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kulturelle Bildung

15.8.2010 | Von:
Elke Josties

Jugendkulturarbeit

Szeneorientierte jugendkulturelle Projekte können nur mit Unterstützung junger Szeneakteure realisiert werden, die als authentische künstlerische Anleiter unersetzlich sind. Sie gehören den lokalen Jugendszenen an und sind in ihrem jeweiligen künstlerisch-musikalischen Genre anerkannte Akteure. Oftmals haben sie sich bereits jahrelang freiwillig in der Jugendkulturarbeit engagiert. Sie werden dann als Honorarkräfte oder über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert, einige von ihnen jahrelang, und einige von ihnen erhalten auch eine Festanstellung. Jugendliche erleben Anleiter mit eigenem Szenehintergrund als authentische Vorbilder und alternative Modelle des Erwachsen-Seins – neben Eltern und Lehrern, die eine andere Lebenswelt präsentieren. Die jungen Szenekünstler/-innen müssen, wenn sie zugleich Anleiter und authentische Vorbilder sein wollen, solche Rollen in der ihnen eigenen Art ausprägen können – so warnt ein junger MC: "Werden Jugendkulturen erst funktionalisiert, macht sie das tot" ([7]).

Die Anwerbung und fachliche Begleitung junger Szenekünstler/-innen ist eine verantwortungsvolle und (kultur-)sensible Aufgabe, die den hauptamtlich tätigen, zumeist pädagogischen Mitarbeitern zufällt. Sie übernehmen die Rolle des Moderators, Vermittlers und Unterstützers.

Eigensinn der Jugendkulturen

Unabdingbar für die Sicherung der Nachhaltigkeit von Jugendkulturarbeit ist die Rolle des Netzwerkers, der die Anwaltschaft ([8]) für den Eigensinn jugendkultureller Ausdrucksformen übernimmt. Als Netzwerker agieren diejenigen Akteure, die sich mit dem jeweiligen jugendkulturellen Projekt, seiner spezifischen Geschichte und seinem szeneorientierten Profil verbunden fühlen. Dies können hauptamtliche oder freiwillige Mitarbeiter bzw. Vereinsvorstände sein. Insbesondere szeneorientierte Jugendkulturarbeit steht – egal wie erfolgreich aus Sicht der beteiligten Jugendlichen – immer wieder unter Legitimationsdruck, weil nur in wenigen Fällen eine dauerhafte Grundfinanzierung sie absichert. Die Träger von Jugendkulturarbeit sehen sich deshalb gezwungen, stets neue modellhafte Projekte zu initiieren, um Sonderfördermittel zu erhalten. Eine jugendpolitische Herausforderung ist, dabei nicht die Belange alltäglicher, kontinuierlicher und verlässlicher Arbeit in direktem Kontakt mit den jugendlichen Zielgruppen aus dem Blick zu verlieren. Im Zeitalter der Eventprojekte potenter Träger der sogenannten Hochkultur muss sich Jugendkulturarbeit mit ihrem Profil behaupten, in fachpolitischen Verbänden organisieren und politische Lobbyarbeit betreiben. Von zentraler Bedeutung für Jugendkulturarbeit ist es jedoch, offen für gesellschaftlichen Wandel und sensibel für jugendkulturelle Ausdrucksformen und ihren Eigensinn zu bleiben.

Herausforderung und Perspektive: Inter- und Transkulturalität

Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft, in der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund immer noch geringere Bildungschancen haben ([9]) und sich oftmals von Angeboten der kulturellen Bildung nicht angesprochen bzw. ausgeschlossen fühlen. Jugendkulturarbeit ist gefordert, dem entgegenzuwirken und die Inklusion Jugendlicher unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller und religiöser Herkunft zu leisten. Interkulturelle bzw. transkulturelle Arbeit muss den Blick für solche Phänomene schärfen, die aus den dominanten Schemata der Unterscheidung zwischen angeblich "Eigenem" und "Fremdem" fallen und stattdessen eine Perspektive gewinnen, "die das einteilende, vereindeutigende, das klassifizierende und das fixierende Denken und Handeln schwächt" ([10]). Jugendliche, insbesondere diejenigen mit Migrationshintergrund, sind zeitgleich mit vielen parallelen Kulturen mehr oder weniger vertraut. Im Zeitalter der Globalisierung sind verstärkt transkulturelle Phänomene zu beobachten. Im Sinne von Transkulturalität bergen innovative Jugendkulturprojekte das Potenzial, stereotype Bilder aufzubrechen und neue hybride und kreative Ausdrucksformen zu entwickeln.

Fußnoten

7.
Josties 2007, S. 74.
8.
Treptow 2001, S. 184ff.
9.
http://www.bildungsbericht.de.
10.
Mecheril 2007, S.225.

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