kulturelle Bildung

25.6.2012 | Von:
Riklef Rambow und Nicola Moczek

Partizipative Stadt- und Raumgestaltung

Prinzessinnengarten in KreuzbergPrinzessinnengarten in Kreuzberg (© Moczek/Rambow)

Prinzessinnengarten

Seit Sommer 2009 befindet sich in Berlin-Kreuzberg der 6000 Quadratmeter große Prinzessinnengarten. 60 Jahre lang war der Ort eine Brache, heute wachsen dort Gemüse- und Kräutersorten in Bioqualität, es gibt ein Gartencafé, Workshops und Veranstaltungen. In einem Bezirk mit hoher Verdichtung, wenig Grün und vielen sozialen Problemen schaffen Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam einen Ort urbanen Lebens. Da der Betreiber Nomadisch Grün gGmbH die Fläche von der Stadt jeweils nur für ein Jahr mieten kann, gleicht der Garten einer temporären Installation: Die Gebäude bestehen aus Containern und die Pflanzen werden in recycelten Bäckerkisten, Reissäcken und Tetra-Paks angepflanzt. Das macht den Garten mobil und ermöglicht einen Anbau auch auf versiegelten Flächen. Urban Gardening ist der Fachbegriff für diese Form des gemeinschaftlichen Gärtnerns, weltweit gibt es viele solcher Projekte. Ihnen allen ist gemein, dass vormals brach liegende Flächen in Gärten umgewandelt werden. Besonders spektakuläre Beispiele finden sich derzeit in Detroit und anderen amerikanischen Städten. Unter dem Begriff ‚Urban Farming’ wachsen derzeit tausende Gemüsegärten, oft verknüpft mit dem Anspruch nicht nur sinnvolle Beschäftigungsangebote zu bieten, sondern schlicht und einfach auch die lokale Versorgung mit gesundem Gemüse für arme Bevölkerungsschichten zu sichern.

Der Garten in Kreuzberg unterliegt keiner starren Planung, sondern wird definiert und wächst durch die Ideen und Projekte, die seine unterschiedlichen Nutzer/-innen einbringen. Jeder kann mitgärtnern, für Garten-Anfänger gibt es entsprechende Einführungsabende. Das geerntete Gemüse wird ausschließlich in der Gartenküche verwertet, durch den Verkauf der Speisen und Spenden finanziert sich das Projekt. Die Kombination aus städtischer und privater Verantwortung sichert diesem Projekt den Erfolg.

Tempelhofer Freiheit

Eröffnungsfest der Tempelhofer FreiheitEröffnungsfest der Tempelhofer Freiheit (© Moczek/Rambow)
Derzeit das spektakulärste Projekt in Berlin ist der stillgelegte Flughafen Tempelhof, und dies nicht nur wegen seiner enormen Größe. Nach rund 100 Jahren Nutzung als Flugfeld hat sich das Areal seit der Schließung im Oktober 2008 und Wiedereröffnung im Mai 2010 rasant in eine riesige Spielwiese verändert. So spontan und ungeplant manche der Bereiche auch aussehen, es eint sie doch eine lange Planungsgeschichte. 1994 wurde ein erstes Gutachten zu einer Nachnutzung in Auftrag gegeben, 1995 tagte die erste Konzeptwerkstatt mit internationalen Experten, 1998 folgte eine Zukunftswerkstatt als Grundlage für den Masterplan der Nachnutzung. Seit 2007 wurde auch die lokale Bevölkerung in die Planung einbezogen, u.a. fanden moderierte Ideenwerkstätten, Fachdiskussionen, Online-Dialoge, Ausstellungen und Veranstaltungen statt, welche von über 36.000 Besuchern/-innen genutzt wurden, insgesamt wurden rund 1.300 Vorschläge eingebracht. Dieser riesige Ideenpool wurde zu vier Schwerpunktthemen verdichtet, denen die heutige, temporäre, Nutzung folgt: Tempelhof als Grün- und Freifläche, Sport und Bewegung, Kreativwirtschaft sowie Wohnen. Seit Juni 2009 wurden das Leitbild und das städtebauliche Konzept weiterentwickelt. Verantwortlich, auch für die ökonomische Entwicklung, ist der Entwicklungsträger Tempelhof Projekt GmbH. Auf drei sogenannten Pionierfeldern können im Zeitraum bis 2014 bzw. 2016 noch Projekte umgesetzt werden, danach werden sie neuen Nutzungen zugeführt. Unter anderem ist ein Bildungsquartier mit dem Neubau der Zentral- und Landesbibliothek geplant, Unternehmen aus den Bereichen der Clean Technologies, dem Aus- und Weiterbildungssektor und der Gesundheitswirtschaft sollen angesiedelt werden. Wohnungsbau ist in den Bereichen am Columbiadamm, dem Tempelhofer Damm und entlang der Oderstraße vorgesehen. Kernstück ist und bleibt eine riesige Parklandschaft, die sich in den kommenden Jahren zu einem modernen Freiraum mit hoher Gestaltungsqualität entwickeln soll.

Der Park ist täglich von Sonnenauf- bis -untergang geöffnet. Neben der freien Nutzung des Geländes werden auch geführte Touren angeboten, u.a. in das 300.000 Quadratmeter große, denkmalgeschützte Flughafengebäude. Die nächsten großen Meilensteine sind die Realisierung der neuen Parklandschaft und die Ausrichtung der IGA, der Internationalen Gartenausstellung im Jahr 2017.


Skyline von Schanghai
Dossier

Megastädte

Die Welt wird Stadt: Erstmals leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Und 2005 zählten die Vereinten Nationen zum ersten Mal 20 Megastädte weltweit. Das Dossier stellt nach und nach alle 20 vor und erschließt Hintergründe der Verstädterung.

Mehr lesen