Bild aus dem Film: "Die Besprechung" von Stefan Landorf

Performing Documentary

Der Dokumentarfilm erfreut sich seit Jahren wieder einer zunehmenden Beachtung. Sowohl im Kino wie auch im Fernsehen finden nonfiktionale Filme ein breites Publikum. Das große Interesse besteht sicherlich nicht nur aufgrund der darin behandelten Themen und ihrer gesellschaftlichen Relevanz. Viele neue Spielarten des Dokumentarischen schaffen es, die Zuschauenden zu begeistern, zu überraschen oder gar deren etablierte Sehgewohnheiten zu hinterfragen.

Die Filmreihe "Performing Documentary" des Arsenal - Institut für Film und Videokunst präsentierte in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Österreichischen Kulturforum Berlin neuere Dokumentarfilme aus Österreich und Deutschland, die auf eine besondere Art an die Grenzen des Dokumentarischen gehen: Sie arbeiten mit expliziter Inszenierung, Verfremdungseffekten und performativen Elementen und setzen das dokumentarische Material dabei in neue Zusammenhänge.

Plakatwand am Kino Arsenal zur Filmreihe "Performing Documentary"

Birgit Kohler

Über die Filmreihe "Performing Documentary"

Im österreichischen und deutschen Dokumentarfilmschaffen der letzten zehn Jahre hat sich eine neue, experimentelle Spiel-Art des Dokumentarischen herausgebildet: Filme, die Dokument, Inszenierung, Schauspiel und Performance eigensinnig und kunstvoll verbinden. Weiter...

Szenenfoto aus "Gangster Girls", Österreich 2008, 79 min,

Tina Leisch

Gangster Girls

Die österreichische Filmemacherin Tina Leisch stellt uns in dem vorliegenden Text ihren Film "Gangster Girls" vor. Der Film erzählt von Frauenschicksalen in einer Haftanstalt und zieht gleichzeitig die Institution des Gefängnisses als einer "Besserungsanstalt" in Zweifel. Ausgehend von einer Theaterinszenierung schafft sie einen kunstvollen und vielschichtigen Dokumentarfilm. Weiter...

Szenenfoto aus "Das Problem ist meine Frau", Deutschland 2003, 52 min

Calle Overweg

Das Problem ist meine Frau

Das Thema von Gewalt gegen Frauen wird in unserer Gesellschaft oft sehr reißerisch in den Boulevardmedien abgehandelt. Der deutsche Regisseur Calle Overweg versucht, mit seiner dokumentarischen Nachinszenierung von Therapiesitzungen den gesellschaftlichen wie psychologischen Hintergründen für männliche Übergriffe auf die Spur zu kommen. In dem folgenden Essay stellt Calle Overweg selbst Überlegungen zu dem filmischen Umgang mit diesem schwierigen Thema an. Weiter...

Szenenfoto aus "Oral History", Deutschland 2009, 22 min

Volko Kamensky

Oral History

In seinem Film "Oral History" lässt der Regisseur Volko Kamensky Sprecherinnen von Erotik-Telefonhotlines spontan Geschichten erfinden. Diese Erzählungen kombiniert er mit Kamerafahrten vor idyllischen Landschaften - ein fast zufälliges Aufeinandertreffen von Bild und Ton. Wird man als Zuschauender/in davon irritiert oder akzeptiert man die leichten Brüche? In dem vorliegenden Text erläutert der Regisseur sein Filmwerk. Weiter...

Szenenfoto aus "Michael Berger. Eine Hysterie", Österreich 2010, 50 min

Thomas Fürhapter

Michael Berger: Eine Hysterie

Der österreichische Regisseur Thomas Führhapter zeichnet in seinem Dokumentarfilm "Michael Berger: Eine Hysterie" die Biographie eines Finanzbetrügers nach - ohne dabei seinen Protagonisten zu Wort kommen zu lassen und ohne ein einziges Bild von ihm zu zeigen. Dennoch gelingt ihm ein interessantes und facettenreiches Porträt. In dem folgenden Text legt Regisseur Thomas Führhapter seine Entscheidungen für den gewählten Inszenierungsstil dar. Weiter...

Szenenfoto aus "Besprechung", Deutschland 2009, 82 min

Stefan Landorf

Besprechung

Stefan Landorfs "Besprechung" veranschaulicht eindrücklich, wie stark die moderne Arbeitswelt und der Habitus von Berufstätigen von oft ritualisierten, sich immer wiederholenden Sitzungen, Meetings oder Konferenzen dominiert ist. In nüchternen Bildern und Nachinszenierungen offenbart dieser Dokumentarfilm beachtlichen analytischen Scharfblick. In dem folgenden Aufsatz beschreibt der Regisseur Stefan Landorf die Idee hinter seinem Filmprojekt. Weiter...

Szenenfoto aus "Der Kick", Deutschland 2006, 85 min

Andres Veiel

Der Kick

"Der Kick" ist Andres Veils filmische Adaptation des gleichnamigen Theaterstücks über den brutalen Mord an einem Jugendlichen in dem kleinen brandenburgischen Dorf Potzlow. Veiel und seine Co-Autorin Gesine Schmidt verarbeiteten den Stoff auf der Grundlage weitrechender Recherchen und umfangreicher Gesprächsprotokolle mit den Beteiligten. In der minimalistischen Verfilmung spielen zwei Schauspieler sämtliche Rollen. In dem folgenden Text erklärt der Regisseur Andres Veiel seine filmische Erzählweise. Weiter...

Szenenfoto aus "Kurz davor ist es passiert", Österreich 2006, 72 min

Anja Salomonowitz

Kurz davor ist es passiert

Menschenhandel und Prostitution - Anja Salomonowitz bricht bei der Darstellung dieser brisanten Themen mit gängigen Darstellungsformen des Dokumentarischen. Keiner der erzählenden Personen hat die dargebotenen Geschichten selbst erlebt. Auch die Drehorte sind keine originalen Schauplätze. Das Publikum ist gefordert, sich aus den dokumentarisch anmutenden Bruchstücken selbst ein mögliches Bild des Frauenhandels zusammenzusetzen. In dem folgenden Aufsatz erläutert die Regisseurin Anja Salomonowitz ihre Gründe für diese unkonventionelle Darstellungsform. Weiter...

Szenenfoto aus "Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?", Österreich 2004, 73 min

Gerhard Friedl

Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?

Dieser Film steht an der Grenze zwischen Dokument und Essay und spielt dabei mit dem Verhältnis zwischen Bild und Ton. Kamerafahrten und Schwenks durch deutsche Industriestätten treffen auf einen nüchtern vorgetragenen Sprechertext, der sprunghaft zwischen Businessnachrichten und boulevardesquen Softnews wechselt. Das Thema sind Verstrickungen und Delikte deutscher Wirtschaftsdynastien des 20. Jahrhunderts. Weiter...

Szenenfoto aus "Hamburger Lektionen", Deutschland 2006, 133 min

Romuald Karmakar

Hamburger Lektionen

"Hamburger Lektionen" ist ein in Form einer Lesung gestalteter Dokumentarfilm von Romuald Karmakar. Der Regisseur lässt darin in einem sehr neutralen Ton Übersetzungen radikaler Predikten aus einer deutschen Moschee durch einen Schauspieler vortragen. Durch diese Distanzierungsstrategie wird das repressive Gedankengut dieser "religiösen" Verkündigungen offengelegt. In dem folgenden Auszug spricht die Regisseurin Gisela Gerst in einem Interview über ihr filmisches Stilmittel. Weiter...