kulturelle Bildung

3.11.2009 | Von:
Sabine Dengel & Milena Mushak

Neue Wege für die politische Bildung

Projekte der kulturellen politischen Bildung bei der bpb

Die bpb verfolgt das Ziel, möglichst viele Menschen für Angebote der politischen Bildung zu öffnen. Ein wichtiger Baustein ist die Auseinandersetzung mit aktuellen kulturellen Angeboten aller Sparten – von Film über Musik und Theater bis hin zu Performance oder Mode. Einige Beispiele von erfolgreichen bpb-Projekten.

Griechisches Nationaltheater Athen: Stalin – Eine Diskussion über das (griechische) Theater, 7. Festival Politik im Freien Theater. Foto: M. StafylidouGriechisches Nationaltheater Athen: Stalin – Eine Diskussion über das (griechische) Theater, 7. Festival Politik im Freien Theater (© bpb, M. Stafylidou)

Politische Bildung verfolgt das Ziel, Menschen zu autonomen und mündigen Staatsbürgern zu erziehen, indem Kenntnisse über das demokratische System vermittelt und Kompetenzen für demokratisches Handeln gestärkt werden – es geht also darum, Demokratie zu lernen.

Vor diesem Hintergrund befasst sich der folgende Beitrag mit der Programmatik der Stadtteil- und Soziokultur, weil diese junge Kultursparte vor rund 30 Jahren unter dem Motto "Kultur für alle" antrat, eine "Demokratisierung durch Kultur" bzw. "Demokratisierung der Kultur" voranzutreiben. Durch Strategien und Methoden der Kultur sowie durch die Eröffnung der Teilhabechancen an der Kultur sollte eine Demokratisierung der Gesellschaft insgesamt angestoßen werden.


Das Thema kulturelle Bildung wird zurzeit aus unterschiedlichen Gründen und Perspektiven breit diskutiert. Die Aktualität und Intensität dieser Debatte haben verschiedene Ursachen. Im Wesentlichen geht es dabei um den Versuch, einen angemessenen Umgang mit komplexen gesellschaftlichen Veränderungen zu finden, die auch die politische Bildung und ihre Träger vor neue Aufgaben und Herausforderungen stellen.

Die Veränderungsprozesse, auf die sie reagieren müssen, sind vielfältiger Art: die zunehmend heterogene Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften durch Zuwanderung, das Auseinanderdriften der sozialen Milieus im Kontext sozioökonomischen Wandels, die Reformen der Bildungssysteme und -strukturen angesichts von PISA und Bologna, aber auch die Transformation der Geschlechterbeziehungen, der Rückgang politischer Beteiligung und abnehmendes politisches Interesse.

Hinzu kommt eine Medienlandschaft, die einerseits ein breitgefächertes Spektrum an Informationsmöglichkeiten und Partizipation bietet sowie eine enorme Geschwindigkeit und Aktualität, die aber andererseits unter diesem Druck teilweise Abstriche in punkto Qualität eingehen muss oder sich verstärkt Strategien wie Skandalisierung und Sensationalisierung bedient. Neue Kommunikationsmedien wie Twitter, Facebook oder Youtube beschleunigen die Verbreitung von Inhalten zwar in einem bisher nicht möglich gewesenem Ausmaß, erschweren die Verifizierung von Quellen und Nachrichten aber eklatant.

Ebenso unterschiedlich wie der gesellschaftliche Wandel sind die Herausforderungen, die sich daraus für die politische Bildungsarbeit ergeben. Klassische Felder wie Geschichtsvermittlung oder Erinnerungsarbeit müssen im Zuge der Einwanderungsgesellschaft neu gedacht werden. Veränderungen in der Mediennutzung müssen berücksichtigt und die Möglichkeiten neuer Medien – wie Computerspiele oder Onlineportale – in die politische Bildungsarbeit einbezogen werden. In der durch das Internet massiv angestiegenen Informationsflut gilt es, Orientierungspunkte zu schaffen, eine kritische Perspektive zu vermitteln und den Blick auf vermeintliche Fakten zu schärfen.

Zugleich benötigt die politische Bildung ein Instrumentarium, das der zunehmenden Vielfalt der Gesellschaft gerecht wird. Der Anteil 'politikferner' Zielgruppen wird nicht nur immer größer, sondern zugleich in sich heterogener. Dachte man vor einigen Jahren den Begriff 'politikfern' synonym mit 'bildungsfern' und assoziierte damit Menschen aus sozial benachteiligten Milieus, so präsentiert sich die Situation in der Gegenwart sehr viel differenzierter. Auch Bürgerinnen und Bürger mit relativ hohem Bildungsniveau sind nicht unbedingt automatisch politikinteressiert und stets tagesaktuell "auf dem Laufenden".

Darüber hinaus hat sich die Rezeptionskultur breiter Bevölkerungsschichten und -kreise verschoben. Nicht nur im Alltag von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielt Kultur – allem voran Musik, Film und unterschiedliche Unterhaltungsmedien – eine zentrale Rolle.

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Film

Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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