Erarbeitung konkreter Methoden zum Einsatz des Filmkanons im Curriculum
Prof. Dr. Achim Barsch (Universität Kassel)
28.5.2009
In seinem Einführungsvortrag umriss Achim Barsch die Kernpunkte von Kanonkonzepten. Von seiner geschichtlichen Herleitung betrachtet sei ein Kanon eng mit der Entwicklung von Maßstäben, Kriterien, Prinzipien, Normen oder Regeln verbunden und impliziere somit eine gewisse Verbindlichkeit. Er solle mit den Grundprinzipien einer Epoche, einer Kultur, einer Gesellschaft oder einer Gruppe vertraut machen, unterliege jedoch auch einem Wandel, der beispielsweise historisch oder gesellschaftlich bedingt sei. Im Hinblick auf das Medium Film seien auch mehrere Kanones denkbar, die jeweils andere Schwerpunkte setzen, wie etwa herausragende Werke bestimmter Regisseure/innen, Schulen, Stile, Genres oder Phasen.
Die anschließende Diskussion im Plenum griff zum Teil grundsätzliche Aspekte des Impulsvortrags und des Werkstattgesprächs zum Filmkanon auf und vertiefte sie. Angemerkt wurde beispielsweise, dass ein Filmkanon als Sammlung exemplarischer Filme für den Schulunterricht gelten könne, die die Förderung bestimmter Kompetenzen über Fächer und Jahrgangsstufen hinweg gewährleiste. Anhand kanonisierter Filme ließen sich zum einen Phasen oder Entwicklungslinien der Filmgeschichte darstellen, zum anderen könnten grundlegende Analysekompetenzen vermittelt werden.
Andererseits könne auch gerade die Kontroverse um einen verbindlichen Filmkanon im Schulunterricht selbst zum Thema gemacht werden. Ein Kanon sei immer ein soziales Konstrukt, das sowohl begründet als auch reflektiert werden müsse. Wenn die Schüler/innen eigene Filme/Filmausschnitte mitbringen und ihr Wissen um die persönlichen Kult- oder Lieblingsfilme mit dem Wissen um Kanonfilme vergleichen, könnte eine solche Reflexion beispielsweise in Form gegenseitiger Befragungen, als Unterrichtsgespräch oder mit Hilfe eines Fragebogens angestoßen werden.
Über die ausgewählten Filme hinaus kann auch der Prozess der Kanonisierung zum Unterrichtsthema werden. Auswahl- und Wertekriterien können ermittelt und der "offizielle" Kanon mit anderen Kanoniserungen (zum Beispiel anderer Länder, Kulturen, Subkulturen) verglichen werden. Persönliche und gesellschaftliche Werte könnten auf diese Weise zur Sprache kommen, würden bewusst und hinterfragbar. Als umfassende und ergebnisoffene Diskussion würde so auch Neugierde auf Filme (oder Filmgeschichte) geweckt. Die Chance des Unterrichts läge gerade darin, durch Aufgeschlossenheit Toleranz zu praktizieren. Statt Interpretationen, die bereits im Voraus feststehen, sollten die Schüler/innen zu einer individuellen Auseinandersetzung angeregt werden.
Zusammenfassung: Stefan Stiletto
