kulturelle Bildung

23.7.2009 | Von:
Wolfgang Schneider

Akteure der kulturellen Bildung

Deutscher Kulturrat

Diese Umsetzung fordern vor allem die freien Träger ebenso wie die Institutionen der kulturellen Bildung. Der Deutsche Kulturrat als Dachverband aller kultur- und medienpolitischen Organisationen plädiert für eine Reform der Kultur- und Bildungspolitik, deren zentrales Anliegen es sein müsse, kulturelle Bildung zu fördern. In der "Konzeption Kulturelle Bildung III" [2005 im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt] werden die Forderungen zusammengefasst, die Rahmenbedingungen aufgelistet, die Infrastruktur analysiert sowie Aspekte wie Arbeitsmarkt und Qualifizierung untersucht. Die grundlegendste Aussage machte der Kulturrat in einem Aufruf zur kulturellen Daseinsvorsorge von 2004. Dort wird auch definiert, welche Kulturpolitik kulturelle Bildung in der Gesellschaft konstituieren sollte: "Daseinsvorsorge im Bereich der Kultur meint ein flächendeckendes Kulturangebot in den verschiedenen künstlerischen Sparten, das zu erschwinglichen Preisen, mit niedrigen Zugangsschwellen breiten Teilen der Bevölkerung kontinuierlich und verlässlich zur Verfügung steht."

Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung

Wichtiger Akteur innerhalb der kulturpolitischen Verbände ist die BKJ, die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, ebenfalls ein Dachverband von mehr als 50 bundesweit agierenden Fachverbänden, Institutionen und Landesvereinigungen. Vertreten sind die Bereiche Musik, Spiel, Theater, Tanz, Rhythmik, bildnerisches Gestalten, Literatur, Fotografie, Film und Video, neue Medien und kulturpädagogische Fortbildung, darunter z.B. der Verband der Musikschulen, der Bundesverband der Jugendkunstschulen und das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland. Die BKJ nimmt die jugend- und kulturpolitische Interessenvertretung auf Bundesebene sowie auf europäischer Ebene wahr, pflegt den Informationsaustausch der Mitgliedsverbände, entwickelt Modelle und Perspektiven der Kinder- und Jugendkulturarbeit, veranstaltet Fachtagungen und veröffentlicht Publikationen, zum Beispiel in der Schriftenreihe "Kulturelle Bildung" (München).

In ihrem Tätigkeitsbericht für 2008 bekundet die BKJ das besondere Interesse, in Qualität zu investieren: "Man muss über die Förderung notwendiger Voraussetzungen nachdenken – beispielsweise über Ausbildungsqualitäten und Kompetenzen von Fachkräften, in der künstlerischen Arbeit Selbstwertgefühle zu stärken oder über die Kompetenzen von Eltern, Kreativität und Kulturelle Bildung zu fördern. Man muss über Rahmenbedingungen nachdenken, die vorhandenen Strukturqualitäten sollten die Chancen der Persönlichkeitsbildung mit und durch Kunst nicht beeinträchtigen." Darüber hinaus müssten Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung entsprechend der unterschiedlichen Handlungsfelder aufgestellt werden: "in nationalen und internationalen, produktiven und rezeptiven Kontexten, von der Frühförderung über die schulische Bildung bis hin zu Feldern des lebenslangen Lernens und des bürgerschaftlichen Engagements. Und stets gilt es, darauf zu achten, die Stärken der Kulturellen Bildung in ihrer Qualität zwischen der Vermittlung von Kunst und Gesellschaft bestmöglich zu entfalten. Im Mittelpunkt steht der Mensch, stehen insbesondere Kinder und Jugendliche und das Bemühen, Zugänge zur Kultur zu erweitern, Erfahrungs- und Entfaltungsräume anzubieten, die an künstlerische Arbeitsweisen heranführen und kreativen Eigensinn sowie Selbstbewusstsein befördern."

Fachhochschulen und Universitäten

Zur Ausbildung in Theorie und Praxis der kulturellen Bildung tragen die Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland bei. In unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen und -pädagogischen Studiengängen, aber auch in allen Künsten und ihrer Vermittlung finden sich Angebote, kulturelle Bildung zu studieren. An der Universität Hildesheim wurde 2009 die erste Professur für "Kulturelle Bildung" eingerichtet. Zur Fort- und Weiterbildung dienen die Kurse und Zertifikate der Bundesakademien für kulturelle Bildung (Wolfenbüttel) und für musikalische Jugendbildung (Trossingen), der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung sowie die mehr als 2.000 Volkshochschulen in den Kommunen. Kulturelle Bildung ist auch Gegenstand und Methode des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der einen Kulturauftrag wahrnimmt, welcher selbstverständlich die Kulturvermittlung einschließt. Ob in Kulturmagazinen und -kanälen oder in Medienpartnerschaften mit der Kulturlandschaft: Die kulturelle Bildung in ARD und ZDF, in Arte und 3 Sat gerät immer wieder in die Diskussion, bedarf aber der Sicherung mindestens durch die Selbstverpflichtung der Sender.

Teilhabende Akteure

Kulturelle Bildung hat viele Akteure; vor allem sind es diejenigen, die teilhaben: Kinder, Jugendliche, Erwachsene; die Künstler, die Kulturschaffenden und die Kulturvermittler; in den Soziokulturellen Zentren, in den Theatern, in den Schulen, in den Parlamenten, in den Magistraten, in den Landratsämtern; in den Vereinen, Verbänden und Netzwerken. Kulturelle Bildung ist eine politische Querschnittsaufgabe, und von daher sind die Akteure auch in den unterschiedlichen Politikfeldern zu Hause: im Bildungsbereich, in der Kulturpolitik, in der Jugendhilfe. Kulturelle Bildung ist aber auch eine gesellschaftliche Aufgabe; denn sie braucht alle Bürger, um sozial wirken zu können, um Kreativität nutzbar zu machen, um die künstlerische Kommunikation zu pflegen – ein Leben lang! Kulturelle Bildung ist auch interkulturell, interdisziplinär und international und insofern auch ein komplexes Gebilde, das es zu gestalten gilt; die Akteure ermöglichen, konzipieren und praktizieren kulturelle Bildung, sie sind mit Produktion, Distribution und Rezeption beschäftigt; alle sollten an kultureller Bildung partizipieren!

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