kulturelle Bildung

14.12.2010 | Von:
Peter Kamp

Querschnittsaufgabe mit Lücken - Zur Finanzierung kultureller Bildung

Kulturelle Bildung wird von einem komplexen, unübersichtlichen Netz an kommunalen, regionalen, staatlichen und privaten Trägern gefördert. Wesentliches Kriterium einer sinnvollen Förderung muss sein, dass die Projekte nachhaltig wirken und möglichst viele Menschen erreichen.

Wer gefördert werden will, muss sich in der komplexen Förderlandschaft auskennen.Wer gefördert werden will, muss sich in der komplexen Förderlandschaft auskennen. (© coresince84/ Photocase)

Alle lieben kulturelle Bildung, aber kaum einer will richtig Geld dafür lockermachen. So einfach ist die Bilanz nach 40 Jahren Geschichte der kulturellen Bildung in Deutschland. Der Begriff ist heute in aller Munde: Jeder weiß, dass sich kulturell gebildete Menschen freier, kompetenter, empathischer und glücksbegabter entfalten, entwickeln und verhalten als all diejenigen, denen der Zugang zu den inneren und äußeren Werten von Kunst und Kultur verschlossen bleibt. Gleichwohl hat die kulturelle Bildung immer noch weithin ein "Umsetzungsproblem", so die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags "Kultur in Deutschland" 2007. Das heißt, schlicht gesagt, das Verhältnis zwischen Regel (kulturelle Bildung für alle) und Ausnahme (kulturelle Bildung für einige) stimmt nicht: Die Ausnahmen müssten die Regel sein. Der Weg dahin ist weit, gewunden und steinig.


Status quo 1 – Das weite Feld der kulturellen Bildung

Von der bedeutsamen Ausnahme des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG, 1990) abgesehen, ist kulturelle Bildung kein definierter Rechtsbegriff und auch in der pädagogischen Forschung beunruhigend unkonturiert. Stattdessen macht sich die vielfältige und heterogene Praxis – zumeist mit lobbyistischer Unterstützung – geltend und formt eine Einrichtungs- und Angebotslandschaft aus, die in jedem der 16 Bundesländer anders konturiert, profiliert und reglementiert ist.

Prinzipiell bedeutsam ist die (politische) Frage, ob kulturelle Bildung für alle, für viele, für einige oder für wenige da sein soll. Wer sich am Leitbild einer kulturellen Grundversorgung orientiert (leicht zu begründen, jedoch schwer umzusetzen), wird letztlich dazu tendieren, kulturelle Bildung als Element der (durch die allgemeine Schulpflicht geregelten) Allgemeinbildung zu fordern. Ein systematischer Ausbau kultureller Bildung in den Schulen ist jedoch nicht beobachtbar, eher das Gegenteil, zumindest was die Abwanderung qualifizierter Angebote aus den Stellenplänen und Stundentafeln angeht. Die PISA-Studien mit ihrer Privilegierung der "MINT"-Fächer haben hier nicht eben segensreich gewirkt. Historisch gewachsen ist eine breite Landschaft an außerschulischen Trägern, Einrichtungen und Angeboten kultureller Bildung. Deren Strukturen und Selbstverständnis unterliegen mit der Ausweitung zur Ganztagsbildung einem Paradigmenwechsel, denn projektmäßige Angebote kultureller Bildung erhalten mehr und mehr Einzug in den verlängerten Schulalltag. Generell geht es um den Wandel von der Angebots- zur Kooperationsorientierung, strukturell um die Ausweitung vom einrichtungsbezogenen zum vernetzten Bildungsangebot.

Status quo 2 – Förderzuständigkeiten

Die Finanzierung vielfältiger kultureller Bildung ist komplex, kompliziert und unübersichtlich. Wer ist überhaupt zuständig? Alle und keiner zugleich. Die programmatische Verortung von kultureller Bildung als "Querschnittsaufgabe" versucht aus der Verantwortungsnot eine Gestaltungstugend zu machen. Historisch hat sich dieser Spagat bewährt. Grundsätzlich kann ausgegangen werden von einem Koordinatensystem horizontaler und vertikaler Vernetzung, das Förderzuständigkeiten der öffentlichen Hand (Stadt, Land, Bund, EU) und inhaltlich-fachliche Ausdifferenzierung (Jugend, Bildung, Kultur sowie angrenzende Ressorts wie etwa Stadtentwicklung) zueinander in Beziehung setzt. Innerhalb dieser Koordinaten hat sich eine politisch und fachlich profilierte Landschaft freier Träger herausgebildet, die als Partnerin der öffentlichen Hand und als Moderatorin der Feldentwicklung zur Qualifizierung und Verbreiterung des Praxisfelds beiträgt.


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