Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Rishab Aiyer Ghosh

Die große Welt der vielen Kleinen

Open Source-Projekte brauchen weder großes Geld noch große Zeitbudgets, meint Rishab Aiyer Ghosh. Sie brauchen Aufgaben und Anreize, die gerade groß genug sind, um für viele interessant und machbar zu sein.

In einem Satz: Was ist Open Source?

Open Source-Software ist Software, bei der jeder die Freiheit hat, sie für jeden Zweck zu nutzen, zu untersuchen, zu verändern, und mit anderen zu teilen. Will man den Begriff über Software hinaus ausweiten, muss man jeweils definieren, was es bedeutet, eine Sache zu nutzen, zu untersuchen, zu verändern und zu teilen.


Könnten Sie Beispiele für solche anderen "Open-Source-Dinge" geben?

Wenn man sich zum Beispiel ein Textbuch anschaut, würde die Nutzungsfreiheit die Freiheit bedeuten, es für jeden Zweck zu benutzen – was kommerzielle und nichtkommerzielle Zwecke einschließt –, es also für den Unterricht zu verwenden ebenso wie für ein Kunstprojekt. Die Freiheit, es zu untersuchen – nun, das Untersuchen ist für viele Dinge nicht das gleiche Problem, wie es bei Software eines ist. Bei Software bedeutet es, den Quellcode hinter dem laufenden Programm einsehen zu können. Aber wenn es um ein Textbuch geht, sind Benutzen und Untersuchen mehr oder weniger das gleiche: Man liest, um es zu benutzen, und man liest, um es zu untersuchen, studieren.

Die Freiheit, es zu verändern – die ist interessant, denn um ein Textbuch zu verändern, muss man das Recht dazu haben. Anders als bei Software kann jeder Veränderungen an einem Textbuch vornehmen, im ganz praktischen Sinne, dass man es einfach tut. Es geht mehr um das Recht, das einen davon abhält. Wenn es sich also um ein Textbuch unter einer Creative-Commons-Lizenz handelt, die besagt: "Du hast die rechtliche Erlaubnis, hier Änderungen vorzunehmen", dann hat man die Freiheit, das Textbuch zu verändern. Und die Freiheit, zu teilen ist natürlich die Möglichkeit, das Textbuch an jeden anderen zu verbreiten.

Wenn man sich die Produzenten von Open Source-Software anschaut: Was treibt sie an, etwas kostenlos wegzugeben? Was ziehen sie daraus?

Für Software-Entwickler ist die häufigste Motivation, zu lernen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Denn die Entwickler freier Software lernen durchs Tun, und die meisten Entwickler schreiben gar nicht viel Code. Sie schreiben kleine Mengen und nehmen Veränderungen vor, statt neue Sache zu schreiben. Für sie geht es also ums Lernen. Sie untersuchen etwas, verändern es, und geben es dann wieder zurück. Andere kommentieren das, geben ihre Kritik, und sie lernen noch mehr.

Für andere, die größere Dinge schaffen, gibt es viele verschiedene Gründe, darunter Bekanntheit, einen Job zu bekommen, oder ein Problem zu lösen, das sich anders nicht lösen lässt. Und es gibt auch viele Unternehmen, die ebenfalls freie Software herausbringen, und die haben ganz und gar wirtschaftliche Motive; es ist für das eigene Geschäft oft besser, wenn man Software frei veröffentlicht und dann für Serviceleistungen Geld nimmt, als wenn man versucht, für die Software selbst Geld zu verlangen.

Open Source bedeutet auch, dass man kostenlos Software verwenden kann, die von anderen hergestellt wurde. Man schafft freie Software, die auf freier Software aufbaut. Auch das hilft, die Notwendigkeit eines "großen" Motivs zu verringern.



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