kulturelle Bildung

10.9.2019

Fake News – Von der Verantwortung, sich eine eigene Meinung zu bilden

Workshop am 5. Juni 2019 mit Verena Friederike Hasel

Eine junge Frau mit langen roten Haaren und einem lauen Kleid steht im Rampenlicht einer Bühne. Sie hält ein Manuskript in der linken Hand und spricht zu den Zuhörern im Saal. Neben ihr auf der Bühne ist ein Stehtisch mit Laptop und hinter ihr ein ein länglicher senkrechter Aufsteller mit der Aufschrift "phil.cologne – Internationales Festival der Philosophie - 7" zu sehen. Die Leinwand im Hintergrund der Bühne zeigt einen weißen Hintergrund. Darauf steht: "Einige Fragen, um die es heute geht – Was sind Fake News? Wie könnt ihr euch sicher sein, dass das, was ihr an Nachrichten lest, wirklich wahr ist? Wie ist es überhaupt mit der Wahrheit im Journalismus? Gibt es eine unumstößliche Wahrheit?".Verena Friederike Hasel fragt: "Wie ist das mit der Wahrheit im Journalismus?". (© Ast/Juergens)

Thema des KLASSE DENKEN Workshops der Journalistin Verena Friederike Hasel war eine philosophische Betrachtung von Fake News. Zu Beginn der Veranstaltung erklärte Hasel, Fake News müsse man von einfachen Falschmeldungen unterscheiden. Hinter Fake News verbürge sich immer ein/-e Urheber/-in, der/die bewusst die Absicht verfolge Leser/-innen zu täuschen oder zu manipulieren. In einer liberalen Gesellschaft sei es Hasel zufolge deshalb wichtig, für einen kritischen Umgang mit Informationen – besonders im Internet – zu sensibilisieren. In der gemeinsamen Diskussion nannten die Schüler/-innen verschiedene Motive, Fake News zu verfassen: Dazu gehöre politischer Hass, Aufmerksamkeit aber vor allem auch die Absicht Geld zu verdienen, beispielsweise indem eine Webseite durch das Posten von Fake News besonders hohe Klickzahlen generiere.

Fake News erkennen

Anhand verschiedener Internetnachrichten diskutierte Hasel mit den Schüler/-innen, welche Strategien es gebe, Fake News zuverlässig zu erkennen. Ein erster Anhaltspunkt sei, das Impressum (ggf. auch FAQ) einer Webseite zu kontrollieren, um Rückschlüsse auf die Urheber/-innen bestimmter Meldungen und Nachrichten zu ziehen. Darüber hinaus müsse Hasel zufolge auch mit Bildquellen sorgfältig umgegangen werden. Hierfür sei es ratsam, Bilder über Google zu ihrem Ursprung zurückverfolgen zu lassen. Die Schüler/-innen könnten sich zudem an sogenannte Faktencheck-Stellen bekannter Zeitungen und Medienhäuser wenden, bei denen ausgebildete Journalist/-innen Fake News identifizieren. Empfehlenswert sei es zudem, den Namen einer Quelle bzw. einer Zeitung genau zu prüfen und nie nur die Überschrift einer Meldung zu lesen. Die Referentin verwies in diesem Zusammenhang auf den Fake-News-Blog Handelblatt, welcher mit seinem Namen bewusst auf die etablierte Zeitung Handelsblatt anspiele. In der gemeinsamen Diskussion erörterten die Schüler/-innen, dass es auch hilfreich sei zu prüfen, ob mehrere Zeitungen und Medien über den gleichen Sachverhalt berichten und dass zweifelhafte Informationen auch gegebenenfalls direkt bei Behörden und Institutionen erfragt werden können.

Wie ein Spaziergang am Strand

Die ambivalente Rolle von Informationen aus dem Internet verdeutlichte Hasel mithilfe einer Metapher: Sich über das Internet zu informieren sei wie ein Spaziergang am Strand. Man finde einige Schätze, aber auch viel Müll. Die Herausforderung bei Informationen aus dem Internet bestehe darin, dass sie nicht immer redaktionell geprüft seien und sich daraus eine neue Verantwortung für die Leser/-innen – insbesondere demokratischer Gesellschaften – schließen lasse. In der weiterführenden Diskussion erörterte Hasel mit den Schüler/-innen, dass zwischen Falschmeldungen und Fake News ein Unterschied bestehe: Eine berühmte Falschmeldung sei beispielsweise die Meldung des vermeidlichen Todes des ehemaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion Michail Sergejewitsch Gorbatschow, die dadurch entstanden war, dass verschiedene Zeitungen falsche Informationen voneinander abschrieben. Im Unterschied zu dem Verfassen von Fake News sei diese Meldung jedoch ein Fehler und nicht als Täuschung intendiert.

Wahrheit als Frage der Perspektive

Zum Abschluss des Gesprächs diskutierte Hasel mit den Schüler/-innen, dass Wahrheit im Journalismus und in einer Demokratie oft auch eine Frage der Perspektive sei. Anhand eines medial viel diskutierten Bildes vom G7 Gipfel 2018, auf dem der U.S.-amerikanische Präsident Donald Trump in der Mitte der anderen Staats- und Regierungschefs zu sehen ist [1], diskutierten die Schüler/-innen, dass insbesondere Bilder unterschiedlich gedeutet werden können und damit auch unterschiedliche Wahrheiten verbreiten. Eine Schülerin bemerkte, dass es beim Beziehen von Informationen deshalb wichtig sei, die eigenen Erwartungen zu reflektieren. Hasel ergänzte, dass es insbesondere hinsichtlich der Themen, die die Schüler/-innen besonders interessieren immer ratsam sei, verschiedene Zeitungen und Quellen zu lesen. Aus der Perspektive politischer Bildung sei es essentiell, sich die Kontroversität von Informationen und Meinungen bewusst zu machen.

von Niko Gäb

Fußnoten

1.
Siehe z. B. "Alles eine Frage der Perspektive", FAZ.net vom 11.06.2018, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/g7-foto-von-merkel-und-trump-alles-eine-frage-der-perspektive-15634656.html.

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