Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Atul Chitnis

Der Fuchs der Innovationen

Anders gefragt: Was sind die Grenzen?

Es gibt eine Menge Dinge, bei denen Open Source nicht helfen kann. Eines davon ist Kultur. Die gesamte Kultur im Umgang mit Menschen neigt dazu, einzigartig für ein bestimmtes Land zu sein. Wenn man nach Japan geht, gibt es eine bestimmte Weise, wie man einander eine Visitenkarte gibt. Tut man es auf die gleiche Weise in einem anderen Land, funktioniert es nicht. In Indien ist es nicht selbstverständlich, dass man automatisch seine Visitenkarten verteilt.

Das sind Dinge, die sich nicht verändern werden, weil sie im Wesentlichen von der Art geprägt sind, wie das Land selbst funktioniert. Ich würde keine Open-Source-Methode verwenden wollen, um das zu ändern, denn es ist Teil von dem, was es heißt, als ein Land einzigartig zu sein.

Noch etwas: Open Source wird Schulden und Steuern nicht verschwinden lassen, in keinem Land. Aber ich bin mir, sicher, dass Leute das versprechen werden, und das ist eine schlechte Sache. Ich glaube, an einem bestimmten Punkt haben die Lete übertriebene Hoffnungen und Vorstellungen davon, was Open Source für sie tun kann.

Die Sache, die mich wirklich beunruhigt, ist die Über-Politisierung von Open Source. Überall auf der Welt stoße ich auf Menschen, die mehr an der politischen Seite von Open Source interessiert sind als an der technischen. Alles hat seinen Platz, aber ich bin mir nicht sicher, dass man den technischen Aspekt über dem politischen ganz aufgeben sollte.

Was sind die Voraussetzungen, um die Möglichkeiten der Open Source-Software für Entwicklungsländer auszuschöpfen?

Ich kann nur von Indien sprechen, weil es das einzige Entwicklngsland ist, mit dem ich zu tun habe – es sei denn, sie beziehen Deutschland mit ein. Die meisten glauben, dass Indien einen Mangel an Ressourcen hat. Das stimmt nicht wirklich. Computer sind in Indien günstiger als in Deutschland. Das Hindernis besteht eher darin, dass die Leute sich nicht wirklich etwas daraus machen, auch zu Hause einen Computer zu haben. Also hat nicht jeder einen Computer daheim. Und das kann hinderlich sein.

Jemand könnte von neun bis fünf im Büro arbeiten, und selbst wenn er bereit ist, sich an der Entwicklung freier und Open-Source-Software zu beteiligen, hätte er dann nicht die nötigen Ressourcen daheim, im Wesentlichen also ein Internetanschluss und ein PC. Nicht, dass er es sich nicht leisten könnte, es liegt mehr daran, dass er denkt: "Das mache ich von morgens bis abends. Ich will nicht das gleiche machen, wenn ich nach Hause komme." Was, glaube ich, keine indische Besonderheit ist, aber es ist hier schon ziemlich stark ausgeprägt.

In Indien wird die Software-Industrie als etwas hoch Einträgliches angesehen. Wenn du in dieser Industrie arbeitest, kannst du das Zehnfache dessen verdienen, was dein Vater verdient hat. Also sehen es die Leute auch von dieser Warte: Es ist ein Job. Man begegnet Menschen, die wörtlich sagen: "Nun, das ist mein Job, also will ich etwas ganz anderes machen, wenn ich nach Hause komme." Das ist ein Problem, mit dem wir zu kämpfen haben. Es geht nicht um mangelnde Ressourcen. Es ist eine Geisteshaltung.


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