Dossierbild zum Spezial Kino in Europa
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2.2.2009 | Von:
Wolfgang Martin Hamdorf

Spanien jenseits von Almodóvar

Pedro Almodóvar ist der Meister des spanischen Kinos: Seine Filme sind oft provokativ und spielen mit den Geschlechterrollen. Daneben hat sich ein Kino der leiseren Töne entwickelt. Alejandro Amenábar gewann mit dem Drama "Das Meer in mir" 2005 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.
Der spanische Regisseur Pedro Almodovar zeigt der applaudierenden Menge seinen Prinz von Asturien-Preis für Kunst, den er aus den Händen Prinz Felipes von Spanien und Asturien im Rahmen einer Feierstunde in Oviedo erhielt.Der spanische Regisseur Pedro Almodovar erhielt 2006 den Prinz von Asturien-Preis für Kunst aus den Händen Prinz Felipes von Spanien und Asturien im Rahmen einer Feierstunde in Oviedo. (© AP)

Schwarz hat nie zu meinen Farben gehört", sagte Pedro Almodóvar auf der Pressekonferenz zu seinem neuesten Film in Madrid. "Ich habe die Farbe immer vermieden, vielleicht hat sie mich zu sehr an die dörfliche Witwentracht meiner Mutter erinnert." Für sein aktuelles Werk hat die dunkle Farbe allerdings eine ganz besondere Bedeutung, denn zurzeit dreht der Meister auf Lanzarote, der wüstenähnlichen kanarischen Insel mit den schwarzen Stränden vulkanischen Ursprungs. Es werde, so hatte Almodóvar bereits vorher angedeutet, sein teuerster und längster Film.

"Los Abrazos rotos" ("Die zerstörten Umarmungen") erzählt eine komplex strukturierte Liebesgeschichte von den 1990er-Jahren bis in die Gegenwart, mit Penélope Cruz und Blanca Portillo in den weiblichen Hauptrollen und Lluís Homar als männlichem Protagonisten. "Wenn ich", so Almodóvar, "literarisches Talent hätte, wäre das ein Roman geworden. Es ist ein romantisches Drama, hat aber auch stellenweise etwas von einem Thriller." Ein junges Mädchen vom Lande möchte Schauspielerin werden, kommt jedoch mit ihren Gefühlen nicht zurecht; eine alleinerziehende Mutter setzt sich gegen alle Widrigkeiten des Lebens durch; ein Sohn versucht sich gegen den übermächtigen Vater zu behaupten, und ein Drehbuchschreiber erblindet nach einem Unfall: dramatische Figuren ganz dem Almodóvarschen Universum zugehörig. Mehr möchte der 59-Jährige auch gar nicht verraten, nur sein klassisches Rezept: "Der Film soll starke Gefühle hervorrufen, aber auch zum Lachen bringen..."


Kein Filmemacher verbindet so kongenial melodramatische und komische Aspekte, verknüpft universelle Genre-Elemente mit authentischem Lokalkolorit und ergänzt das Ganze um einen spezifisch spanischen Humor, aus dem Alltag gegriffener Situationskomik und der sehr spanischen Lust, über sich selbst zu lachen. Mit dieser Methode ist Pedro Almodóvar wie kein Zweiter zum Inbegriff des "Spanischen" geworden.

Von der Hochschule zurück ins vierte Jahrhundert

Der zweite große Name des aktuellen spanischen Kinos ist Alejandro Amenábar. Das Wunderkind, das mit 23 Jahren seinen Erstling, den Hochschulthriller "Tesis" ("Tesis") 1996 auf der Berlinale vorstellte, setzte sich damals mit großen Namen vom spanischen Autorenfilm ab: "Mit Buñuel kann ich nichts anfangen, meine Vorbilder sind John Ford und Alfred Hitchcock." In seinen weiteren Filmen machte er eine Reise durch unterschiedliche Genres, mit Penélope Cruz in dem Psycho-Science-Fiction-Thriller "Abre los Ojos" ("Open your Eyes", 1997); mit Nicole Kidman in dem verhaltenen Gruselfilm "The Others" (2001) und schließlich mit "Mar Adentro" ("Das Meer in mir", 2004), dem dynamischen Melodram über einen gelähmten lebenslustigen Galizier, der seinen eigenen Tod herbeiwünscht. Jetzt widmet er sich dem großen Kostümfilm und dreht auf Malta in englischer Sprache seine neueste Produktion "Agora". Die britische Schauspielerin Rachel Weisz spielt Hypathia von Alexandria, die erste Wissenschaftlerin in der westlichen Welt, die entscheidend zur Weiterentwicklung der Astronomie und der Mathematik beitrug. Der Film ist im vierten Jahrhundert angesiedelt, als religiöse Unruhen direkt die legendäre Bibliothek in Alexandria bedrohen.

Der spanische Regisseur Alejandro Amenabar posiert mit dem Oscar-Statue in Beverly Hills, Kalifornien. Neben ihm ein Filmplakat seines Films "The Sea Inside", einem der fünf für den besten fremdsprachigen Film nominierten Filme der nächsten Academy Awards.Der Spanier Alejandro Amenabar, Regisseur von "The Sea Inside", posiert mit dem Oscar-Statue in Beverly Hills, Kalifornien. (© AP)
Pedro Almodóvar und Alejandro Amenábar, die beiden Exportschlager des spanischen Films, stehen für zwei ganz unterschiedliche Ausrichtungen. Almodóvar ist Autodidakt und aus einem kleinen Dorf in der Mancha nach Madrid gekommen. Den Film entwickelte er zur Ausdrucksform in einer revoltierenden kulturellen Bewegung, der "movida" der 1980er-Jahre. Der Regisseur ist tief verwurzelt in der spanischen Populärkultur, aber auch in den urbanen Subkulturen und hat die Welt der Transvestiten, der Homosexuellen, der Drogen und anderer Leidenschaften immer wieder fast beiläufig in seine Filme integriert. Amenábar dagegen kommt aus einer anderen Generation, ist mit Filmen und Videos groß geworden, hat Filmwissenschaft studiert und schafft Genreprodukte, die sich teilweise einer spezifisch spanischen Situation anpassen. Nur ist der spanische Film weitaus facettenreicher als die Werke von Amenábar und Almodóvar.

In den jüngsten Jahren sind auch Beispiele eines neuen sozialen Realismus in die deutschen Kinos gekommen: Iscíar Bollaín mit "Flores de otro Mundo" ("Blumen aus einer anderen Welt" 1999) über junge karibische Frauen, die sich in die spanische Provinz verheiraten, oder ihr Ehedrama über häusliche Gewalt von 2003 "Te Doy mis Ojos ("Öffne meine Augen"). Auch Fernando León de Aranoa, von Kritikern gerne als spanischer Ken Loach gehandelt, brachte 2002 mit "Los Lunes al Sol" ("Montags in der Sonne") die Welt nordspanischer Arbeitsloser nach Deutschland. Und die mitreißende Familiengeschichte "Azuloscurocasinegro" ("dunkelblaufastschwarz") von Daniel Sánchez Arévalo aus dem Jahr 2006 gab ebenfalls einen neuen Einblick in die soziale Realität Spaniens.

Kreative Brüche und Widersprüche

Der aktuelle spanische Film zeichnet sich durch ein Nebeneinander der Generationen und eine Vielfalt der Themen, Genres und Subgenres aus. Hieraus einen idealtypischen Gegensatz zwischen Autorenfilm und Genreproduktion zu konstruieren, wäre allerdings falsch, denn auch die Altmeister des spanischen Autorenfilms wie Carlos Saura haben immer wieder unterschiedliche Genres bedient, vom 1964er-Banditenstreifen "Llanto por un Bandido" ("Cordoba") bis Actionware wie "Dispara!" von 1993. Auch einer der wenigen unabhängigen spanischen Autorenfilmer wie Pablo Llorca nimmt immer wieder die Genrevorgaben als Hintergrund für seine grausamen Liebesgeschichten, wie die im geteilten Deutschland angesiedelte Romeo-Geschichte "La Cicatriz" (2005).

Kreative Brüche und Widersprüche haben den spanischen Film schon zu Zeiten der Diktatur von 1936 bis 1977 stark geprägt. Aus einer gegenüber dem Franco-Regime sehr kritischen Generation junger Filmemacher, die oft mit den verbotenen Organisationen der spanischen Linken verbunden waren, entstand ein populäres Unterhaltungskino. Das war besonders mit dem Namen der spanischen Produktionsfirma Uninci verknüpft, mit dem Altmeister der schwarzen spanischen Komödie Luis García Berlanga und dem stark an einem sozialen Realismus orientierten Juan Antonio Bardem.

Volkstümliche Komödien wie "Bienvenido Mister Marshall" ("Willkommen Mr. Marshall", 1953) und soziale Dramen wie "Calle Mayor" ("Hauptstraße", 1956) und "Muerte de un Ciclista" ("Der Tod eines Radfahrers", 1955) vermittelten auch ein Stück Systemkritik an der spanischen Zensur vorbei. In diesem Zusammenhang einer drastischen Vermittlung sozialer Realität, gekoppelt mit einem volkstümlichen grotesken Humor steht dann auch Luis Buñuels Film "Viridiana" ("Viridiana"), der von Juan Antonio Bardem produziert wurde und zu einem der heftigsten Zensurskandale des Franco-Regimes führte.

Kino der inneren Emigration

Erreichte das Kino Berlangas und Bardems noch ganz klar sein Publikum gerade durch den Bezug auf ganz eindeutige populäre und volkstümliche Motive, so war das "nuevo cine español", der neue spanische Film der 1960er- und frühen 1970er-Jahre ein Kino der inneren Emigration, der dunklen Distanz zum Regime. Auf ausländischen Festivals waren die verschlüsselten Meisterwerke Carlos Sauras wie "Ana Y Los Lobos" ("Anna und die Wölfe", 1972) oder Victor Erices brillanter "El Espíritu de la Colmena" ("Der Geist des Bienenstocks", 1973) große Erfolge, ein spanisches Publikum erreichten sie allerdings nicht. In den spanischen Filmtheatern dominierte ein sehr plattes Unterhaltungskino, meist Komödien, aber immer auch wieder kleine Meisterwerke des populären Kinos.

Nach Francos Tod im November 1975 und besonders nach dem Ende der Zensur und der Verabschiedung einer neuen Verfassung im Jahr 1978 kam es im kommerziellen Film zum "destape", zum Boom des erotischen Films und zu einem Zuwachs des militanten politischen Kinos. Eine faszinierende Zeit neuer Formen und neuer politischer Pamphlete.

Provokative Subkultur

Vogelperspektive auf die posierende spanische Schauspielerin Penelope Cruz auf dem roten Teppich bei den 79. Academy Awards. Sie war für den Oscar als beste Schauspielerin mit ihrer Hauptrolle in "Volver" nominiert.Die spanische Schauspielerin Penelope Cruz auf dem roten Teppich bei den 79. Academy Awards. (© AP)
War die Kultur der Siebzigerjahre besonders vom plakativen politischen Engagement geprägt, dass auszudrücken, was so lange nicht gesagt werden konnte, kam mit den Achtzigerjahren eine plakativ apolitische, hedonistische Avantgarde zum Zug, die besonders mit lokalen Subventionen in der grauen Beamtenstadt Madrid für Furore sorgte. Die "Movida" war besonders aktiv auf dem Gebiet der Musik, der bildenden Künste und schlug sich auch im Film nieder.

Die Provokation lag in der Subkultur, der Boheme, der Transvestiten und Homosexuellen. Neben Pedro Almodóvar und seinen provokanten Großstadtkomödien wie "Pepi, Luci, Bom y otras Chicas del Montón" (1980), "Laberinto de Pasiones" ("Labyrinth der Leidenschaften", 1982) oder "¿Que he hecho para merecer eso?" ("Womit hab' ich das verdient?", 1984) gehörten ebenso dazu: Fernando Colomos spanisch-marokkanische Drogenkomödie "Bajarse al Moro" (1989) oder Bigas Lunas "Bilbao" (1978) und später seine Spanien-Trilogie "Jamón Jamón" (1992), "Huevos de Oro" ("Macho", 1993) und "La Teta y la Luna" (1994).

In den 1990er-Jahren kamen sehr unterschiedliche Filmemacher mit ihren Erstlingswerken in die Kinos. Mit "Vacas" (1991) begann der ausgebildete Psychiater Julio Médem eine Reihe sehr poetischer, stellenweise geheimnisvoll-symbolischer Filme, die ganz stark an die Kraft des "nuevo cine español", des spanischen Autorenkinos der 1960er-Jahre anknüpften.

Neben Julio Medem standen weitere junge Regisseure wie Juanma Bajo Ulloa und Alex de la Iglesia für ein neues spanisches Kino Anfang der 1990er-Jahre. Auch Mariano Barroso begann mit sehr persönlichen Autorenfilmen wie "Mi Hermano del Alma. Die ersten Filme Ulloas, "Alas De Mariposa" ("Schmetterlingsflügel" 1991) und "La Madre muerta" ("Die tote Mutter", 1993) gingen ebenfalls in diese Richtung, sein dritter Film "Airbag" (1997) war allerdings genau das Gegenteil, eine Hochgeschwindigkeitskomödie, nach allen Regeln des grotesken spanischen Humors. Dort fanden sich auch von Anfang an die Filme Álex de la Iglesias wieder mit "Acción Mutante" (1992), "El Dia de la Bestia" ("Der Tag der Bestie", 1995), "La Comunidad" ("Allein unter Nachbarn", 2000) oder "Crimen Ferpecto" ("Ein ferpektes Verbrechen", 2004)

Faszination des Grauens

Mit Alejandro Amenábar trat ein junger Filmemacher auf den Plan, der sich vehement für einen spanischen Genrefilm einsetzt, während fast zur gleichen Zeit der fünf Jahre ältere Fernando León de Aranoa 1998 mit "Barrio", einer anrührenden Geschichte dreier Jugendlicher in den verödeten Vorstädten Madrids einen ganz neuen sozialen Realismus geschaffen hat.

Viele junge spanische Filmemacher sind heute fasziniert vom klassischen Genre, vom Horror-, Fantasy- oder Science-Fiction-Film. 2008 kamen zwei sehr unterschiedliche Horrorproduktionen in die deutschen Kinos: "El Orfanato" ("Das Waisenhaus") ist der erste Spielfilm des spanischen Regisseurs Juan Antonio Bayona. Handwerklich ist "El Orfanato" solide inszeniert, jedoch vorhersehbar. Klassische Genre-Elemente kommen zum Einsatz, jedoch ohne besondere Effekte oder Emotionen. Kurzum: eine etwas farblose Kopie großer Vorbilder. Ganz anders der fast gleichzeitig entstandene Horrorfilm "Rec". Jaume Balagueró und Paco Plaza verbinden mediensatirische Elemente mit knallharten Genre-Vorgaben. In vielen Nebenfiguren und Handlungselementen werden dabei Themen der spanischen Populärkultur aufgegriffen: Die Formeln des trivialen Fernseh-Infotainments werden ebenso aufs Korn genommen wie die Sensationslust der Nachbarn oder die bösartigen Vorbehalte unter verschiedenen ethnischen Gruppen.

Das erfolgreichste Genre des spanischen Films ist nach wie vor die Komödie. Oft allerdings nur audiovisuelles Boulevardtheater mit beliebten Fernsehschauspielern und abgegriffenen Pointen, Großstadtkomödien um homosexuelle Spitzenköche und trunksüchtige Theaterdiven oder heitere Liebesgeschichten orientierungsloser Jugendlicher. Es gibt aber auch immer wieder konkrete Gesellschaftskritik. So erzählt "Pajaros Muertos" (2008) der Regisseure Guillermo und Jorge Sempere von zwei Familien in einem wohlhabenden Wohnviertel im Grünen, deren sorgsam gehegte Wohlstandsfassade langsam zerbröckelt. Die Familie steht hier, wie häufig im spanischen Film, für die sich auflösenden Werte einer isolierten, neureichen Mittelschicht. Viele Filme drehen sich um die Absurditäten des Arbeitslebens, oder die politische Korruption. So erzählt der Thriller "El Menor de los Males" (2007) von Antonio Hernández mit schwarzem Humor von einem konservativen Politiker, der sich auf dem Landsitz einer Familie in Galizien einer schwangeren Geliebten "entledigen" muss.

Augenzwinkernde Solidarität mit dem Publikum

Viele spanische Filmemacher entdecken auch einfach den Alltag. So erzählt die 34-jährige Irene Cardona in ihrem Debüt "Un Novio para Yasmina" von 2008 humorvoll und einfühlsam vom Leben marokkanischer Immigranten in der südspanischen Provinz. Die Themen der jungen Filmemacher sind häufig privaten Ursprungs, reflektieren dabei aber auch die spanische Gesellschaft. Gemeinsam ist vielen die technische Perfektion, die Kombination von sozialem Realismus und einer augenzwinkernden Solidarität mit dem Publikum.

Von der Ausbildung her kommt die neue Regie-Generation eher vom unabhängigen Kurzfilm als von den staatlichen und privaten Filmschulen. Ein charakteristisches Beispiel ist Daniel Sánchez Arévalo, der in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm "Azuloscurocasinegro" ("dunkelblaufastschwarz") einen seiner preisgekrönten Kurzfilme fortführte. Stellt Sánchez Arévalo seine Protagonisten in ein durch soziale Unterschiede vorgegebenes Spannungsfeld, so erzählen andere junge Filmemacher ihre Generationskonflikte im Milieu der spanischen Linken, der in die Jahre gekommenen Generation der Transición der 1970er-Jahre. So greift der katalanische Regisseur Roger Gual in "Remake" (2006) auf eigene Kindheitserlebnisse zurück und erzählt von einem Wochenende zweier geschiedener Ehepaare und ihrer Kinder, die nach Jahren in ein nordspanisches Bergdorf zurückkehren, wo sie vor Jahren eine Hippiekommune bildeten.

Spanisches Rekordjahr 2007

Der Boom des spanischen Nachwuchsfilms begann vor mehr als zehn Jahren, als direkte Filmförderung nur noch für Debütprojekte vergeben wurde und so junge Regisseure plötzlich für gestandene Produzenten attraktiv wurden. Das führte stellenweise zu ästhetisch und narrativ sehr konventionellen Erstlingsfilmen, die wenig Originalität und eigene Handschrift erkennen ließen. Mittlerweile setzen sich zahlreiche Filme vom konventionellen Erzählduktus des spanischen Films ab. So zeichnet "Yo" (2007) von Rafa Cortés ein ungewohnt dunkles, unheimliches Bild Mallorcas, mit "La Soledad" erzählt Jaime Rosales in drei Handlungssträngen von Tod, plötzlichem Verlust und vom Alleinsein. Und in seinem brillanten Episodenfilm "De Bares" (2006) zeichnet der galizische Regisseur Mario Iglesias in unterschiedlichen Kneipensituationen ein vielschichtiges Bild der Pilgerstadt Santiago de Compostella. Der spanische Film präsentiert im Moment eine Vielfalt von Themen und Stilen. Neben den zahlreichen Nachwuchsregisseuren, den bekannten Matadoren des spanischen Films wie Pedro Almodóvar oder Alejandro Amenábar sind auch die Veteranen des spanischen Films wie Carlos Saura, Jaime de Armiñan oder Manue Gutierrez Aragon weiterhin aktiv. Die Vielfalt des spanischen Films liegt auch an einer zunehmenden Dezentralisierung. Neben den traditionell autonomen Film-Regionen - wie dem Baskenland und Katalonien - kommen seit Jahren auch Impulse aus anderen Gegenden, etwa aus Valencia, Andalusien und aus Galizien.

2007 war ein Rekordjahr für die spanische Produktion: Insgesamt 172 lange Filme, 57 davon Koproduktionen, 37 Dokumentar- und fünf Animationsfilme. Dazu wurden nach offiziellen Angaben noch mindestens 156 Kurzfilme produziert. Das entscheidende Problem des spanischen Films, heißt es von Seiten der Vereinigung der spanischen Produzenten, sei nicht die Produktion, sondern der Verleih, also der Weg spanischer Filme zu ihrem Publikum. Aber da steht das spanische Kino in Europa nicht alleine.
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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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