Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Vera Franz

Offener Code für eine offene Gesellschaft

Können Menschen mit Open-Source-Produkten ihren Lebensunterhalt verdienen? Wird das Modell nicht immer auf eine klassische Marktwirtschaft im Hintergrund angewiesen bleiben, oder auf Fördergelder?

Erstens glaube ich, dass es sehr viele Bereiche gibt, wo Menschen gar kein Geld machen wollen. Das ist wichtig festzustellen: Nicht alle Informationen, nicht alles Wissen in unserer Gesellschaft werden ökonomisiert. Zum Beispiel Blogger. Zurzeit verdienen wenn nicht kein, so doch nur wenige Blogger mit ihrem Blog Geld. Aber diese Menschen haben eben einfach ein Bedürfnis, zu schreiben, was in ihrem Land passiert. Es muss nicht alles einen ökonomischen Wert haben. Und das ist das Tolle daran: Durch das Internet erhalten wir sehr viele Informationen, für die wir nichts bezahlen. Das muss man anerkennen.

Zweitens aber glaube ich sehr wohl, dass man sehr gutes Geld machen kann mit diesen neuen Produktionsmodellen. Da gibt es ganz verschiedene Beispiele. Ein Beispiel ist Google. Google verkauft keine Information in dem Sinne. Google ist kein Verlagshaus, das Bücher verkauft oder Musik. Ihr Modell ist mehr darauf gebaut, Wissen zu verteilen und so zugänglich wie möglich zu machen. Und damit kann man Geld machen. Wenn man Google als Medienunternehmen betrachtet – und viele, auch ich, sehen Google zur Zeit als das größte Medium der Welt –, dann ist Google laut Börsenwert auch das größte Medienunternehmen der Welt.

Ein anderes Beispiel, das ich immer sehr gerne anführe, sind Bücher. Ein Bekannter von mir, Cory Doctorow, ist ein Science-Fiction-Autor. Er hat vor vier, fünf Jahren seinen ersten Roman publiziert. Er ist zu seinem Verlag gegangen und hat gesagt: Hier ist mein Buch, ihr könnt es als Verlag traditionell auf Papier auf den Markt bringen, erst Hardcover, dann Paperback, allerdings möchte ich das ganze Buch frei zugänglich ins Internet stellen. Und der Verlag meine zuerst natürlich: Oh mein Gott, da verkaufen wir doch nichts, wenn sich das jeder gratis herunterladen kann. Tatsache ist, dass der Verlag das Buch inzwischen überdurchschnittlich gut verkauft hat, in vierter, fünfter Auflage. Und gleichzeitig wurden über 500.000 Kopien seines Buches gratis aus dem Internet heruntergeladen.

Das zeigt, dass sich Profit und freier, offener Zugang zu Wissen nicht ausschließen. Man muss nur sehr gut überlegen, wie man Geschäftsmodelle verändern kann, so dass man weniger den Inhalt als solchen verkauft, sondern mehr einen Service drumherum – so macht es die freie Software –, oder dass man das Internet und freien Zugang als Marketinginstrument einsetzt – das ist das zweite Beispiel. Google verkauft Werbung auf seiner Seite und macht dadurch Profit, Cory Doctorow hat das Internet dazu verwendet, um bekannt zu werden, und dann sind Leute ins Geschäft gegangen und haben sein Buch gekauft.

Interview: Sebastian Deterding

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