Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Claudio Prado

"Eine Peer-to-Peer-Gesellschaft ist möglich"

Kann diese Peer-to-Peer-Gesellschaft sich selber tragen? In welchem Maße hängt sie immer noch von einer klassischen kapitalistischen Marktgesellschaft ab?

Lassen sie mich das andersherum erklären: Wir bringen Werkzeuge des 21. Jahrhunderts zu Menschen, die im 18., 19. Jahrhundert leben. Es ist viel einfacher, direkt vom 19. ins 21. Jahrhunderts zu gehen, ohne den ganzen Bullshit des 20. Jahrhunderts durchzumachen.

Der Glaube, dass Wirtschaft der Weg ist, um den Wert der Menschheit zu bestimmen, ist gescheitert. In Europa, in der ersten Welt müsst ihr dieses Paradigma hinter euch lassen, was für euch viel schwieriger ist, weil ihr dafür 2.000 Jahre Geschichte dekonstruieren müsst, die ihr auf euren Schultern tragt. Technik hat immer einige alte aus dem Geschäft gestoßen und einige neue ins Geschäft gebracht. Aber jetzt ändert sich das ganze Paradigma – es ist ein viel größerer Wandel. Sobald wir Wasserstoff als Energiequelle haben, haben wir – zusammen mit dem Internet – das Binom für Autonomie, für eine neue Art digitaler Gesellschaft, die nichts zu tun hat mit einer ökonomischen Sichtweise, nicht länger ökonomisch gemessen werden kann.

Wenn Sie sagen, sie wollen in Brasilien "die Werkzeuge des 21. Jahrhunderts zu den Menschen des 18. und 19. bringen" – was meinen Sie damit?

Kostenlose Multimedia-Sets mit Breitband-Internetanschluss, die wir an 500 kleine NGOs in Brasilien geben, an Menschen, die nie zuvor Technik gesehen haben, die nie von Urheberrecht gehört haben, die keinerlei Aussicht auf einen Job haben, die keine Aussicht auf soziale Absicherung haben. Nun haben sie Zugang. Und sie verstehen Hochladen, bevor sie Herunterladen verstehen. Sie produzieren Sachen und verstehen, was andere Menschen produzieren. Es ist ein Molotov-Cocktail, der unmittelbar eine Explosion der Energie, eine Explosion der Freude, eine Explosion der Hoffnung bringt. Es ist ein revolutionäres Instrument des 21. Jahrhunderts, eine proaktive Revolution, für Dinge und nicht gegen irgendetwas.

Auf der einen Seite haben wir also eine Welt, die den Menschen in Brasilien keinerlei Antwort gibt, außer dieser: Wenn sie zur Schule gehen – wozu sie nicht die Möglichkeit haben –, werden sie einen Job bekommen. Aber diese Idee existiert dort unter diesen Menschen nicht, denn sie gehen nicht zur Schule und es gibt keine Jobs. Also müssen sie sich selbst managen. Das ist für Menschen aus Europa sehr schwer zu verstehen, aber für uns ist es sehr leicht, all diese Dinge zu überspringen – Jobs und Schule und all das.

Ich selbst habe nie irgendetwas in einer Schule gelernt. Ich bin ein Hippie. Ich habe alles selber gelernt. Und ich denke, Schulen müssen von nun an ganz anders sein. Denn wenn man Zugang zum Internet hat, kann man zum Lehrer sagen: "Du hast unrecht. Jemand anders sagt hier etwas ganz anderes. Der Lehrer sollte heute ein Forscher sein, der zusammen mit den Schülern lernt.

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