kulturelle Bildung

23.7.2009 | Von:
Richard Stang

Kulturelle Erwachsenenbildung

Dass es einen Bedarf an kulturellen Bildungsangeboten gerade in diesen Zielgruppen gibt, lässt sich zum Beispiel an der Entwicklung der Altersstruktur der Teilnehmenden an Angeboten der Kulturellen Bildung im Volkshochschulbereich zeigen (siehe folgende Tabelle).

Altersstruktur der Teilnehmenden im Programmbereich "Kultur – Gestalten" der Volkshochschulen
  1991 1999 2007
Unter 18 Jahre 12,1% 10,3% 10,9%
18-24 Jahre 13,8% 9,1% 5,6%
25-34 Jahre 28,8% 24,7% 14,4%
35-49 Jahre 24,7% 28,8% 33,1%
50-64 Jahre 14,5% 19,8% 22,9%
65 Jahre und älter 6,1% 7,4% 13,0%
Quelle: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung


Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die kulturelle Erwachsenenbildung vornehmlich von Frauen genutzt wird. So nahmen 2007 an den Angeboten des Programmbereichs "Kultur – Gestalten" im Volkshochschulbereich 78,1% Frauen und nur 21,9% Männer teil [6]. Hier gilt es in Zukunft, verstärkt Aktivitäten zu unternehmen, damit die gesellschaftliche Reputation von kultureller Erwachsenenbildung insgesamt verbessert wird und damit auch die Akzeptanz in der Breite der Bevölkerung. Die Angebote der kulturellen Erwachsenenbildung liefern hier vielfältige Argumente.

Kulturelle Erwachsenenbildung kann entscheidend zur Entwicklung biografischer Gestaltungskompetenz in der Breite der Bevölkerung beitragen, indem sie unter anderem:
  • gestalterische Fähigkeiten und Kreativität fördert,
  • für die verschiedenen Formen künstlerischen Ausdrucks sensibilisiert,
  • kulturelle und kommunikative Kompetenzen erweitert,
  • Medienkompetenz entwickelt und
  • für soziokulturelle und interkulturelle Lebenszusammenhänge sensibilisiert.

Institutionelle Kontexte und Zielgruppen

Kulturelle Erwachsenenbildung findet heute in den unterschiedlichsten institutionellen Kontexten statt, was eine Beschreibung einer einheitlichen Struktur erschwert, gleichzeitig allerdings auch die Vielfalt und Zielgruppenbezogenheit abbildet. Neben den klassischen Weiterbildungseinrichtungen, wie zum Beispiel Volkshochschulen und kirchliche Bildungseinrichtungen, sind es Kultureinrichtungen, wie Bibliotheken, Museen und Theater, sowie sozio-kulturelle Zentren, Kulturvereine und private Initiativen, die Angebote im Bereich der kulturellen Erwachsenenbildung entwickeln und realisieren. Auch im Kontext des Seniorenstudiums werden kulturelle Bildungsangebote zur Verfügung gestellt und stark nachgefragt.

Diese institutionelle Anbietervielfalt spiegelt sich auch bei den Angeboten wider. Neben kunst- und kulturbezogenen Angeboten, unter anderem in den Bereichen Literatur, Theater, Bildende Kunst, Musik und Kulturgeschichte, sind es vor allem Angebote im Bereich künstlerisch-kreatives Gestalten (zum Beispiel Malen, Zeichnen, plastisches Gestalten, Theaterarbeit, musikalische Praxis, Medienpraxis und Tanz), die das Bild der kulturellen Erwachsenenbildung prägen.

Gleichzeitig lassen sich Unterschiede durch die regionale Verortung von kultureller Erwachsenenbildung feststellen, je nachdem, ob sie im städtischen oder ländlichen Umfeld realisiert wird [7]. Je nach Kontext nimmt die kulturelle Erwachsenenbildung unterschiedliche Aufgaben wahr. Dabei entzieht sie sich ein Stück weit dem Effektivitätsdenken unter einer Input/Output-Perspektive, die heute auch bezogen auf Bildung häufig vorherrscht. Doch durch die PISA-Studien ist deutlich geworden, dass es auch der Förderung des kreativen Potenzials in Bildungsprozessen bedarf. Es verwundert in diesem Zusammenhang nicht, dass seit wenigen Jahren vor allem der schulische Bereich in den Blick genommen wird, wenn es um kulturelle Bildung geht. Doch greift dies zu kurz. Es bedarf ebenso einer Förderung der kulturellen Erwachsenenbildung.

Fußnoten

6.
Vgl. Reichart/Huntemann 2008, S. 36.
7.
Vgl. Gieseke/Opelt 2005.
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