kulturelle Bildung

21.8.2010 | Von:
Norbert Sievers

Modell-Land kulturelle Bildung Nordrhein-Westfalen

1. Kulturpolitische Initiativen und Förderprogramme

Seit dem Regierungswechsel im Jahr 2005 verfolgt die Landesregierung die Förderung der kulturellen Bildung mit größerer Intensität. Nicht nur die Programme "Jedem Kind ein Instrument" und "Kultur und Schule" genießen auch außerhalb des Landes einen ausgezeichneten Ruf, auch das Gesamtpaket der Initiativen und Maßnahmen in allen Förderbereichen der Kulturabteilung nimmt Gestalt an und zeigt Wirkung. Mittlerweile wird etwa jeder zehnte Euro des Kulturetats (ca. 14 Mio. Euro) in die Kreativität von Kindern und Jugendlichen "investiert" [3]. Bemerkenswert ist vor allem die Systematik der Förderkonzeption: Landesprogramme und Wettbewerbe geben Impulse, Fortbildungen qualifizieren die Akteure, Preise schaffen Öffentlichkeit, Kooperationen stiften partnerschaftliche Strukturen, Publikationen stimulieren zur Nachahmung, und Evaluationen überprüfen den Erfolg der Projekte. Konkret sind folgende Programme und Wettbewerbe aufgelegt worden:

Kultur und Schule

Mit dem Programm "Kultur und Schule" werden Künstlerinnen und Künstler aller Sparten ergänzend zum Unterricht in die Schulen geholt, um Kinder so früh wie möglich für Kunst und Kultur zu begeistern. In der persönlichen Begegnung mit Kunstschaffenden und in konkreten Projekten entdecken Kinder und Jugendliche ihre Talente, können Ideen einbringen sowie Kreativität und Kunst durch eigenes Tun besonders intensiv erfahren. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Schulformen an dem Programm beteiligt und großstädtische wie ländliche Räume gleichermaßen vertreten sind. In den vier Förderjahren von 2006/07 bis 2009/10 wurden insgesamt 4.700 Kunstprojekte mit rund 2.000 Künstlern an nahezu 2.900 Schulen gefördert. Damit erreichte das Landesprogramm bisher mit rund 100.000 Schülerinnen und Schülern sowie 44 Prozent der Schulen in Nordrhein-Westfalen eine erstaunliche Breitenwirkung. Regelmäßige Künstler-Fortbildungen in den verschiedenen Sparten und ein stetig wachsender Künstler- und Schulpool auf der Internetseite des Programms [4] gehören mittlerweile zum Standard der Qualitätssicherung.

Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung

Beispielgebend für die Impuls- und Anreizfunktion der Kulturförderung des Landes ist der Wettbewerb "Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung". Er wird jährlich ausgeschrieben, um die Bildungsakteure in den Kommunen und Kreisen zu ermutigen, zukunftsfähige Konzepte der kulturellen Bildung zu entwickeln und diese in der kommunalen Kultur- und Bildungspolitik zu verankern. Jährlich werden zahlreiche (2009 waren es zehn) Städte und Gemeinden den Empfehlungen einer unabhängigen Jury folgend ausgezeichnet. Die Preisgelder zwischen 10.000 und 30.000 Euro werden gestaffelt nach der Einwohnerzahl vergeben.

Jedem Kind ein Instrument

Das Modellprojekt "Jedem Kind ein Instrument" (JeKi) gilt als modellhaft für ganz Deutschland. Bis zum Schuljahr 2010/11 soll allen 170.000 Grundschulkindern der ersten Klasse im Ruhrgebiet unabhängig vom Einkommen der Eltern ermöglicht werden, das Spielen eines Instruments zu erlernen. Das Modellprojekt erreichte im Schuljahr 2008/09 in Kooperation mit 56 Musikschulen bereits 43.000 Kinder an 522 Schulen in 42 Kommunen, darunter 27.700 Erstklässler/-innen. 11.600 Zweitklässler/-innen erlernten ein Instrument, 4.000 Schüler/-innen im dritten Schuljahr erhielten Ensemble- und Instrumentalunterricht. Neben dem Land Nordrhein-Westfalen, das sich bis 2011 mit 13,6 Mio. Euro an den Gesamtkosten in Höhe von 47,2 Mio. Euro beteiligt, finanzieren die Kulturstiftung des Bundes und die Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. unter Beteiligung der Kommunen und privater Förderer das JeKi-Programm. Derzeit beteiligen sich die Eltern ab dem zweiten Jahr monatlich jeweils mit bis zu 20 Euro und im dritten und vierten Jahr mit bis zu 35 Euro an der Finanzierung. Es ist geplant, das Projekt nach 2010 schrittweise auf ganz Nordrhein-Westfalen auszuweiten.

Kulturelle Bildung im Vorschulalter

Eine Weiterentwicklung erfuhr das Landesprogramm Kultur und Schule durch Projekte zur Stärkung der kulturellen Bildung im Elementarbereich. Im Rahmen der Entwicklung kommunaler Gesamtkonzepte haben einige Städte auf Anregung der Staatskanzlei bereits mit den jeweiligen Akteuren in der kulturellen Bildung vor Ort – Jugendamt, Künstler/-innen, Kulturinstitute – künstlerisch-kulturelle Projekte in der Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern mit Kindertagesstätten durchgeführt. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit diesen Pilotprojekten wird derzeit im Auftrag der Staatskanzlei ein Qualifizierungskonzept für "Künstler in KiTas" in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration erarbeitet.

Fußnoten

3.
Arbeitsstelle "Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW" 2009, S. 44.
4.
http://www.kulturundschule.de.

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