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kulturelle Bildung

15.8.2010 | Von:
Elke Josties

Jugendkulturarbeit

Wende

Eine Besonderheit prägte die Jugendkulturarbeit der 1990er-Jahre insbesondere in den neuen Bundesländern: Nach der Wende trafen unterschiedliche Traditionen von Jugend- und Kulturarbeit aufeinander. Staatlich kontrollierte Träger der sozialistischen Jugend- und Kulturarbeit hatten bislang die Arbeit der Freizeit- und Kulturstätten, vor allem die Angebote der Jungen Pioniere und FDJ-Jugend, dominiert. Die meisten brachen völlig weg. Für andere, ehemals oppositionelle Jugendliche, die ihre Nischen zumeist in Einrichtungen der offenen Jugendarbeit der evangelischen Kirche gefunden hatten, war die Wiedervereinigung die Zeit des Aufbruchs. Sowohl in urbanen wie auch ländlichen Regionen entstanden neue autonome und szeneorientierte Jugendprojekte. Sie hatten ihre Blütezeit in den späten 1990er-Jahren, waren allerdings stark auf Mittel des zweiten Arbeitsmarkts angewiesen und damit nicht langfristig abgesichert. Engagierten Initiatoren und Mitarbeitern fehlten berufliche Perspektiven (kaum gesicherte Stellen und oft auch fehlende Anerkennung der beruflichen Qualifizierung aus DDR-Zeiten). Vor allem kleine Projekte mit starkem Lokalbezug und eigenwilligen Profilen fielen in den letzten Jahren den Sparzwängen zum Opfer.

Träger und Profile der Jugendkulturarbeit

Seit den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte sich in Deutschland eine Vielzahl von Projekten der Jugendkulturarbeit, initiiert sowohl von sozialraumorientierten kleinen, freien und kommunalen Trägern als auch von großen Jugendkultureinrichtungen sowie mobilen Projekten. Die qualitative Ausprägung, die Zielgruppen und die Angebote von Jugendkulturarbeit im Einzelnen weisen eine große Bandbreite auf. Im Musiksektor reicht sie von der bloßen Bereitstellung von Bandprobenräumen und dem Angebot von Auftrittsmöglichkeiten für jugendliche Nachwuchsbands bis hin zu einer profilierten musikpädagogischen Arbeit, die sowohl niedrigschwellige Musikförderangebote in Kooperation mit Schulen als auch gezieltes Bandcoaching und Projektarbeiten wie die Erarbeitung eines eigenen Musicals beinhalten kann. Als Kernaktivitäten der Jugendkulturarbeit sind offene Aktivitäten (Freiräume für selbstbestimmtes kreatives Erproben und Gestalten), Gruppenaktivitäten, Workshops, kurz- und längerfristige Projektarbeiten, Kooperationsprojekte (derzeit vor allem mit Schulen), internationale Begegnungen sowie die Bildung von Netzwerken zu sehen. Außerdem engagieren sich Projekte der Jugendkulturarbeit in berufsorientierenden und teilweise sogar berufsqualifizierenden Maßnahmen.

Insbesondere in urbanen Regionen haben sich einige Jugendeinrichtungen als jugendkulturelle Zentren profiliert. Sie bieten unter einem Dach Angebote in verschiedenen Bereichen der kulturellen Jugendbildung wie Tanz, Theater, bildende Kunst, Musik und neue Medien und sind in ihrer lokalen Region mit Partnern wie Schulen und Trägern kulturpädagogischer Projekte vernetzt. Darüber hinaus kooperieren sie mit überregionalen bzw. internationalen Partnern. Die pädagogischen Fachkräfte werden bei der Durchführung künstlerisch-gestalterischer Angebote der Jugendarbeit unterstützt durch Partner aus der kulturpädagogischen Arbeit, seien es freischaffende Künstler/-innen und Musiker/-innen, Angebote der Jugendkunstschulen, Musikschulen und Volkshochschulen oder Weiterbildungsangebote. Überregionale Kooperations- und Trägerverbände der kulturellen Bildung wie die jeweiligen Landesvereinigungen Kulturelle Jugendbildung (LKJ) sichern den interdisziplinären fachlichen Dialog.

Szeneorientierte Jugendkulturarbeit

Szeneorientierte Jugendkulturarbeit ist in der Regel musikorientierte Arbeit. Denn Jugendkulturen orientieren sich an bestimmten Musikstilen, darüber hinaus sind "Crossover"-Varianten verbreitet. Damit verbunden sind neben musikalischen auch andere kreative Ausdrucksweisen wie spezifische Formen des Tanzes (z.B. Streetdance und Breakdance), der bildnerischen Gestaltung (z.B. Graffiti und Airbrush), des Sports (z.B. Skaten) oder der szenetypischen medialen Präsentation (z.B. Flyer). Mobile szeneorientierte Jugendkulturprojekte – Rock- und Hip-Hop-Mobile – und größere Zentren der Jugendkulturarbeit bieten sowohl in den urbanen als auch ländlichen Regionen schon seit vielen Jahren Workshops und Projekte an Jugendfreizeit-Treffpunkten, in sozialen Projekten sowie an Schulen und in berufsorientierenden und -qualifizierenden Projekten an, die sich starker Beliebtheit erfreuen.


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