier leben. Es gibt keinen Gegensatz zwischen diesen beiden Zielen, im Gegenteil: Es gibt einen Zusammenhang, das muss die politische Führung klarmachen, in Deutschland wie auch hier bei uns." (Politiken - Dänemark vom 06.01.2015) »http://politiken.dk/debat/ledere/ECE2502155/intet-at-frygte-men-meget-at-goere-i-forhold-til-tysklands-hoejre/«

"Pegida, eine ratlose Bewegung weißer Männer"



Worum geht es den Teilnehmern der PEGIDA-Demonstrationen in Dresden, fragt sich der Schriftsteller Peter Schneider und hat sich persönlich auf den Weg nach Dresden gemacht, um nachzuhaken. "Das Potenzial von Pegida liegt vor allem in der Unartikuliertheit der Bewegung und der geradezu panischen Reaktion der Politiker und der Meinungsathleten in den Talkshows. Pegida spricht, gerade weil sie keine Sprecher hat, auch in Westdeutschland und in Europa das Gefühl von vielen Bürgern an, dass ihnen ihre Heimat irgendwie abhandenkommt und ihre Politiker in einem schalldichten Raum agieren. Es geht um die Ahnung und die Angst, dass sich die Gesellschaften Europas angesichts der Kriege rund um Europa und der Flüchtlingsströme grundlegend verändern. Und sie fürchten, dass die zivilen Gesellschaften Europas ihre eigenen Regeln nicht mehr verteidigen." (Die Welt vom 03.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5eg«

"Das ist alles ernst zu nehmen"



Friedbert Meurer im Gespräch mit dem Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, über die PEGIDA-Demonstrationen in seinem Bundesland. Richter erkennt im Unmut der Demonstrierenden einen Problemstau, dem man Beachtung zollen müsse. "Bei den Demonstranten sei ein tief greifender Vertrauensverlust in staatliche Institutionen festzustellen, sagte Richter. Viele Pegida-Anhänger sagten, dass sie sich nicht gehört und von oben herab behandelt fühlten. Behörden und Politiker würden im Allgemeinem angegriffen. 'Man versteht auch die Umsetzung des Asylrechts nicht so recht. Das ist alles ernst zu nehmen.' Richter plädierte dafür, auf die Pegida-Anhänger zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. 'Kommunikation kann schief gehen, aber Nichtkommunikation wird schief gehen', sagte er. 'Ich kann nur hoffen, dass das, was auf den Straßen geschieht, bald vielerorts in einen konstruktiven Dialog mündet.'" (Deutschlandfunk vom 06.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5eh«

"Dresden crowds tell a chilling tale of Europe’s fear of migrants"



Kate Connolly berichtet für den britischen Observer über die Ursachen der einwanderungsfeindlichen Pegida-Proteste in Deutschland. "The anti-Pegida voice is keen to stress that Germany is in danger of losing a reputation it has established over the past decades which reached its apogee first when Germany hosted the World Cup in 2006, and again last summer when the national team won the championship. (...) But others argue the situation is far more positive, and that Pegida has emerged as a side-effect of a growing sense of German empathy and solidarity towards outsiders, as immigration charities report a surge in contributions, and as increasing numbers of small German towns and villages, and many private households, take in refugees, many for the first time since the second world war. 'We’re seeing a growing emotional willingness among people in Germany to help others who are in need,' says Heinz Bude, a leading macro-sociologist at Kassel University." (The Observer vom 04.01.2015) »http://kurz.bpb.de/5dz«

"PEGIDA – ein Erfahrungsbericht"



Der Dresdner Blogger Konrad Müller hat sich mit einer Israel-Flagge auf eine Pegida-Demonstration in seiner Heimatstadt begeben und berichtet über seine Erfahrungen vor Ort. "Wir waren keine fünf Minuten vor Ort und uns schlug bereits eine Welle der Ablehnung und Verachtung entgegen. Kommentare wie: 'Ihr seid hier auf der falschen Seite!' 'Verpisst euch!' 'Die Flagge sollte man anzünden!' 'Israel sind die größten Verbrecher!' 'Wir wollen euch hier nicht!'" (egoteaist vom 23.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5dx«

"Masse und Ohnmacht"



Stefan Locke beleuchtet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Pegida-Bewegung. "Die Themen Islamisierung und Flüchtlinge mobilisieren viele Menschen - wahrscheinlich auch wieder am Montagabend vor Weihnachten. Seit es Pegida gibt, lebt nicht nur Dresden in einem gefühlten Ausnahmezustand. Über den Umgang mit einem Phänomen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5cx«

"Fack ju Göhte, hallo Pegida! Was geht im Abendland?"



Matthias Matussek hat sich für die Welt auf den Pegida-Demonstrationen in Dresden und Weimar umgesehen. "Pegida, Putin, Rot-Rot-Grün: Im Osten herrscht gerade ziemliches Chaos. Hilft vielleicht ein Besuch bei den Klassikern?" (Die Welt vom 22.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5cy«

"Mehrheit lehnt Pegida-Demos ab"



Mehr als acht von zehn Deutschen lehnen einer aktuellen Umfrage zufolge die Teilnahme an einer Pegida-Demonstration ab. "Dabei war die Ablehnung in der Altersgruppe der über 65-Jährigen mit 92 Prozent am höchsten. Die höchste Zustimmung für die 'Pegida' fand sich bei den 14- bis 29-Jährigen mit 14 Prozent." (Frankfurter Rundschau vom 21.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5cf«

"Mein Cousin. Der Feind, den ich liebte"



Daniel Köhler beschreibt in seinem Beitrag für die Blogrebellen seine persönlichen Erfahrungen mit einem Pegida-Anhänger aus dem engeren Familienkreis. "Während ihr fleißig bemüht seid eure Freundeslisten von PEGIDA-Sympathisanten zu säubern, habe ich einen davon in meiner Familie. Und nun?" (Blogrebellen vom 20.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5cg«

"Bei Angst das Licht anmachen"



"Die Pegida-Proteste zeigen: Fakten helfen nicht, wenn die Angst regiert", schreibt Marie Amrhein auf Cicero. "Wenn meine Tochter Angst vor der bösen Hexe hat, machen wir das Licht an. Hinschauen hilft. Genau wie rausgehen in die Dunkelheit oder unter Menschen. Fragen, antworten, informieren, kurz: Bildung. Angst zu haben, ist keine Schande. Es sich mit ihr auf dem Sofa bequem zu machen, schon." (Cicero vom 21.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5ch«

Politiker bereiten Pegida fruchtbaren Boden



In Deutschland wächst der Protest der sogenannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida). Ihr Vormarsch hat damit zu tun, dass die Politiker das Thema Migration lange ignoriert haben, meint die liberale Tageszeitung Phileleftheros: "Einige Parteien haben voreilig gesagt, dass Pegida mit Nationalismus und Rassismus flirtet. Allerdings sind die meisten Teilnehmer der Proteste keine Rechtsextremisten und Nationalisten. … Die Politiker nehmen ihre Bürger nicht ernst. Es scheint, als ob sie deren Ängste nicht verstehen. Und genau das ist der Grund, warum Bewegungen wie Pegida fruchtbaren Boden finden. ... Solange sich die Parteien dem Thema Einwanderung nicht stellen, werden Bewegungen wie Pegida weiterhin gedeihen. Es werden Lösungen für die offenen Fragen benötigt, egal wie schwierig oder schmerzhaft diese sein mögen." (Phileleftheros - Zypern vom 18.12.2014) »www.philenews.com«

"Pegida: Nichts sehen, nichts hören, viel sagen"



Spiegel-Online-Kolumnist Sascha Lobo kommentiert die Anti-Islam-Bewegung Pegida aus der Sicht des Netzexperten. "Auf Facebook hat Pegida Zehntausende Anhänger. Sind die alle dumm? Sicher nicht. Aber genau das ist Teil des Problems." (Spiegel Online vom 17.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5bb«

"Pegida-Proteste: Maas nennt Angstmache vor Islamisierung ideologischen Popanz"



Spiegel Online hat Politikerstimmen zu den Pegida-Protesten in Dresden gesammelt. Eine Mehrheit verbinde eine klare Distanzierung mit der Aufforderung, die protestierenden Menschen ernst zu nehmen. Bundesjustizminister Heiko Maas habe klare Worte gefunden. "Bundesjustizminister Heiko Maas bezeichnete die Argumente der Pegida-Initiatoren als 'fadenscheinig' und leicht zu entlarven. Der Sozialdemokrat sagte der 'Passauer Neuen Presse': 'Niemand in Deutschland muss Angst haben vor einer angeblichen Islamisierung des Abendlandes. Das ist ein ideologischer Popanz.'" (Spiegel Online vom 17.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5am«

"Wieviel Islam verträgt Deutschland?"



Dirk Müller hat im Deutschlandfunk mit Alexander Gauland (AfD), Norbert Geis (CSU) und Antje Hermenau (Bündnis 90/Die Grünen) darüber diskutiert, ob die Politik eine offene Diskussion über die Inhalte der Pegida-Proteste scheue. "Wie bewältigt die Gesellschaft die zunehmende Zahl von Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten? Machen es sich die Länder-Innenminister zu einfach, wenn sie vor wachsender Islam-Feindlichkeit und Ausländer-Hetze warnen?" (Deutschlandfunk vom 15.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5an«

"Position ohne Haltung"



Haben wir alle nicht die Pegida schlicht missverstanden, fragt der Freitag-Leser "diaphanoskopie" in seiner Polemik zu den Dresdener Protesten. "Darum gibt es jetzt auch ein Positionspapier. Und darin kann man lesen, dass wir alle die PEGIDA missverstehen. Denn die guten Ausländer, die mit den tollen Ideen innen drin, die wollen die PEGIDA haben, weil sei gut für die Wirtschaft, den Standort Deutschland, sind. Und den PEGIDA nehmen die auch keinen Job weg, denn die Ideen der PEGIDA laufen sozusagen außer Konkurrenz. Die guten Ausländer sollen kommen, die schlechten Ausländer, radikale Muslime, Wirtschaftsflüchtlinge und kriminelle Asylanten, die will man hier nicht haben. Die machen nur Ärger, kosten Geld und demontieren das hübsche Abendland. Die echten Flüchtlinge, die dürfen selbstverständlich auch kommen, das ist Menschenpflicht. Die mögen nur nicht in der eigenen Nachbarschaft dezentral untergebracht werden, aber kommen dürfen sie." (Freitag vom 14.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5ao«

"Politik hat schon lange vor Pegida versagt"



Die Politik in Deutschland ringt um einen angemessenen Umgang mit der Bewegung Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida). Doch sie hat jahrelang selbst den Weg für Pegida bereitet, bemerkt Jörg Wellbrock in seinem Blog Spiegelfechter: "Normalerweise müssten die Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen für ausreichend vorhandene und gut bezahlte Arbeit auf die Straße gehen, für Bildung, Frieden, fairen Handel und die Regulierung der Finanzmärkte. Stattdessen schreien sie die Angst vor dem Ende des Abendlandes heraus. ... Ängste zu schüren, funktioniert schon seit Ewigkeiten, und wenn die Politik diese Ansätze unterstützt, kann eine Bewegung wie Pegida entstehen und Massen mobilisieren. Die Politik hat nicht erst jetzt versagt, sondern schon lange, bevor Pegida ein Begriff wurde. Sie schürt Fremdenhass auf ihre Weise, teils subtil, teils oberflächlich, aber immer wirksam. Sie thematisiert das Problem von sogenannten 'Sozialflüchtlingen', obwohl sie faktisch kaum eine Rolle spielen." (Blog Spiegelfechter - Deutschland vom 17.12.2014) »www.spiegelfechter.com«

"Pegida-Märsche gegen Ausländer: Demonstrativer Irrsinn"



"Nicht nur als Deutscher mit muslimischen Wurzeln muss man sich sorgen", schreibt Hasnain Kazim in seinem Kommentar zu den Pediga-Protesten in Dresden. "Die Flüchtlinge, die hier ankommen, sind Terror und Krieg entkommen, oft unter Lebensgefahr. Ausgerechnet diesen Menschen wird in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, dass sie nicht willkommen sind. Aus Sorge vor einer vermeintlichen Islamisierung Deutschlands. Den Demonstranten ist offenbar gleichgültig, dass sie gegen die Opfer von Extremisten protestieren - nicht gegen die Extremisten selbst." (Spiegel Online vom 16.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5a4«

"Anti-Islam-Bewegung radikalisiert Deutschland"



In Dresden sind am Montag rund 15.000 Menschen dem Protestaufruf der Gruppierung Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) gefolgt. Damit erhielt Pegida erneut mehr Zulauf als bei früheren Protesten. Die liberale Tageszeitung Sme äußert sich besorgt: "Es geht hier nicht um einen klassischen Bürgerprotest für irgend etwas. Die Organisatoren nutzen die Angst der Leute aus und gewinnen Popularität mit Parolen gegen Ausländer, Asylanten, Muslime und Islamisten. Experten sprechen von einem typischen Repertoire rechter Extremisten, das schnell Zuhörer und Unterstützer findet. ... Deutschland hat wegen seiner Vergangenheit keine starken Rechtsextremen. ... Die NPD errang bei der vergangenen Bundestagswahl nur wenig mehr als ein Prozent. Die Geschwindigkeit aber, mit der eine unbekannte Bewegung Unzufriedene auf die Straße bekommt, zeigt, dass sich die Stimmung in Deutschland radikalisiert." (Sme - Slowakei vom 16.12.2014) »http://www.sme.sk/«

"Pegida zwingt Europa zu neuem Migrations-Diskurs"



Europa muss Einwanderung mit moderneren Argumenten und jenseits der bisherigen Klischees debattieren, fordert die konservative Tageszeitung La Vanguardia mit Blick auf die Kundgebung des Anti-Islambündnisses Pegida am Montag in Dresden: "Europa braucht einen neuen Diskurs zum Thema Migration. Dieser muss frei von Stereotypen, illusorischen Zugeständnissen oder opportunistischen Interessen diskutiert werden. Einwanderung ist ein Phänomen, das unsere Ära kennzeichnet. Und als solches muss es mit modernen, der Komplexität angemessenen Kriterien behandelt werden. ... Dabei ist es ebenso wichtig, einerseits die auf Vielfalt und Toleranz basierenden Werte Europas zu erhalten, wie sich andererseits der Intoleranz religiöser Fanatiker zu erwehren. Das kann gelingen, wenn man diejenigen, die von weit her kommen, um sich ein neues Leben im Alten Kontinent aufzubauen, soweit es geht mit Großzügigkeit und Intelligenz integriert." (La Vanguardia - Spanien vom 16.12.2014) »www.lavanguardia.es«

"Pegida, eine alte Dresdner Eigenheit"



Götz Aly stellt in der Berliner Zeitung fest, dass es sich bei der in Dresden zu Tage tretenden Fremdenangst um eine Angelegenheit mit historischen Dimensionen handele. "In Dresden waren 'höchstens' vier jüdische Kaufleute erlaubt, weil sonst 'die ganze Schlossgasse von jüdischen Kaufleuten wimmeln und der Handel in die Hände der Juden' geraten würde. Die von 'deutscher Identität' berauschten Dresdner befürchteten, dass andernfalls 'die Juden das ganze Land überschwemmen und kein Bauer ohne einen Juden ein Kalb verkaufen' könne. Auf die Bitte der Israeliten, die Restriktionen zu lockern, entgegnete der Abgeordnete Dr. Wilhelm von Mayer ohne jedes Argument und in bestem Pegida-Ton: 'Wir wollen nicht!'" (Berliner Zeitung vom 15.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5a5«

"Politiker zündeln mit brandgefährlichen rassistischen Sprüchen"



Kemal Hür bereiten mit Blick auf die Pediga-Proteste weniger die tausenden Mitläufer als die politische Klasse in Deutschland große Sorgen. "Endlich – endlich spricht ein Bundesminister klar und deutlich aus, was ich schon lange vermisse: Bundesjustizminister Heiko Maas bezeichnet die Pegida als 'eine Schande für Deutschland'. Diese eindeutige Meinung wünschte ich mir von der Regierung. Denn nichts anderes ist die Pegida als eine Schande. 10.000 Menschen folgen einem Mann, der wegen Drogen-, Rotlicht- und anderer Delikte verurteilt wurde: Sie demonstrieren mit dem vorbestraften Rattenfänger Lutz Bachmann gegen die 'Islamisierung des Abendlandes' und gegen kriminelle Ausländer. Das zeugt nicht gerade von hoher Intelligenz. Deswegen will ich mich nicht weiter mit den Opfern des Rattenfängers beschäftigen. Mir macht eher die politische Klasse in unserem Land große Sorgen. Denn sie bereitet den Nährboden dieses Unheils. Und das ist ein immer wiederkehrendes Problem seit der Wiedervereinigung." (Deutschlandfunk vom 15.12.2014) »http://kurz.bpb.de/5a6«

"Der aufgeklärte Islam muss her"



Marc Reichwein im Gespräch mit der Journalistin und Drehbuchautorin Güner Balci über "die Pegida-Bewegung und die Selbstbestimmung der muslimischen Frau". (Die Welt vom 13.12.2014) »http://kurz.bpb.de/599«

"Dämmerung eines Kampfbegriffs"



"Warum musste dieser Kampfbegriff eines sakral überhöhten Westens partout jetzt aus der politischen Mottenkiste gezerrt werden?", fragt Dirk Schümer mit Blick auf das Motto der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida). "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes – verdammt viel Semantik für eine junge politische Bewegung. Immerhin hemmt der komplizierte Name nicht den Zulauf zum Appell der Pegida, der am kommenden Montag in Dresden – wie auch in anderen Städten – erneut Tausende Bürger auf die Straße bringen wird. Was unter Islamisierung zu verstehen ist, wirkt zumindest auf den ersten Blick einigermaßen klar: keine Muezzine, keine Scharia, keine Burkapflicht. Würde all das imminent drohen, wer marschierte da nicht gerne in der ersten Reihe mit? Auch europäischer Patriotismus klingt nach einer guten Idee. Aber Abendland? Warum musste dieser Kampfbegriff eines sakral überhöhten Westens partout jetzt aus der politischen Mottenkiste gezerrt werden?" (Die Welt vom 13.12.2014) »http://kurz.bpb.de/59a«

"Angst vor zu vielen Muslimen in Deutschland"



Jürgen Zuheide im Gespräch mit dem ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zu dem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim im bayerischen Vorra. "Die öffentlich wahrnehmbare Stimmung nach dem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Vorra sei geprägt von großer Hilfsbereitschaft, sagte Christian Ude (SPD), der ehemalige Bürgermeister Münchens, im DLF. Doch seit einiger Zeit gebe es eine große Angst vor Muslimen in Deutschland. Diese habe sich bislang bei wenigen politischen Demonstrationen gezeigt." (Deutschlandfunk vom 13.12.2014) »http://kurz.bpb.de/59b«

"Hier wird mit Angst mobilisiert"



Gerd Breker im Gespräch mit dem Politologen Hajo Funke über die Ursachen des neuen Erstarkens der Anti-Islam-Bewegung in Deutschland. "Es gibt auf jeden Fall zwei Formen von Ängsten. Die einen sind Anwohner, die sagen, das wird mir zu viel, und ich habe auch Angst, dass es zu Gewalt oder zu Straftaten kommt. Gegenüber diesen Ängsten muss man nur sagen, man muss sie bearbeiten. Man muss als konkrete Politik im Stadtteil sagen, okay, es gibt keinen Anlass für solche Ängste, wir sorgen vor, wir sorgen für vernünftige Unterbringung und wir sorgen auch dafür, dass es nicht zu Straftaten kommt. Das muss überzeugend sein. Dann gibt es die andere Seite von Ängsten, die überhaupt gegen alles Fremde, gegen Migranten, gegen die ganze Gesellschaft, so wie sie im Moment zusammengestellt ist, was haben, also die Ängste aus anderen Kontexten haben, weil sie den Arbeitsplatz verloren haben, weil sie die Zukunft düster sehen, und die sind natürlich auch verbreitet. Das haben Studien immer wieder gezeigt. Das geht in die Millionen in Deutschland. Sie sind eher schlafend latent und nun gibt es eben eine Ausdrucksform, und das ist diese 'Pegida' und 'Dügida' und wie sie heißen. Aber sie ist deswegen nicht weniger gefährlich." (Deutschlandfunk vom 09.12.2014) »http://kurz.bpb.de/58p«

"Kein Geheimnis mehr"



Die Nähe der "Alternative für Deutschland" zu islamkritischen Bündnissen werde immer eindeutiger, schreiben Justus Bender und Stefan Locke in ihrem Bericht über Kontakte zwischen der AfD und dem Pegida-Bündnis. "In Äußerungen, in denen jedes Wort abgewogen scheint, soll eine Mitte gefunden werden zwischen zwei politischen Unwägbarkeiten. Einerseits sollen sich gemäßigte Demonstranten durch zu ablehnende Äußerungen nicht von der AfD diffamiert fühlen. Andererseits wird der Verdacht gehegt, dass auch Bürger mit fremdenfeindlicher Gesinnung an den Pegida-Protesten teilnehmen." (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.12.2014) »http://kurz.bpb.de/58q«

"Politik muss die Leute wieder erreichen"



Die Tagesthemen im Gespräch mit Andreas Zick vom Institut für Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld über die PEGIDA-Demonstration in Dresden. "Die 'PEGIDA'-Demonstrationen in Dresden zeigten, dass Tausende Menschen in Deutschland ein Gegenmodell zur Politik fahren, sagt der Konflikt- und Gewaltforscher Zick im tagesthemen-Interview. Die Politik müsse lernen, diese Menschen wieder zu erreichen." (tagesschau.de vom 10.12.2014) »http://kurz.bpb.de/58b«



 

Rechtspopulismus

Sind sie das Volk? Pegida – die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes

Es waren nur ein paar Hundert Menschen, die Ende Oktober zum ersten Mal zu einem Spaziergang "Patriotischer Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in Dresden zusammenkamen. Innerhalb weniger Wochen wuchs Pegida hier zu einer Massenbewegung. Was genau in Dresden passiert und was Pegida ausmacht, analysiert Volker Weiß. Weiter... 

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27 EU-Staaten treffen sich am heutigen Dienstag ohne Großbritannien, um die Umsetzung des Brexit zu besprechen. Am Wochenende hatten bereits die Außenminister der EU-Gründungsstaaten in Berlin über ein Europa der zwei Geschwindigkeiten beraten. Wie sieht die Union der Zukunft aus? Weiter... 

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Ein Kurzdossier legt komplexe Zusammenhänge aus den Bereichen Zuwanderung, Flucht und Asyl sowie Integration auf einfache und klare Art und Weise dar. Es bietet einen fundierten Einstieg in eine bestimmte Thematik, in dem es den Hintergrund näher beleuchtet und verschiedene Standpunkte wissenschaftlich und kritisch abwägt. Darüber hinaus enthält es Hinweise auf weiterführende Literatur und Internet-Verweise. Dies eröffnet die Möglichkeit, sich eingehender mit der Thematik zu befassen. Unsere Kurzdossiers erscheinen bis zu 6-mal jährlich. Weiter... 

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Seit 9/11 hat ein Wort Hochkonjunktur: Islamismus. Wer sind seine Wortführer? Welche Ziele verfolgen sie? Das Dossier führt ein in Vergangenheit und Gegenwart der extremistischen Herrschaftstheorie, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor große Herausforderungen stellt. Weiter... 

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