Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Ronaldo Lemos da Silva Júnior

Open Source heißt nachhaltige Entwicklung

Kommen wir von Brasilien aufs Allgemeine: Welche Chancen bieten Open-Source-Modelle für Entwicklungsländer?

Denken Sie zum Beispiel an das Problem der digitalen Integration, der digitalen Kluft. Das ist ein großes Problem in den Entwicklungsländern, weil hier so wenige Menschen Zugang zum Internet haben. Brasilien hat eine Bevölkerung von etwa 180 Millionen Menschen, aber nur zwanzig Prozent davon, vielleicht sogar weniger, hat Zugang zum Netz. Dagegen muss man etwas tun. Man muss den Menschen Zugang zum Internet verschaffen.

Eines der Hauptmodelle dafür sind Telecenter. Das sind kleine Läden, kleine Kioske, die für gewöhnlich in den ärmsten Gegenden eingesetzt werden. Und diese Menschen können es sich nicht leisten, Lizenzen für proprietäre Software zu zahlen. Eine weitere Herausforderung ist die langfristige Nachhaltigkeit: Sobald die Finanzierung durch die Regierung ausläuft, was macht man dann?

Im Land Sao Paulo hat man Erfahrungen damit gesammelt, Telecenter mit freier Software einzusetzen. Und das ist sehr erfolgreich gewesen, denn es hilft der Nachhaltigkeit der Telecenter in der Zukunft: Sie müssen nicht jedesmal Lizenzen zahlen, wenn sie die Software upgraden müssen. Sie verwenden dort Linux als Betriebssystem und OpenOffice für die Hauptanwendungen. Es gibt also eine Verbindung zwischen Open Source und freier Software und Nachhaltigkeit. Und ich denke, das ist sehr wichtig für die Entwicklungsländer als ganze.

Anders gefragt: Was sind die Grenzen?

Das ist eine sehr gute Frage. Freie Software wird nicht alle Probleme lösen. Man muss andere Dinge ebenfalls frei machen, damit die Technik wirklich emanzipiert und ein Werkzeug der Autonomie wird. Es geht nicht nur um freie Software, es sollte auch freie Kultur, freies Spektrum und freie Hardware sein. Wenn man diese vier Dinge zusammenbringt, dann hat man alle Werkzeuge für Entwicklungsländer zusammen. Freie Software ist nur ein Teil des Puzzles.

Könnten Sie diese anderen drei Bestandteile kurz erklären?

Nun, der erste ist freie Kultur: Das ist zum Beispiel die Creative Commons-Bewegung, in der Menschen Wissen teilen, Wissen im Internet frei zugänglich ist – ohne Schwierigkeiten, die Erlaubnis zur Verwendung zu bekommen –, und in der man Wissen tatsächlich weriter verarbeiten kann. Das ist die Idee hinter Creative Commons, und die Hauptbeispiele sind die Wikipedia und all die anderen kollaborativen Webseiten – das so genannte Web 2.0. Das ist etwas, das derzeit sehr wichtig wird für Entwicklungsländer: die ganze Idee der kollaborativen Arbeit und des offenen Wissens.

Der zweite Teil ist freies Spektrum – man erlaubt der Technik, die Knappheit des elektromagnetischen Spektrums zu umgehen. Das heißt, man kann Wifi-Netze kostenlos benutzen, Teile des Spektrums sind frei lizenziert, so dass Menschen damit spielen können. Das ist deshalb so wichtig für Entwicklungsländer, weil all diese Dinge in der Zukunft mit entscheiden werden, wie wir das Internet nutzen und wie wir per Funk Informationen senden und auf sie zugreifen.

Die letzte Sache ist freie Hardware. Damit meine ich nicht, das Hardware einfach frei verteilt werden sollte. Was ich meine, ist, dass Hardware nicht behindert werden sollte, etwa durch Digital Rights Management-Systeme. Computer sollten nicht schon von Fabrik aus so gebaut werden, dass sie gegen den Willen des Konsumenten oder Nutzers rebellieren. Die Hardware muss offen sein in dem Sinne, dass man Befehle eingibt, und sie diesen genau folgt – und nicht den Befehlen der Content-Industrie oder den Interessen anderer, dritter Parteien.


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