kulturelle Bildung

1.8.2018

Rubens, Du und ich

Am Nachmittag stellte Stephanie Sonntag das Projekt "Rubens, Du und Ich" vor. Das Projekt des Museumsdienstes der Stadt Köln zentralisierte mit Blick auf Identitätsfragen die Verhandlung des Themas Freundschaft. Das Museum wurde dabei als geschützter Raum vorgestellt, in dem Identitätskonflikte – abseits ihrer theoretischen Dimension – praktisch mit den Jugendlichen erarbeitet wurden.

Stephanie SonntagStephanie Sonntag (© Ast/Juergens)

Im Fokus des Vortrags stand die Praxis der kulturellen Bildung. Dabei wurde ein Projekt aus der Kunstvermittlung des Wallraf-Richartz-Museums und der Fondation Corboud vorgestellt. Die Referentin Stephanie Sonntag wies darauf hin, dass das Projekt im Kontext des Museumsdienstes angesiedelt ist, der Vermittlungsarbeit in zehn städtischen Museen leistet. Im Rahmen von "Schule im Museum“ (Programm) werden neben dem vorgestellten Projekt auch Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer sowie ganze Kollegien angeboten.

Gemälde "Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde" von Peter Paul RubensGemälde "Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde" von Peter Paul Rubens (© Lizenzfrei / Public Domain)

Das vorgestellte Projekt "Rubens, Du und Ich“ geht von dem Gemälde des gleichnamigen Künstlers "Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde“ (um 1602/1605) aus. Rubens stand zu dem Zeitpunkt, als er das Bild malte, noch am Anfang seiner Karriere. Er hatte ein Reisestipendium für einen Aufenthalt in Mantua erhalten. Das Bild zeigt den Maler im Kreise einiger Freunde, einer könnte beispielsweise Galileo Galilei sein. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Konstellation in dieser Form nie wirklich zusammengekommen ist (so ist es etwa unwahrscheinlich, dass der gezeigte Justus Lipsius anwesend war) – es scheint eher eine Art "geistige Visitenkarte“ zu sein. Thematisch hebt das Bild somit auf Identität im Kontext von Freundschaft ab.

Das Projekt "Rubens, Du und Ich“

In der Kunstvermittlung sei es wichtig, die Relevanz für die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler herauszuarbeiten, so Sonntag. Nicht die konkreten historischen Fakten sollten im Vordergrund stehen, sondern, dass die Schüler/-innen etwas "für sich persönlich mitnehmen.“ In Bezug auf das Gemälde Rubens bedeute dies, die Frage zu stellen, was Freundschaft heute bedeute. Dafür müsse allerdings zunächst gefragt werden: "Wer bin ich?“ Schließlich sei für die Ausbildung der Identität der freundschaftliche Rahmen unerlässlich.

Um diese Fragen in den Blick zu bekommen, ging das Projekt "Rubens, Du und Ich“ zunächst der Konzeption von Freundschaft nach, die im Original gezeigt wird. Die Schulklassen stellen in Fotoshootings das Bild des "Meisters“ nach. Eingerahmt wurde dies durch Diskussionen, die die Bedeutung der jeweiligen Positionen herausarbeiteten und fragten, ob die eingenommene Position dem jeweiligen Selbstverständnis der Schülerin bzw. des Schülers entspricht. In der zweiten Phase des Projekts folgte nun eine freie Inszenierung von Freundschaft, in dessen Vordergrund die Darstellung der eigenen Identität stand (Beispielbilder).

Sonntag führte aus, dass das Projekt oft am Anfang einer weitreichenden Reflexion über das Gemälde stand. So äußerte eine Schülerin: "Das Bild wirft viele Fragen auf und man muss sich etwas mit ihm beschäftigen, um alles zu verstehen.“ Wie beschrieben erarbeiteten die Gruppen anhand der Posen der Figuren des Bildes Erkenntnisse über deren Einstellung so wie die eigene Darstellung. Sonntag machte deutlich, dass ihres Erachtens der "erste Pädagoge“ der Raum sei. Der geschützte Raum des Museums biete den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zur freien Entfaltung. Im Rahmen der freien Inszenierungen hoben die Schülergruppen meistens ein gemeinsames Markenzeichen heraus. Dabei differierten die Dechiffrierungen des Freundschaftscodes zwar stark, die Unterschiede zu Rubens waren jedoch oft nicht allzu groß. Die sechs besten Arbeiten wurden demokratisch ermittelt sowie reproduziert und ausgestellt. Bei der eigentlichen Ausstellung gab es dann zudem die Möglichkeit zu kommentieren, was Freundschaft bedeute, bzw. wie das Projekt gefallen habe.

Eine neue Zusammenkunft?

Abschließend schlussfolgerte Sonntag, dass Kunstvermittlung ohne Worte besser und tiefer sein kann. Es sei wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler auch etwas über "sich“ erfahren. Zudem müsse der Aktualitätsbezug im Vordergrund stehen.

Das Projekt ist buchbar und dauert 90 Minuten. Im Rahmen einiger Nachfragen durch das Publikum führte Sonntag aus, dass die Form des Projekts auch an andere Themen anschlussfähig sei. Dem Museum gelinge es als außerschulischer Raum bestehende Muster auszuklammern. Auch sei während des Projekts Identität in sozialen Medien zur Sprache gekommen. Die Schülerinnen und Schüler berichteten von Erfahrungen der Überforderungen, dem Nachbearbeiten von Profilbildern u.v.m. Allerdings schien dies im Museum von ihnen abzufallen, da es als eine neue Art von Zusammenkunft wahrgenommen wurde.

von Simon Clemens


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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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