Screenshot Pac-Man von 1983.

6.12.2005 | Von:

Spiel und Aggressivität

Ein Wechselverhältnis in den Theorien des Spiels

Spielbalance und Freiheitspotentiale

Spiele sind hochkomplexe Gebilde, deren "allzeit gefährdete schwebende Gleichgewichtslage" (vgl. o.) stets neu auszuhandeln ist. Die Fähigkeit, dies zu tun, die Fähigkeit zur Balance, ist fein gesponnen und schwierig. An ihr jedoch bemisst sich ein gutes Spiel, und nicht an der Frage der Inhalte. Das gilt für alle Spiele, Computerspiele eingeschlossen.

Wir sollten nicht die "Sünde" der mangelnden Unterscheidung zwischen Spiel und Realität begehen und Spiel rasch mit einer Vorbereitung für reale Aggression in Verbindung setzen; auch nicht bei Computerspielen. Spiel ist auch hier nicht Abbild der Realität, sondern widerständiges Kontrafaktum, das Freiheitspotentiale enthält. Dabei haben die aggressiven Spielanteile eine Funktion; das hat insbesondere die Behandlung der älteren Theorien des Spiels gelehrt.

Dieser Beitrag erschien erstmals in Fritz, Jürgen/Wolfgang Fehr (Hg.): Computerspiele. Virtuelle Spiel- und Lernwelten. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.

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