kulturelle Bildung

10.3.2011 | Von:
Olaf Zimmermann

Interkulturelle Bildung – eigentlich eine Selbstverständlichkeit?

Interkulturelle Bildung in der Schule

Während außerschulische Kultur- und Bildungseinrichtungen mittels attraktiver Angebote um Teilnehmende werben müssen, ist der Schulbesuch für alle Kinder und Jugendlichen im Schulalter Pflicht. Die Schule bietet daher in besonderer Weise die Chance, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die außerschulische Angebote nicht wahrnehmen. In der Schule werden alle Kinder und Jugendlichen erreicht.

Daher eignet sich die Schule besonders gut als Ort für Angebote interkultureller Bildung, die sowohl in den künstlerischen Schulfächern (Darstellendes Spiel, Kunst und Musik) aber auch darüber hinaus in anderen Fächern angesiedelt sein können. Dabei sollte insbesondere der Ethik- und Religionsunterricht zur Vermittlung interkultureller Bildung genutzt werden.

Die interkulturelle Schulentwicklung ist eine gemeinsame Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer, der Erzieherinnen und Erzieher, der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern. Eine solche Schulentwicklung setzt eine entsprechende Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals voraus.

Dialog mit Migrantenverbänden

Im Rahmen des bereits erwähnten Projektes "Strukturbedingungen für eine nachhaltige interkulturelle Bildung" hat der Deutsche Kulturrat einen Runden Tisch mit Migrantenorganisationen ins Leben gerufen. Dieser Runde Tisch hat sich im Jahr 2010 besonders mit Fragen der interkulturellen Bildung in Kindertageseinrichtungen sowie der Schule befasst. Gemeinsam mit Migrantenverbänden wurde die Stellungnahme "Lernorte interkultureller Bildung im vorschulischen und schulischen Kontext" verabschiedet.

Auch hier wird unterstrichen, dass es um die Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen des pädagogischen Personals gehen muss. Darüber hinaus wird die Wertschätzung und gleichberechtigte Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Kulturen, Traditionen und künstlerischen Einflüssen der Zuwanderer eingefordert. Diese Vielfalt sollte sich auch in den Curricula widerspiegeln. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Mehrsprachigkeit gerichtet. Mehrsprachigkeit der Kinder wird als Chance gesehen und ihre Förderung in Schulen und Kindertageseinrichtungen eingefordert.

Der bestehende Runde Tisch mit Migrantenorganisationen geht im Jahr 2011 in die zweite Runde und widmet sich aktuell der interkulturellen Bildung in Kultureinrichtungen sowie Einrichtungen der kulturellen Bildung. In der zweiten Jahreshälfte 2011 soll eine Stellungnahme mit Empfehlungen vorgelegt werden.

Paradigmenwechsel zur interkulturellen Bildung

Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft. Die deutsche Wirtschaft ist exportorientiert. Wer diese beiden Selbstverständlichkeiten ernst nimmt, kommt ebenso zum Schluss, dass interkulturelle Bildung eine Selbstverständlichkeit sein muss. Und zwar nicht, um Migranten etwas besonders Gutes tun zu wollen, sondern um unsere Gesellschaft zu gestalten, die sich durch kulturelle und religiöse Vielfalt auszeichnet und um weiterhin wirtschaftlich bestehen zu können.

Der Kulturbereich muss seinen spezifischen Beitrag leisten. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Kultur sehr oft eher das Trennende und weniger das Verbindende beschreibt. Wer kulturelle Vielfalt will, muss auch das Trennende erhalten wollen, das ist auch Bestandteil der interkulturellen Bildung.

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