kulturelle Bildung

29.9.2009 | Von:
Wolfgang Sander

Was ist politische Bildung?

Das fachliche Profil politischer Bildung: Ziele, Inhalte, didaktische Prinzipien

In einem Entwurf der GPJE für nationale Bildungsstandards für den schulischen Fachunterricht in der politischen Bildung wird einleitend das heutige Selbstverständnis politischer Bildung treffend wie folgt beschrieben:

"In einer Demokratie gehört es zu den Bildungsaufgaben der Schule, alle Menschen zur Teilnahme am öffentlichen Leben zu befähigen. Durch politische Bildung fördert die Schule bei jungen Menschen die Fähigkeit, sich in der modernen Wirtschaft und Gesellschaft angemessen zu orientieren, auf einer demokratischen Grundlage politische Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen und sich in öffentlichen Angelegenheiten zu engagieren. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur stets neu zu schaffenden Demokratiefähigkeit junger Menschen. Zusammenfassend lässt sich diese Zielperspektive politischer Bildung als Entwicklung politischer Mündigkeit bezeichnen."[8]

Diese allgemeine Zielperspektive lässt sich im Wesentlichen mit den Zielbereichen der politischen Urteilsfähigkeit, der politischen Handlungsfähigkeit, fachbezogenen methodischen Fähigkeiten sowie dem dafür erforderlichen Wissen konkretisieren [9] . Diese Ziele sind heute kaum umstritten; lediglich in Teilbereichen der außerschulischen politischen Bildung gibt es, wie oben angedeutet, noch Tendenzen, auch trägerbezogene Interessen in Zielen politischer Bildung zur Geltung zu bringen, was jedoch in der Politikdidaktik überwiegend kritisch gesehen wird, weil dies mit dem Beutelsbacher Konsens und der Leitidee der Mündigkeit der Lernenden in Konflikt geraten kann.

Inhaltlich bezieht sich politische Bildung, auch dies ist innerfachlich unbestritten, auf Politik. Allerdings finden sich in Theorie und Praxis politischer Bildung unterschiedlich weit oder eng gefasste Politikbegriffe. Ansätze auf der Grundlage eines engeren Politikbegriffs stützen sich meist auf die Politikwissenschaft als Referenzdisziplin und wollen politische Bildung in erster Linie auf politische Entscheidungsprozesse und das politische System mit seinen verschiedenen Ebenen fokussiert sehen; weitere Politikbegriffe betrachten auch andere Sozialwissenschaften wie Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Sozialpsychologie und (Zeit-)Geschichte als relevant für politische Bildung und präferieren ein entsprechend weiter gefasstes Themenspektrum.

Als sinnvoller Mittelweg zeichnet sich laut GPJE ein Verständnis von Politik als "Regelung von grundlegenden Fragen und Problemen des gesamtgesellschaftlichen Zusammenlebens" ab [10]. Hiernach können fast alle sozialen Situationen Gegenstand politischer Bildung werden – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass in ihnen Probleme des Zusammenlebens zum Ausdruck kommen, die zumindest von relevanten Gruppen der Gesellschaft als politisch regelungsbedürftig definiert werden. Das kann beispielsweise Kopftücher, Kinderbetreuung, Verbreitung von Texten, Bildern und Musik im Internet oder bestimmte Formen von Jugendkultur betreffen – aber immer unter der Perspektive, welche politischen Positionen, Handlungen oder Entscheidungsalternativen hierbei jeweils zum Ausdruck kommen oder in anderer Weise von Bedeutung sind, etwa durch die Frage nach einem politischen Regulierungsbedarf. Dennoch ergeben sich aus dieser hier nur an Beispielen angedeuteten Vielfalt möglicher Themen große Chancen für fächerübergreifende Kooperationen in der politischen Bildung – nicht zuletzt auch mit dem Bereich der kulturellen Bildung.

Hinsichtlich der Ansprüche an die didaktische Qualität praktischer politischer Bildung gibt es in der Politikdidaktik ebenfalls einen faktischen Basiskonsens, zumindest aber keine völlig gegensätzlichen Vorstellungen. So gelten heute die didaktischen Prinzipien der Adressatenorientierung, des exemplarischen Lernens, der Problemorientierung, der Kontroversität sowie der Handlungs- und Wissenschaftsorientierung als besonders wichtig für die Planung von Lernangeboten in der politischen Bildung [11], wobei von Fall zu Fall unterschiedliche Gewichtungen sowie Ergänzungen durch weitere Prinzipien möglich sind.

Fußnoten

8.
GPJE 2004, S. 9.
9.
GPJE 2004, S. 13ff.; Sander 2008, S. 71ff.
10.
GPJE 2004, S. 10; ähnlich bei Sander 2008, S. 58ff.
11.
Vgl. Sander 2005, S. 79 ff; Sander 2008, S. 190 ff.
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